Schweiz

Uneinigkeit über die Schuldenpolitik

Aktualisiert am 28.01.2011 68 Kommentare

Die USA und Grossbritannien haben sich beim Weltwirtschaftsgipfel im schweizerischen Davos uneins über ihre künftige Wachstums- und Schuldenpolitik gezeigt.

1/3 Hochkarätiges Podium: Jean-Claude Trichet, Nouriel Roubini, Susanne Wille (Moderation), Patrick Odier, Wilhelm Hankel, und Dimitri Papalexopoulos (v.l.n.r.).
Bild: SEK/Röthlisberger

   


(jak, bru)

Live dabei am WEF

Ob am Computer oder mit dem Internet-Handy: Verfolgen Sie heute auf Tagesanzeiger.ch den Auftakt des World Economic Forum in Davos. Ein Reporterteam berichtet ab Mittag vor Ort über die Veranstaltung mit den Mächtigen aus Wirtschaft und Politik. Weiter schreibt Michèle Binswanger in einem Prominenten-Twitter über den gesellschaftlichen Teil des WEF.

Dossier mit Bilder und Videos:
www.wef.tagesanzeiger.ch

  • Zusammenfassung  

    Die Schuldenpolitik hat am Freitag die Gespräche auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos dominiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte andere EU-Staaten zur Solidität auf. Der britische Premierminister David Cameron warb für seinen strikten Sparkurs. Dagegen verteidigte US-Finanzminister Timothy Geithner die deutliche Neuverschuldung für das laufende Jahr.

    Mit der Einrichtung von Fonds und Garantien für hoch verschuldete Euro-Länder sei Solidarität gezeigt worden, sagte Merkel. Solidarität müsse aber «gepaart sein mit Solidität und Stabilität». «Wir müssen ein Stück weit das nachholen, was wir bei der Einführung des Euro nicht gemacht haben: politische Zusammenarbeit und Koordinierung», erklärte sie. Da seien sich Deutschland und Frankreich einig.

    Besser abgestimmt werden müssten etwa die sozialen Sicherungssysteme, insbesondere das Pensionsalter, die Bildungs- und Forschungspolitik und die Bürokratie, sagte Merkel weiter. Massstab dabei sei nicht der Durchschnitt, sondern der Bestwert. Das wichtigste seien wettbewerbsfähige Arbeitsplätze. «Dafür sind wir in Europa noch nicht genügend gerüstet.»

    Flammendes Bekenntnis zum Euro

    Wie am Vortag der französische Präsident Nicolas Sarkozy bekräftigte auch Merkel ihren Willen, an der Gemeinschaftswährung unbedingt festzuhalten: «Scheitert der Euro, scheitert Europa», sagte Merkel. «Deshalb werden wir den Euro verteidigen. Das ist überhaupt keine Frage. Wir müssen den Euro dauerhaft stabil halten.»

    Die Spekulationen gegen den Euro hätten aber einen realen Hintergrund, nämlich die hohe Verschuldung einiger Länder und das mangelnde Vertrauen der Finanzmärkte in die Fähigkeit zum Abbau dieser Schulden. Diese hohe Verschuldung müsse man bekämpfen, forderte Merkel.

    Cameron sieht Schuldenabbau alternativlos

    Ins selbe Horn stiess der britische Premierminister Cameron: Es gebe keine Alternative zu schmerzhaften Einschnitten, da Grossbritannien sonst in die «Gefahrenzone» von Griechenland und Irland gekommen wäre.

    Im Schnitt betrage die Verschuldung der EU-Länder bereits 80 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, sagte Cameron. Bei Grossbritannien kämen allein in diesem Jahr zehn Prozent hinzu. Seine Regierung wolle daher bei ihrem Sparkurs bleiben. Oberstes Ziel sei, das Schreckgespenst massiver Staatsschulden zu vertreiben.

    Angesichts der vor wenigen Tagen vorgestellten schwachen Wachstumszahlen für Grossbritannien sagte Cameron, «der Umgang mit dem Defizit und die Förderung von Wachstum» seien keine Alternativen. Mehr Wachstum sei nicht durch höhere Staatsausgaben zu erreichen, vielmehr müssten Unternehmen durch Deregulierung gestärkt werden.

    Geithner gegen schnelle Kürzungen

    US-Finanzminister Geithner bekräftigte hingegen die Haltung der USA, dass Ausgabensenkungen erst nach einem Wirtschaftsaufschwung sinnvoll seien. «Wir müssen sicherstellen, dass wir die Erholung nicht abwürgen», sagte er.

