«Versachlichung der Diskussionen»
Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 19.05.2010 37 Kommentare
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Herr de Weck, die SRG steckt in massiven Finanznöten. Journalistisch sind Sie zwar eine Kapazität, aber können Sie auch sanieren?
Ich habe bereits in kleineren Unternehmen als der SRG Restrukturierungen durchgeführt. So etwa bei der «Zeit» in Deutschland, die massiv in den roten Zahlen steckte. Und ich habe für das Institut Universitaire de Hautes Etudes Internationales in Genf zwei Institute mit sehr unterschiedlichen Kulturen zusammengeführt. Es stimmt, dass ich noch nie einer Firma in der Grössenordnung der SRG vorgestanden habe. Aber ich traue mir zu, die Erfahrungen, die ich in kleineren Institutionen gemacht habe, bei der SRG nun in grösserem Massstab anzuwenden.
Von der politischen Rechten wird Ihre Wahl bereits scharf kritisiert. Mit Ihnen gerate die SRG in linke und europafreundliche Hände. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?
Ich zitiere aus dem Programmauftrag der SRG: «Die Vielfalt der Ereignisse und Ansichten muss angemessen zum Ausdruck kommen. Ansichten und Kommentare müssen als solche erkennbar sein.» An diesen Auftrag sind wir gebunden, und ich wäre nicht SRG-Generaldirektor geworden, wenn ich nicht voll und ganz hinter diesem Grundsatz stehen würde.
Sie sind gefragt worden, wo Sie unter keinen Umständen sparen würden. Sie haben nicht geantwortet. Ausser zum Thema Sport.
Ja. Ich will zu den bereits eingeleiteten und nun laufenden Sparprozessen nichts sagen, bevor ich nicht eingearbeitet bin. Aber ich glaube doch sagen zu können, dass die Schweizer Bevölkerung eine fehlende Berichterstattung von Fussballweltmeisterschaften nicht verstehen würde.
Dürfen Kritiker zunehmend seichterer TV-Programme unter SRG- Generaldirektor de Weck auf mehr Ernsthaftigkeit hoffen?
Ganz im Sinne der vorhin zitierten SRG-Konzession, die eine «sachgerechte Information zur freien Meinungsbildung des Publikums» vorschreibt, liegt mir viel an einer Versachlichung der politischen Diskussion. Das gilt für mich grundsätzlich, ohne darob die Quote total aus den Augen zu verlieren.
Sie sind mit vielen Schweizer Verlegern per Du. Wird das die angespannte Situation zwischen Verlegern und SRG auflockern?
Dass ich einigen Verlegern tatsächlich sehr nahe stehe, ist natürlich ein Vorteil. In der globalisierten Medienwelt können wir es uns schlicht nicht leisten, uns zu bekämpfen. Wir müssen für einen starken Standort Schweiz im Mediengeschäft kämpfen – und zwar gemeinsam. Gemessen am Schweizer Markt mögen die SRG oder einige Verlage sehr gross und mächtig sein, doch im internationalen Vergleich sind wir alle winzig klein.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.05.2010, 23:29 Uhr
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37 Kommentare
Roger de Weck ist, durch seine Erfahrungen, welche er in seinem Studium der Volkswirtschaft an der HSG, als Wirtschaftsredakteur und Chefredaktor namhafter Zeitungen die denkbar beste Wahl für diesen Job. Dass er als Intellektueller politisch eher Links steht und nicht wie die Kommentatoren hier dem Rechtspopulismus frönt, ist nichts als logisch und richtig! Danke für diese Wahl SRG! Antworten
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