Wer für, wer gegen das Energiegesetz war

Junge, Westschweizer und Städter stimmten besonders klar für das Energiegesetz.

Windkraft ist willkommen: <nobr>64 Prozent</nobr> der Befragten geben an, sie würden Windräder im Sichtbereich ihres Wohnortes akzeptieren. <nobr>Foto: Valentin Flauraud (Keystone)</nobr>

Windkraft ist willkommen: 64 Prozent der Befragten geben an, sie würden Windräder im Sichtbereich ihres Wohnortes akzeptieren. Foto: Valentin Flauraud (Keystone)

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Die letzten Umfragen vor der Abstimmung vom Sonntag hatten eine sinkende Zustimmung zum Energiegesetz gezeigt. Statt einer knappen resultierte aber eine klare Zustimmung von 58,2 Prozent.

Deutlicher als erwartet stimmte die Basis der CVP (71 Prozent Ja) der Vorlage des Parlaments zu. Das zeigt die Nachbefragung von Tamedia zur Abstimmung. Fast geschlossen standen die Wähler der Grünen und der Grünliberalen hinter der Vorlage (je 94 Prozent Zustimmung). Während die SP-Anhänger mit 88 Prozent ebenfalls sehr deutlich zustimmten, spiegelte das Abstimmungsverhalten der FDP-Basis mit 53 Prozent Ja-Stimmen die Spaltung der Partei in dieser Frage. Von den SVP-Wählern stimmten immerhin 26 Prozent für das neue Gesetz.

Die CVP-Basis folgte mit ihrem Ja der Partei, die nach der Katastrophe von Fukushima die Energiewende zu einer zentralen Position erhob. Ein Effekt der CVP auf das Abstimmungsresultat lässt sich laut Lukas Golder vom Forschungsinstitut GFS Bern auch an den Kantonsresultaten ablesen. Im Vergleich mit der Atomausstiegsinitiative schnitt das Energiegesetz vor allem in Appenzell Innerrhoden, dem Wallis, Luzern, Zug und Freiburg besser ab. In diesen Kantonen ist die CVP stark und hatte schon im Kampf um die Atomausstiegsinitiative mit dem Energiegesetz als besserer Alternative geworben.

Zweifel an Ausbauzielen

Aus der Nachbefragung von Tamedia geht weiter hervor, dass junge Wähler dem Energiegesetz besonders deutlich zustimmten. 69 Prozent der 18- bis 34-Jährigen stimmten Ja, während es in den anderen Alterskategorien jeweils rund 55 Prozent waren.

Unterschiede in der Befürwortung finden sich auch je nach Wohnort. Dies zeigt eine Auswertung der Abstimmungsresultate durch das Bundesamt für Statistik. Mit 51,5 Prozent Nein-Stimmen knapp abgelehnt wurde die Vorlage nur in den ländlichen Deutschschweizer Gemeinden. Die Zentrumsstädte in der Deutschschweiz sagten hingegen deutlich Ja (64,8 Prozent). Über die Regionen hinweg liegt die Zustimmung in der Romandie (69,9 Prozent) und in der italienischsprachigen Schweiz mit 56,7 Prozent allgemein höher als in der Deutschschweiz (54,8 Prozent).

Die Umstellung auf Erneuerbare ist ein zentrales Anliegen.

Aus der Tamedia-Nachbefragung, deren Resultate von den Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen gewichtet wurden, ist auch ersichtlich, dass die Umstellung auf klimaschonende erneuerbare Energien ein zentrales Anliegen der Stimmberechtigten ist. 58 Prozent der Befragten gaben dies als überzeugendstes Pro-Argument an. Bei den Argumenten der Gegenseite nannten 36 Prozent jenes am häufigsten, wonach das Gesetz von unrealistischen Ausbauzielen für die erneuerbaren Energien ausgehe. Nur 42 Prozent der Befragten sind zuversichtlich, dass der Energieverbrauch pro Kopf bis 2035 um 43 Prozent reduziert werden kann. 56 Prozent glauben nicht daran.

Allerdings stösst die Windkraft auf eine breite Akzeptanz. 64 Prozent der Befragten geben an, sie würden Windräder im Sichtbereich ihres Wohnortes akzeptieren. Auf mehrheitliche Ablehnung stösst hingegen der Bau von Gas-Kombikraftwerken: Dagegen spricht sich mit 56 Prozent klar über die Hälfte der befragten Personen aus.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.05.2017, 08:02 Uhr

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