    «Schnelle und tiefe Einschnitte in die Staatsausgaben» seien «kein verantwortungsbewusster Weg», fügte er hinzu. Sie stünden zudem dem «langfristigen Ziel» der USA entgegen, eine «tragfähige Haushaltssituation» zu erreichen, sagte der US-Finanzminister.

    Die US-Wirtschaft sei in einer guten Position, um vom Wachstum der Schwellenländer zu profitieren, sagte Geithner. Unterdessen wurde bekannt, dass die US-Konjunktur 2010 so stark gewachsen sei wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Wirtschaftsleistung legte gemäss einer ersten Schätzung des US-Handelsministeriums um 2,9 Prozent zu. Dennoch werde die Arbeitslosigkeit in den USA nur langsam sinken, erklärte der Finanzminister.

  • 20:50 Uhr  

    Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi hat sich am Freitag mit einer Audiobotschaft an die 2500 Teilnehmer des Jahrestreffens des Weltwirtschaftsforums in Davos gewandt. Sie rief dazu auf, sich für die Förderung der Demokratie einzusetzen.

    In ihrer Botschaft sagte Aung San Suu Kyi, sie rufe alle auf, «ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten zu nutzen, die nationale Versöhnung, eine echte Demokratisierung, die menschliche Entwicklung und das wirtschaftliche Wachstum» zu fördern.

    Die Unternehmer forderte sie auf, die Rechte und Bedürfnisse der Bevölkerung zu achten und soziale und ökologische Folgen im Auge zu behalten, wenn sie in Burma investierten. Die international weitgehend isoliert lebenden Menschen in Burma wollten Teil der internationalen Gemeinschaft werden, sagte die Oppositionsführerin.

    Gerichte entscheiden gegen die NLD

    Die Partei von Aung San Suu Kyi scheiterte am Freitag vor dem Obersten Gerichtshof des Landes mit einem Widerspruch gegen ihre Auflösung. Wie ein Anwalt der Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) mitteilte, lehnte es das Gericht ab, die Angelegenheit zu prüfen.

    Der NLD bleibe als letzter rechtlicher Schritt, den Präsidenten des Obersten Gerichtshofs direkt anzurufen, hiess es. Es besteht allerdings praktisch keine Chance, dass die Justiz die Auflösung der Partei für ungültig erklärt, da sie auf Anordnung der herrschenden Militärjunta handelt.

    Der Widerspruch der NLD gegen ihre Auflösung war bereits zwei Mal zurückgewiesen worden. Die Partei war im Mai 2010 aufgelöst worden, nachdem sie zum Boykott der international als «Farce» bezeichneten Parlamentswahl aufgerufen hatte.

    15 Jahre unter Hausarrest

    Aung San Suu Kyi war von der regierenden Militärjunta 15 Jahre lang unter Hausarrest gestellt worden und erst nach den umstrittenen Wahlen im vergangenen November freigelassen worden.

  • 18:40 Uhr  

    Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey hat eine positive Bilanz ihres Aufenthalts am WEF in Davos gezogen. Wichtig sei besonders der Austausch mit anderen Mitgliedern eines Gremiums zur globalen Nachhaltigkeit gewesen, sagte Calmy-Rey am Freitag vor den Medien in Davos.

    Der Ausschuss war von UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon ins Leben gerufen worden und soll Lösungen erarbeiten, wie die Situation armer Menschen verbessert wird und eine umweltfreundliche Wirtschaftsentwicklung gefördert werden kann.

    Ende dieses Jahres soll das Gremium in Vorbereitung auf die jährliche Klimarahmenkonvention (UNFCCC) und die für 2012 geplante UNO-Konferenz für nachhaltige Entwicklung seinen abschliessenden Bericht vorlegen.

    Forderung nach sozialer Gerechtigkeit

    In den letzten Jahren habe sich die Diskussion vor allem um die Wirtschaft und die Umwelt gedreht, jetzt müsse der Fokus stärker auf die soziale Gerechtigkeit gerichtet werden, sagte Calmy-Rey.

    Bereits in ihrer Eröffnungsrede am Weltwirtschaftsforum hatte die Aussenministerin kritisiert, dass die Globalisierung die Situation für die ärmsten Länder nicht verbessert habe.

    Es brauche eine politische Wende, welche die Interessen von Wirtschaft, Politik und Umwelt weltweit versöhne, hatte Calmy-Rey erklärt. Sie rief zur Schaffung neuer internationaler Gremien auf, die gerechtere Lösungen für die Welt erarbeiten sollten.

