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Schweiz

«Weshalb sollen Schleudertrauma-Patienten mehrheitlich Schurken sein?»

Schleudertraumapatienten werden oft nicht ernst genommen. Denn die Verletzung ist nicht nachweisbar. Stimmt nicht, sagt der österreichische Neurologe und Psychiater Werner Laubichler.

Schleudertraumas sind kurz nach dem Unfall im MRI nachzuweisen. Die helle Stelle in der Wirbelsäule (grüner Pfeil) zeigen ein für ein Schleudertrauma typisches Knochenmarködem.

Schleudertraumas sind kurz nach dem Unfall im MRI nachzuweisen. Die helle Stelle in der Wirbelsäule (grüner Pfeil) zeigen ein für ein Schleudertrauma typisches Knochenmarködem.

Prof. Dr. Werner Laubichler ist Neurologe und Psychiater in Österreich. Er war über 40 Jahre als Gutachter am gerichtsmedizinischen Institut Salzburg-Linz tätig und spricht heute an der Tagung des schweizerischen Schleudertraumaverbands.

Kosten eines Schleudertraumas

Rund 36'000 Franken kostet ein Schleudertraumapatient in der Schweiz. Dies habe eine internationale Studie ergeben, so Herbert Schober, Fachanwalt SAV für Haftpflicht- und Versicherungsrecht. Verpasst der Patient die Frist, in der ein medizinischer Nachweis möglich ist, sei nur noch eine indirekter Nachweis möglich. Diese verlangt gemäss Schober eine umfassende medizinische Dokumentation.

Werner Laubichler, Sie sagen, Schleudertraumen können sichtbar gemacht werden.
Ja, es gibt objektive Möglichkeiten, die jedoch nicht genutzt werden. Die sind besonders dann angebracht, wenn die Beschwerden stark sind und eine Arbeitsunfähigkeit über längere Zeit bewirken.

Was sind das für Möglichkeiten?
Wenn man nach ein paar Tagen bemerkt, dass es sich nicht um eine Bagatellverletzung handelt, sollte ein MRI durchgeführt werden, also eine Kernspin-Tomografie der Halswirbelsäule. Damit lassen sich unter anderem kleine Blutungen in der Muskulatur feststellen und vor allem ein Knochenmark-Ödem.

Weshalb ist dies entscheidend?
Wenn eine Stosswelle einen Knochen erschüttert, der Schlag jedoch zu schwach ist, dass der Knochen bricht, wird das Knochenmark, das in jedem Knochen enthalten ist, durchgeschüttelt und es bilden sich Ödeme, das heisst, Flüssigkeit reichert sich im Knochenmark an. Das ist jedoch frühestens 24 Stunden nach der Verletzung nachzuweisen. Unmittelbar nach der Verletzung lohnt es sich nicht, ein MRI durchzuführen, jedoch ein paar Tage später schon.

Ist ein Schleudertrauma ein halbes Jahr nach dem Unfall auf dem MRI auch noch zu sehen?
Das ist fraglich. Nur im Extremfall sind Reste von Blutungen und Ödeme nach dieser Zeit noch zu sehen. Das Problem ist, dass viele Patienten die Gelegenheit verpassen, ein paar Tage nach dem Unfall ein MRI durchzuführen. Danach ist die Chance vorbei. Gefordert sind die Hausärzte. Wenn eine Person nach ein paar Tagen starke Beschwerden hat, sollte sie ein MRI verlangen. Das weiss bloss fast niemand. Die Patienten können selber kein MRI durchführen lassen, sie müssen einem Spezialisten zugewiesen werden.

Gibt es keine andere Möglichkeit als das MRI?
Bei lang anhaltenden Beschwerden gibt es das funktionelle MRI mit verschiedenen Kopfstellungen, etwa mit vorgebeugtem und rückwärts gebeugtem Kopf. Bei normalen Röntgenaufnahmen sind so nur die Wirbelknochen zu sehen, ein Schleudertrauma ist nicht festzustellen. Das ist das Problem. Die Patienten haben grosse Beschwerden angegeben, die man nicht hatte beweisen können. Irgendwann hat man angenommen, dass es sich um Schwindler handeln muss.

Wenn das MRI so deutliche Befunde liefert, weshalb wird es denn nicht durchgeführt?
Ich habe mit verschiedenen Unfallchirurgen gesprochen. Die sagen, der Aufwand sei zu gross. Einerseits sind die Apparate in Krankenhäusern von stationären Patienten ausgelastet und zweitens ist eine Geldfrage. Doch bei uns in Österreich kostet ein funktionelles MRI etwa 270 Euro. Das muss meiner Meinung nach drin liegen.

