«Vielleicht gibt es die EU in 20 Jahren gar nicht mehr»
Interview Matthias Chapman. Aktualisiert am 20.07.2010
Will mit seiner Partei weiter aufsteigen: SVP-Nationalrat Hans Fehr. (Bild: Keystone )
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Herr Fehr, nun drängt auch Avenir Suisse in die EU. Und gerade jetzt treten sie bei der Auns ab. Der falsche Zeitpunkt?
Die sogenannte Schweizer Elite erhöht derzeit den Druck für einen EU-Beitritt. Nun legen wir – und damit meine ich all jene, die nicht in die EU wollen – den Fokus auf die Wahlen 2011. Diese wollen wir unbedingt gewinnen. Und dafür hat mich die SVP-Sitze in die Wahlkampfleitung geholt. Die überparteiliche Auns kann ja keine Wahlen führen.
Mit Avenir Suisse nimmt erstmals eine Organisation, die oft rechte Positionen vertritt, eine EU-freundliche Haltung ein. Beunruhigt Sie das?
Avenir Suisse ist aussenpolitisch eine realitätsfremde Organisation, die an Visionen zimmert und professoral auftritt. Ihre Vorschläge sind Gedankenspiele, die der Wirklichkeit nicht standhalten. Ich kann Avenir Suisse europapolitisch nicht ernst nehmen. Ihre EU-freundliche Haltung ist übrigens nicht neu. Man sehe nur die Beispiele Personenfreizügigkeit oder Schengen, wo sie vehement dafür war.
Die Auns will näher mit anderen Rechtsgruppen zusammenarbeiten, so zum Beispiel Young4Fun oder Pro Libertate. Kommt es zur Fusion?
Nein. Tatsache ist aber: Wir wollen diese Gruppierungen näher in unsere Kampagnen einbinden. Ganz nach dem Mott: Getrennt marschieren, vereint schlagen.
Was raten Sie ihrem Nachfolger bei der Auns, Werner Gartenmann?
Wir müssen die Mitgliederbasis noch vergrössern. Derzeit zählen wir gegen 47'000, die Auns kann die Mitgliederzahl aber auf 100'000 verdoppeln. Dazu müssen wir aber die Werbung verstärken und noch mehr an die Leute herantreten. Zweitens müssen wir unsere Pläne für die sogenannte Neutralitätsinitiative vorantreiben. Damit wollen wir die Ausgestaltung der Aussenpolitik in der Verfassung präzisieren und treten dagegen an, dass sie wie jetzt von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey als ‹aktive Neutralität› kaputt gemacht wird.
Sie verlassen den Posten des Auns-Geschäftsführers. Hatten Sie mit Präsident Pirmin Schwander Differenzen?
Das sind Wunschgebilde unserer Gegner. Es kam aber selbstverständlich vor, dass wir unterschiedliche Positionen vertraten. Nicht gleicher Meinung waren wir zum Beispiel bei der Frage, ob man das Referendum gegen die demokratiefeindliche Paketvorlage zur Personenfreizügigkeit unterstützen soll. Aber mein Wechsel hat damit nichts zu tun.
Gibt es die Auns in 15 Jahren noch?
Selbstverständlich. Sollte jedoch die EU-Frage dereinst definitiv vom Tisch sein, bräuchte es die Auns nicht mehr.
Wird die Auns irgendwann zur politischen Partei?
Wir brauchen die Überparteilichkeit, um möglichst viele EU-Gegner einzubinden. Unsere Organisation zählt zwar zur Mehrheit SVP-Mitglieder, wir haben aber auch viele Leute aus FDP, CVP und selbst Linke und Grüne sind uns beigetreten. So gesehen würde das keinen Sinn machen, eine politische Partei zu werden.
Sie machen künftig Wahlkampf mit Christoph Blocher. Im kleinen Zirkel hat er sicher schon gesagt, ob er ins eidgenössische Parlament zurückkehrt.
Dazu will ich mich nicht äussern. Aber ich erwarte und hoffe, dass Blocher ins Parlament zurückkehrt.
Was sind die Ziele der SVP für die Wahlen 2011?
Wir wollen markant zulegen. Im Klartext: Mehrere Prozente. Potenzial gibt es noch genug, zum Beispiel in der Westschweiz.
Hand aufs Herz, Herr Fehr: Glauben Sie nicht auch, in 20 Jahren ist die Schweiz EU-Mitglied?
Ohne Auns wäre die Schweiz schon lange in der EU. Tatsächlich glaube ich, dass unser Kampf gegen den EU-Beitritt immer härter wird. Ein Grossteil der Schweizer Elite will in die Europäische Union. Aber glauben Sie mir, in der Bevölkerung wird der Widerstand gegen einen EU-Beitritt auch immer stärker. Wir werden auch in 20 Jahren nicht in der EU sein, vielleicht gibt es sie dann auch nicht mehr. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.07.2010, 12:56 Uhr
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