    Europapolitik der Schweiz

    Calmy-Rey traf sich am Rande des WEF auch mit einer Reihe von Staats- und Regierungschefs. Sie wurde dabei von Nationalratspräsident Jean-René Germanier begleitet.

    Thema bei den Gesprächen mit europäischen Partner wie dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann oder dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou seien immer auch die bilateralen Verträge und die Rolle der Schweiz in der EU gewesen, sagte die Aussenministerin in Davos.

    Der Bundesrat möchte die Verhandlungen über verschiedene bilaterale Abkommen mit der EU bündeln. Ein Paket «Bilaterale III» sei denkbar, teilte er am Mittwoch mit. Calmy-Rey soll für die Landesregierung die Bedingungen für einen solchen koordinierten Verhandlungsansatz mit EU-Vertretern erörtern.

  • 16:35 Uhr  

    Der britische Premierminister David Cameron hat Europa in einer engagierten Rede auf dem Weltwirtschaftsforum zu Optimismus aufgerufen. Die Probleme könnten überwunden werden, es brauche aber einen Richtungswechsel, insbesondere bei den Staatsschulden.

    Cameron riet zu Liberalisierungen, Förderung von Innovation und Freihandelsabkommen mit Ländern in Asien, Nahost und Lateinamerika. Europa sei sein eigener schlimmster Feind, weil hohe Schulden angehäuft worden seien und zu viele Barrieren Finanz- und Handelsströme behinderten.

    Im Schnitt betrage die Verschuldung der EU-Länder bereits 80 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Bei Grossbritannien kämen allein in diesem Jahr 10 Prozent hinzu. Damit verteidigte Cameron die von seiner Regierung beschlossenen Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen. Die Opposition kritisierte diese unlängst als viel zu hart, nachdem die britische Wirtschaft im vierten Quartal 2010 überraschend geschrumpft war.

    Schmerzhafte Einschnitte

    Für Cameron gibt es dennoch keine Alternative zu schmerzhaften Einschnitten, da Grossbritannien sonst in die «Gefahrenzone» von Griechenland und Irland gekommen wäre. Oberstes Ziel sei, das Schreckgespenst massiver Staatsschulden zu vertreiben.

    Auch die europäischen Banken müssten sich weiter stärken. Der letztjährige Stresstest sei viel zu lasch gewesen, hätten doch kurz darauf als ungefährdet taxierte irische Staaten vor der Pleite gerettet werden müssen.

    Am Erfolg des Euro sei Grossbritannien interessiert, werde die Gemeinschaftswährung aber nicht einführen, da eine eigene Devise und unabhängige Geldpolitik für eine so grosse Volkswirtschaft sinnvoll sei, sagte Cameron.

  • 15:50 Uhr  

    Die US-Wirtschaft wächst nach Einschätzung von Finanzminister Timothy Geithner wieder nachhaltig und hat den schlimmsten Teil der Krise wohl überwunden. Es sei aber noch kein Boom, die Arbeitslosigkeit werde deshalb nur langsam sinken.

    Die Wirtschaftsleistung sei inzwischen zwar grösser als vor der Krise, dennoch betrage die Arbeitslosenquote immer noch rund 10 Prozent, sagte Geithner am Freitag auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos kurz vor der Publikation der Zahlen zum US-Bruttoinlandprodukt (BIP) im vergangenen Jahr.

    Kurz darauf teilte das US-Handelsministerium mit, dass die US- Konjunktur 2010 so stark gewachsen sei wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Wirtschaftsleistung legte gemäss einer ersten Schätzung um 2,9 Prozent zu.

    Geithner hatte zuvor die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit damit erklärt, dass die Unternehmen Kosten und Jobs mit «brutaler Kraft» reduziert hätten. Immer deutlicher zeige sich auch, dass die US-Fiskalpolitik nicht nachhaltig sei. Es fehle noch am politischen Willen, die Finanzen in Ordnung zu bringen. «Aber es gibt keine Alternative.»

    Zuversicht über Euro

    Er warnte zugleich vor zu drastischen Einschnitten, da damit die Wirtschaftserholung belastet werden könnte. Geithner zeigte sich zuversichtlich, dass auch die Europäer ihre Schuldenprobleme lösten und der Euro erhalten bleibe. Es brauche einfach Zeit.