In der Schweiz kostet ein MRI rund 500 bis 1200 Franken. Da scheint es umso unverständlicher, dass sie bei Schleudertrauma-Patienten nicht angewendet werden.
Es klingt zynisch, aber die Unfallversicherungen sind nicht besonders interessiert daran, dass man alles aufklärt. Patienten mit Halsschleudertrauma wurden lange Zeit diffamiert. Es wurde häufig von Betrug und Schwindeleien gesprochen, was meiner Meinung nach ein Unsinn ist. Weshalb sollen Schleudertrauma-Patienten alle mehrheitlich Schurken sein, Patienten mit Rumpf- oder anderen Verletzungen keine? Betrugsversuche gibt es immer, die sind jedoch marginal.

Wie lange ist bekannt, dass das MRI nützlich ist?
Seit es das MRI gibt, also mindestens seit 20 Jahren.

Gibt es andere Untersuchungen?
Ohrenärzte könnten bei Untersuchungen der Gleichgewichtsfunktionen manchmal Hinweise auf Verletzungen der Halswirbelsäule gewinnen. Eine weitere Möglichkeit wäre die funktionelle Kernspin-Spektografie, die den Gehirnstoffwechsel misst. Chronische Schmerzen werden ständig dem Gehirn gemeldet. Dies kann reflektorisch zu Minderdurchblutungen in gewissen Gehirnregionen führen. Das wird als typisch beschrieben für schwere Beschleunigungstraumas der Halswirbelsäule. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.06.2010, 13:11 Uhr

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19 Kommentare

Nicole Suter-Murard

23.06.2010, 00:35 Uhr
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@Werner Matti : Sie berufen sich auf die kostenlosen Schlagzeilen, die stets die selbe diffamierende Botschaft senden Herr Matti. Tatsache ist: Auch Sie könnten keine grosse Freude aufkommen lassen könnten, wenn Sie als Unfallopfer vom arbeitsamen, unbescholtenen und geachteten Bürger zur verachtenswerten Kreatur gezwungen würden. Es kann jedem Bürger unerwartet geschehen - Auch Ihnen. Antworten


Nicole Suter-Murard

22.06.2010, 01:04 Uhr
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@Daniel Schwarz: Leider Herr Schwarz, sind Simulanten eine Minderheit. An den Kragen geht's all denen, die wegen dieser Minderheit zermürbt, von der Gesellschaft ausgeschlossen einen nicht selbst verursachten sozialen Abstieg erleben müssen und von der Sozialhilfe überleben müssen. Nicht wenige landen in psychiatrischen Anstalten. Ist Dignitas die einzige Möglichkeit menschliche Würde zu bewahren? Antworten


Nicole Suter-Murard

21.06.2010, 13:17 Uhr
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@Thomi Horath - Versicherungen müssen sparen und dieses Jahr muss noch mehr gespart werden. Interessant: 60% vom jährlichen Reinerlös von Haftpflichtversicherungen gehen in die Abwehr von kostspieligen Schadenfällen - D.h. Wenn die Haftpflichtversicherung den an Dritte verursachten Schaden nicht anerkennt, kann der Vericherungsnehmer zivilstrafrechtlich persönlich zur Kasse gebeten werden. Antworten


Nicole Suter-Murard

21.06.2010, 10:48 Uhr
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@Hans Iseli - In Deutschland liegen die registrierten Simulanten weit unter der 10%-Grenze. In der CH wird dieser Wert kaum höher sein. Die effektiv Geschädigten, die aufgrund des Kostenaufwandes für die Versicherungen, der mit diesen Unfallfolgen gekoppelt ist, siechen dahin, der Steuerzahler zahlt. Diese Unfallfolgen sind im Übrigen seit der Einführung der Eisenbahn medizinisch dokumentiert. Antworten


Elsa Lüthi

18.06.2010, 00:42 Uhr
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Leider gibt es viele Ärzte ohne das nötige Fachwissen betr. "Schleudertrauma". Solche Ärzte arbeiten als Gutachter für Versicherungen. Diesen Ärzten geht es einzig um das Honorar, die Patienten interessieren sie überhaupt nicht. Antworten


Nicole Suter-Murard

18.06.2010, 00:12 Uhr
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Danke, Dr. Laubichler für Ihre willkommene und fundierte Stellungnahme zum Thema zervikales /zervico-brachiales Beschleunigungstrauma. Ich vermeide den Begriff Schleudertrauma, der derart stigmatisiert ist, dass grundsätzlich der Betroffene sehr oft von Anfang an kriminalisiert wird. Die Entwürdigungen, die der Betroffene nach dem Unfall ertragen muss zeugen einer unanständigen Gesellschaft.. Antworten


