Schweiz

Verschwinden mit dem Bankgeheimnis wirklich Stellen?

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 16.02.2010 20 Kommentare

Dass der Abschied vom Bankgeheimnis Tausende von Arbeitsplätzen kostet, wird oft behauptet. Belege dafür gibt es keine.

Kommt die Krise mit dem Abgang des Bankgeheimnisses? Werbeaufschrift einer Bank in Bern.

Kommt die Krise mit dem Abgang des Bankgeheimnisses? Werbeaufschrift einer Bank in Bern.
Bild: Keystone

Selbst die Interessenverbände der Banken stochern im Nebel. «Wir haben keine Modellrechnungen angestellt», sagt Thomas Sutter von der Bankiervereinigung. Es sei schwierig abzuschätzen, ob ausländische Kunden nur wegen des Bankgeheimnisses oder wegen der guten Dienstleistungen kommen. Auch Chantal Bourquin von der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers sagt, es gebe keine Statistik oder Berechnung, die aufzeigen würde, wie viele Stellen von der Verwaltung unversteuerter Gelder abhängig seien.

Das müsse man gar nicht erst mit Studien belegen, meint Dieter Sigrist von der Vereinigung Schweizerischer Handels- und Verwaltungsbanken. «Je weniger Vermögen in der Schweiz verwaltet werden kann, desto weniger Arbeitsplätze gibt es.» So weit wagt sich auch Sutter von der Bankiervereinigung vor: «Wenn man die Rahmenbedingungen ändert, werden wir nicht alles Geld behalten können. Dann brauchen die Banken auch weniger Leute.» Auf Zahlen will sich Sutter aber nicht einlassen. Das wäre schon deshalb unseriös, weil man nicht wisse, wie viel Schwarzgeld auf Schweizer Banken liege. Damit fehle die Basis für eine genaue Aussage.

30'000 betreuen Ausländer

Immerhin nennt Sutter eine Zahl, die aufhorchen lässt. Etwa 30 000 der in der Schweiz tätigen Bankangestellten sind im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft tätig. Das ist rund ein Viertel der 110'000 Arbeitsplätze, welche die Schweizer Banken im Inland anbieten. Dass so viele Bankmitarbeiter in der Betreuung ausländischer Kundengelder engagiert sind, mag überraschen. Dass alle diese Arbeitsplätze mit der Lockerung des Bankgeheimnisses gefährdet sind, lässt sich aber nicht behaupten. Die Erfahrung mit dem Scudo fiscale, der italienischen Steueramnestie, zeigt, dass gegenüber dem ausländischen Fiskus offengelegte Schwarzgelder nicht einfach von den Banken abgezogen werden. Im Fall der CS blieben zwei Drittel der deklarierten Vermögenswerte bei der Bank.

Die Credit Suisse verwaltet gemäss Finanzchef Renato Fassbind gegen 100 Milliarden Franken von europäischen Kunden. Der grösste Teil davon dürfte unversteuert sein (TA vom Freitag). Sollte davon als Folge des anhaltenden Drucks auf die Schweizer Banken ein Drittel, also rund 30 Milliarden, abgezogen werden, würde das die Grossbank nicht erschüttern. Das wären rund 2,5 Prozent der von der CS Ende 2009 verwalteten Vermögen - diese haben einen Umfang von 1229 Milliarden Franken.

Privatbanken und Vermögensverwalter gefährdet

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Zürcher Kantonalbank. Christoph Weber, Leiter des Private Banking, schätzt, dass 1 bis 2 Prozent der 134 Milliarden Franken Kundenvermögen nicht versteuert sein dürften. Sollten diese knapp 3 Milliarden wegen neuen Rahmenbedingungen abgezogen werden, würde das nicht viele Stellen gefährden.

Bei Privatbanken und reinen Vermögensverwaltern ist die Situation delikater. Hier dürften eher Stellen gefährdet sein. Allerdings zeigt sich im Tessin, dass die italienische Amnestie kein Beben ausgelöst hat. Von den 7600 Arbeitsplätzen der Banken in der Südschweiz wurden bis heute 250 oder 3,3 Prozent abgebaut (TA vom 4. Februar).

Versicherer schaffen Stellen

Denise Chervet vom Bankpersonalverband ist zwar überzeugt, dass es bei Steueramnestien zu einem Stellenabbau bei Schweizer Banken kommt, will aber nicht auf Panik machen. Gefährlicher sei der Konkurrenzkampf unter den Banken. Der führe im Tessin dazu, dass bis jetzt wenige Kündigungen ausgesprochen worden seien. Jede Bank schaue, was passiere. Chervet befürchtet deshalb, dass der Stellenabbau noch bevorsteht. «Das macht mir Sorgen.»

Weniger der Druck auf das Bankgeheimnis als die Finanzkrise führen dazu, dass Gelder von den Banken zu den Versicherern verschoben werden. «Klienten möchten ihr Geld weniger risikoreich anlegen, etwa in Form von Lebensversicherungen», sagt Lucius Dürr, Direktor des Schweizerischen Versicherungsverbandes. Dieser Trend sei klar feststellbar. Er deutet darauf hin, dass Stellen manchmal einfach verschoben werden. Genau das ist gemäss Chervet im Fall der UBS passiert, die seit Ende 2007 im Inland knapp 4000 Vollzeitstellen gestrichen hat. Viele Betroffene hätten in verwandten Branchen neue Arbeit gefunden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.02.2010, 18:13 Uhr

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20 Kommentare

cornelia hajdinyak

16.02.2010, 15:41 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Hier wird absichtlich ein fundamentaler Aspekt ausgeblendet. Das Bankgeheimnis ist ein wichtiger Schutz des Bürgers gegenüber dem Staatsapparat und anderen. Die "menschliche" Eigenschaft nach immer mehr Macht und Kontrolle zu streben wird da klar gestoppt. Wissen ist gleich Macht und Macht korrumpiert! Die Privatsphäre hat mehr Wichtigkeit, als die Auskunftmöglichkeit der Steuerbehörden. Antworten


yves schneider

16.02.2010, 15:55 Uhr
Melden

Die Banken sind nun gezwungen einen top Service zu bieten, was wiederum top MA für die KD-Betreuung bedarf, also werden keine Arbeitsstellen verschwinden. Ich glaube, dass im Gegenteil durch das wieder gewonnene Vertrauen zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Macht endlich eine Vorwärtsstrategie, denn nur eine gute stabile Wirtschaft und Politik wrmöglicht auch einen guten Finanzplatz Antworten



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