    Die US-Wirtschaft sei in einer guten Position, um vom Wachstum der Schwellenländer zu profitieren. Die Inflationsgefahr in diesen Ländern müsse zwar ernst genommen werden, sei aber nicht das gravierendste Problem.

    Einfacher wäre es laut Geithner für die aufstrebenden Länder, speziell für China, die Herausforderung einer Preishausse anzugehen, wenn sie ihre Bindung zum Dollar aufweichen würden. Die USA kritisieren seit langem, der chinesische Yuan sei unterbewertet, was insbesondere die dortige Exportwirtschaft begünstige, aber auch für Inflationsdruck sorge.

  • 12.36 Uhr  

    Sechs internationale Konzerne waren in Davos im Rennen als schlimmste Firma 2010 gebrandmarkt zu werden. Jetzt ist bekannt, wer den «Public Eye Award» bekommt.

    Wegen grober Menschenrechtsverletzungen und Umweltsünden sind in Davos zwei Grosskonzerne mit dem «Public Eye Award» gebrandmarkt worden. Der Schmähpreis geht dieses Jahr an das Minenunternehmen AngloGold Ashanti und den Agrotreibstoffkonzern Neste Oil.

    Neste Oil aus Finnland, einer der weltweit grössten Abnehmer von Palmöl, erhielt in einer Internetabstimmung über 17'000 Stimmen, wie die Organisatoren der «Public Eye Awards» - die Erklärung von Bern (EvB) und Greenpeace Schweiz - mitteilen. An der Abstimmung für den Publikumspreis beteiligten sich insgesamt 50'000 Menschen - doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

    1/6 Die Kandidaten für die «Public Eye Awards»: Massiver Druck, Dutzende Überstunden, miserable Bezahlung: 18 Menschen, die bei Foxconn arbeiteten, wählten den Freitod.
    Bild: Keystone

    Wie heisst das «übelste Unternehmen des Jahres»?

       


    Neste Oil verdrängte in der Endrunde der WEF-Gegner für das «übelste Unternehmen» der Welt den Energiemulti BP (13'000 Stimmen) und den Zigarettenkonzern Philip Morris (8000 Stimmen) vom Spitzenplatz.

    «Green Diesel»

    Unter dem schamlosen Namen «Green Diesel» verkaufe Neste Oil europaweit Biodiesel aus Palmöl, hielten die «Public-Eye»- Organisatoren fest. Als Folge würden in Südostasien immer mehr Regenwälder zerstört und Menschen von ihrem Land vertrieben.

    Die massiv steigende Palmölnachfrage treibe zudem in Indonesien und Malaysia die Vernichtung der letzten Refugien des vom Aussterben bedrohten Orang-Utans voran.

    «Gift und Folter» in Ghana

    AngloGold Ashanti erhielt den Schmähpreis der Jury. Dem südafrikanischen Minenkonzern wird vorgeworfen, beim Goldabbau in Ghana Land und Menschen zu vergiften.

    In seiner «Davoser Laudatio» berichtete Daniel Owusu-Koranteng, Präsident der Betroffenenorganisation WACAM, von «Minenabfällen, die Flüsse und Brunnen kontaminieren, aus denen ganze Dörfer trinken müssen».

    Zudem seien «in konzerneigenen Wachhäusern verschiedentlich Anwohner gefoltert» worden. Es habe dabei «auch schon Tote gegeben», sagt Owusu-Koranteng.

    Der «Public Eye Award» wird seit 2005 vergeben. Letztes Jahr ging der Negativ-Preis an die Royal Bank of Canada (RBC) und den Schweizer Pharmakonzern Roche. Die Organisatoren des Schmähpreises fordern von der Politik rechtlich verbindliche Regeln für mehr Unternehmensverantwortung. (mfa/bru/sda)

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  • 12.15 Uhr  

    Angeführt vom französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy haben sich europäische Spitzenpolitiker am WEF in Davos für den Euro stark gemacht. Und tatsächlich: bei den Spitzenmanagern kehrt das Vertrauen offenbar allmählich zurück.

    Sarkozy sagte gestern in einem flammenden Plädoyer für die Gemeinschaftswährung, er sei sich mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel einig, «nie, nie werden wir den Euro fallen lassen, nie». «Wir sind entschlossen, den Euro mit allen Mitteln zu verteidigen.»

    Vor den über 1000 Wirtschaftsführern erkannte Sarkozy an, dass es Sorgen um die Zukunft der Währung von 17 europäischen Staaten gebe, seit die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) Griechenland und Irland mit Rettungspaketen zu Hilfe eilen mussten.

