Schweiz

«Vielleicht war ich naiv»

Aktualisiert am 27.08.2010

Marcel Graf, Initiant der umstrittenen Todesstrafe-Initiative, äussert sich in einem Interview erstmals ausführlich zum überraschenden Rückzug seines Anliegens.

In der Schweiz vorerst kein Thema mehr: Eine Todeszelle in Huntsville, Texas.

In der Schweiz vorerst kein Thema mehr: Eine Todeszelle in Huntsville, Texas.
Bild: Keystone

Marcel Graf war so etwas wie ein Phantom. Der Mann, der die Todesstrafe für schwerste Sexualstraftäter fordert und deswegen eine Initiative lancierte, war kaum je zu sprechen.

In der «Aargauer Zeitung» äusserte er sich nun erstmals über den überraschenden Rückzieher seiner Initiative. Er betont dabei, dass es Primärziel der Initiative war, Aufmerksamkeit zu erreichen. Er lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass das Komitee mit der Resonanz auf das heisse Thema überfordert war: Die Reaktionen hätten «Dimensionen angenommen, die uns dazu veranlasst haben, die Initiative zurückzuziehen», so Graf im Interview.

«Nächtliche Anrufe»

Um was für Reaktionen es sich handelte, darauf wollte er nicht genauer eingehen. Es habe jedoch «nächtliche Anrufe» gegeben. Auch dass er bedroht wurde, kommentiert Graf nicht. Er gibt jedoch vielsagend an, die Sicherheit der Familie sei ihm wichtiger als die Initiative.

Graf lässt durchscheinen, dass er auf die entstandene Medienarbeit nicht eingestellt war. «Wir haben im Gegensatz zu anderen Initianten keine Lobby im Rücken», erklärt er weiter. Dennoch habe er auch positive Reaktionen erhalten und ist darum sicher: «Wir hätten die nötigen Unterschriften auftreiben können.»

«Ich stehe auf Dan Brown»

Auf die Frage, ob es mit der Zahl Sieben etwas auf sich habe – sieben Gründe führte er für die Initiative auf, sieben Gründe für den Rückzug –, antwortete Graf: «Ich stehe auch auf Dan Brown.» Dass es gerade sieben Gründe geworden seien, sei aber Zufall.

Auch eine Message an den «Täter», welche zeitweise auf der Homepage zu finden war, sei unbeabsichtigt gewesen. «*F*you» habe nur aus Versehen auf der Seite gestanden. «Sorry, Mom», entschuldigte sich Graf für den Fehler, der seine Mutter schockierte. (reh)

Erstellt: 27.08.2010, 10:16 Uhr

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