Wie stark angeschlagen ist Blocher?
Von David Vonplon. Aktualisiert am 19.11.2008
«Jeder wird älter»: Christoph Blocher, Alt-Bundesrat der SVP.
«Christoph Blocher ist der beste und fähigste Kandidat unserer Partei.» Diesen Satz wiederholen die SVP-Politiker in diesen Tagen fast schon gebetsmühlenartig – und auch Blocher selber sieht sich als Nummer Eins der Partei, wie er gestern auf «Teleblocher» unmissverständlich klar machte. Blocher, 68, hat in der Tat in den vergangenen Jahrzehnten das Schweizer Politgeschäft dominiert. Nur: Kann er das auch in Zukunft?
Blocher «wie ein verletztes Tier»
Zweifel sind angebracht. In seinen jüngsten Auftritten zeigte sich Blocher angeschlagen. Im Interview mit «10vor10» vom vergangenen Montag verhaspelte er sich mehrmals, suchte nach Worten und fand doch nicht die richtige Formulierung. «Irgendetwas stimmt nicht mehr mit Blocher», lautete nach dem Auftritt das Verdikt des Kommunikations-Experten Marcus Knill im «Blick». Blocher mache auf ihn den Eindruck eines verletzten Tiers.
Auch inhaltlich vermochten Blochers Ausführungen nicht zu überzeugen. Seine Antworten auf die Fragen des SF-Korrespondenten standen oft in keinem direkten Zusammenhang zur Frage. Blocher wiederholte sich und sagte in einem gut zweiminütigen Gespräch fünfmal, wie schwierig die Zeit, die Situation oder die Aufgabe seien. Ein Mann, ein Staatsmann, der das Land mit sicherer Hand und Überzeugungskraft durch die bevorstehende Krise führt, tritt anders auf.
Was ist geworden aus dem grossen Rhetoriker?
Es ist dies nicht das erste Mal seit seiner Abwahl aus dem Bundesrat, dass Blocher seine frühere sprachliche Gewandtheit und Schlagfertigkeit vermissen lässt. In der «Arena» unterlag der Polithaudegen seiner Gegenspielerin Eveline Widmer-Schlumpf in der Debatte um die «Einbürgerungsinitiative» nach Punkten. Blocher wirkte während der Sendung vom 16. Mai müde, fahrig und las von seinen Notizen ab. Den ruhigen, präzisen Ausführungen der Bündnerin hatte er wenig entgegenzusetzen. Wochen später verloren er und seine Partei auch an der Urne.
Was ist nur geworden aus dem grossen Rhetoriker, der bis vor Kurzem noch jeden politischen Widersacher mit seiner Wortgewalt in der Luft zerreissen konnte? Hat Blocher seinen Zenit überschritten? Aus seinem Umfeld, in welchem Blocher weiterhin als Idol verehrt wird, will man freilich nichts davon wissen, dass Blocher angeschlagen ist: «Blocher ist weiterhin der beste, kenntnisreichste und unterhaltsamste Redner des Landes. Daran hat sich nichts geändert», sagt der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, ein langjähriger Weggefährte Blochers. Dass Blocher in bester Verfassung sei, habe er gestern Abend gezeigt, indem er den früheren deutschen Finanzminister Hans Eichel in Grund und Boden gestampft habe.
«Niederlage nicht verdaut»
Anderer Ansicht ist Politbeobachter Peter Bodenmann: «Jeder wird älter – auch Blocher», betont der Walliser Hotelier. Es sei augenfällig, dass Blocher sich darüber nerve, dass in der eigenen Partei nun jeder «Löli» glaube, er könne Bundesrat werden. Nach zehn Monaten in der Opposition agiere er nun aus einer Position der Schwäche heraus - «und das ärgert ihn offensichtlich».
Noch weiter geht Kommunikationsexperte Philippe Welti: Auf ihn macht Blocher einen «gebrochenen» Eindruck: «Man sieht ihm an, dass er die Niederlage im Bundesrat nicht verdaut hat. Blocher sei noch immer überzeugt, dass nur wegen seiner wirtschaftlichen Erfahrung die Schweiz retten könne. Dabei sei er gefangen in der Vorstellung, er müsse eine Mission erfüllen. Weltis Befund: «Mir kommt er vor wie ein sturer Elefant, der nicht loslassen kann.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.11.2008, 14:27 Uhr
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