Thomi Horath

18.06.2010, 00:00 Uhr
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"Es klingt zynisch, aber die Unfallversicherungen sind nicht besonders interessiert daran, dass man alles aufklärt." Es klingt nicht nur so, es ist auch so... :( Antworten


Werner Matti

17.06.2010, 19:06 Uhr
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Jeder ist ja blöd, wenn er wegen "nichts" keine lebenslange Rente bekommt. Du musst nur schlauer sein als die anderen... Antworten


christoph scheidegger

17.06.2010, 18:08 Uhr
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hoch lebe der schleudertraumaverband, die ehrlichkeit und die wahrheit. Antworten


christoph scheidegger

17.06.2010, 17:17 Uhr
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@ Daniel Schwarz : alle theorie ist grau und manch schweres wort, wird oft allzuleicht gesprochen. Antworten


Horst Ritter

17.06.2010, 17:15 Uhr
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jeder unfallgeschaedigter, z.b. durch einen auffahrunfall sollte innerhalb einer woche eine solche bildgebende untersuchung durchfuehren lassen. diese muss von fachkundigem personal erfolgen. nicht jede praxis, die eine solche einrichtung hat ,hat dafuer auch gut ausgebildetes personal.sonst werden die aufnahmen zum lotteriespiel. der schweizer schleudertrumaverband kann hier sicherlich beraten . Antworten


Hans Iseli

17.06.2010, 17:10 Uhr
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2 Kommentare, 2 Extreme, wenig Nachdenken (also wie immer): Unbestritten ist erstens, dass es viele echte Fälle gibt. Unbestritten ist zweitens, dass es viele Simulanten gibt. Antworten


Urs Huggentobler

17.06.2010, 16:11 Uhr
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Im Beitrag sind auch schwere Schleudertr. erwähnt. Dabei wird vergessen, dass diese (QTF-Grad 3 und 4) definitionsgemäss z.B. mit Nervenausrissen und Frakturen einhergehen. Da brauche ich kein funktionelles MRI, um das Gejammern bei Mini-Auffahrunfällen am Fussgängerüberweg doch noch bildgebend darstellen zu können. Im Übrigen hat sich auch das Bundesgericht schon zu den neuen "Beweisen" geäussert Antworten


Urs Huggentobler

17.06.2010, 16:06 Uhr
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Als Mediziner beurteile ich seit Jahren auch Schleudertraumafälle für Versicherungen. Man mag sich zwar gut ins Rampenlicht stellen können, wenn man darstellen kann, dass die (vorübergehenden) körperl. Veränderungen nun medizinisch nachweisbar seien. Das nützt aber herzlich wenig. Nur die tatsächlich feststellbaren, dauerhaften Funktionseinbussen können Versicherungsleistungen (IV etc.) auslösen. Antworten


Daniel Schwarz

17.06.2010, 15:12 Uhr
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Endlich gehts den Simulanten an den Kragen. Hoch lebe die Wissenschaft!!!! Antworten


Corina Hess

17.06.2010, 15:07 Uhr
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Es heisst Schleudertraumata! Ein Trauma mehrere Traumata! Bitte die schwierigen Wörter doch zur Abwechslung einmal googeln. Antworten


Ronnie König

17.06.2010, 14:58 Uhr
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Da sieht man wohin es führt, wenn Politiker in Verwaltungsräten von Versicherungen sitzen!!! Anstatt den Patienten zu sehen und das Leiden, denkt diese arrogant gierige Kaste nur ans Geld. Bis sie vielleicht auch mal Schmerzen haben. Meist haben sie aber eine teure Topversicherung. Antworten


heinz heinz

17.06.2010, 14:35 Uhr
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schleudertraume patienten werden von versicherungen als versicherungsbetrüger hingestellt ,nicht selten so zb.ertattet die mobiliar versicherung strafanzeige gegegn ein unfallopfer,lässt ihn verhaften ,und betittelt den verletzten als "betrüger"zahlt im anschluss natürlich mal nichts,der sachbearbeiter gibt von sich dass alle geschädigte betrüger wären. tolle mobiliar danke mobiliar Antworten


philipp glanzmann

17.06.2010, 14:20 Uhr
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also wenn es schleudert, dann kann es ein trauma sein muss aber nicht, es ist auch möglich nur ein ein wenig zu rutschen Antworten



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