    Wer aber die Gemeinschaftswährung aufgeben wolle, habe nichts aus der europäischen Geschichte, aus Kriegen, Gewalt und Barbarei gelernt. Der Euro sei eine Frage der europäischen Identität und des Friedens.

    Zuversicht bei Managern

    Die in Davos versammelten Manager sehen tatsächlich wachsende Chancen für eine Lösung der Schuldenkrise in der Euro-Zone ohne allzu grosse Verluste für private Investoren.

    «Wir gehen davon aus, dass es den Euro als Währung auch weiterhin geben wird und die Länder des Währungsraumes mit ihren Problemen zurande kommen», sagte Dieter Wemmer, Finanzchef des Versicherers Zurich Financial Services (ZFS).

    Auch der US-Starinvestor George Soros (Bild) sieht Europa auf dem Weg aus der Schuldenkrise. Die Lage sei insgesamt nicht so schlecht, sagte Soros dem Fernsehsender CNBC: «Es gibt Wachstum.» Europa sei dabei, die Euro-Krise zu überwinden.

  • 12.00 Uhr  

    Griechenland erwägt Rückkauf von Staatsanleihen

    Griechenland erwägt den Rückkauf von Staatsanleihen mit einem Abschlag zum Nennwert. «Das ist eine Idee, die diskussionswürdig ist», sagte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou: «Um das zu tun, braucht man Geld.»

    Angesichts des riesigen Schuldenbergs wird am Markt daran gezweifelt, ob Griechenland seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber seinen Gläubigern nachkommen kann.

    Deshalb halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach die Euro-Länder der Regierung in Athen aus Mitteln des europäischen Rettungsschirms EFSF einen Kredit gewähren könnten, mit dem das Land eigene Anleihen zum Marktpreis aufkaufen könnte. Dieser liege teilweise um 30 Prozent unter dem Nennwert, weshalb dieses Verfahren auf einen freiwilligen Forderungsverzicht der Gläubiger hinausliefe.

    Am Vortag hatte der griechische Premierminister Giorgos Papandreou am WEF ausgeschlossen, dass die griechischen Staatsschulden verspätet oder nur teilweise beglichen würden.

    Griechenland werde den Verpflichtungen gegenüber Privatgläubigern nachkommen und die Schulden nicht restrukturieren. Hingegen verlängerten der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU ihre Kredite für Griechenland. Die Bedingungen dafür würden diskutiert. (bru/sda)

  • 10.18 Uhr  

    Mehr Kontrollen in Davos

    Ein Tag nach der Detonation im Posthotel in Davos seien die Sicherheitsvorkehrungen punktuell angepasst worden, wie Thomas Hobi, Sprecher der Kapo Graubünden gegenüber DerBund.ch/Newsnet sagt. Dazu gehören auch mehr Kontrollen an den wichtigen Orten. Hobi unterstreicht, dass Davos keine Festung sei und nicht total abgeriegelt wurde. Solche kleineren Zwischenfälle habe es auch in anderen Jahren schon gegeben. (bru)

  • Freitag, 28. Januar 2011: TAG 3 am WEF  

    Auch heute am Tag 3 berichten wir im Ticker wieder aus Davos.

  • 17:00 Uhr - Aufregung vor dem Post Hotel  

    Polizei-Sondereinheit mit Sturmhauben vor dem Post-Hotel

    Seltsames spielt sich am Nachmittag vor dem Posthotel ab. Ein blauer VW-Bus fährt vor. Offensichtlich eine Sondereinheit der Polizei im Wagen. Schwarz maskiert und schwer bewaffnet. Unruhe auf den Trottoirs vor dem Hotel. In spanischer Sprache ist von Passanten zu hören, dass es sich um den kolumbianischen Präsident Juan Manuel Santos handeln soll. Von einer Medienschar umringt, bahnt er sich den Weg zum Nachbarhaus. Im Hotel fand ein Arbeitsessen zum Thema Organisierte Kriminalität statt. Zu den Rednern zählten neben Santos auch der Direktor von Europol, Robert Wainwright.

    1/4 Unscheinbar aber schlagkräftig: Im blauen VW-Bus sitzt eine Sondereinheit der Polizei.

       

  • 16:30 Uhr - Papandreou beschwichtigt  

    Papandreou: Griechische Staatsschulden werden beglichen

    Der griechische Premierminister Giorgios Papandreou hat am Weltwirtschaftforum (WEF) für das Vertrauen der Finanzmärkte geworben. Er schloss aus, dass die griechischen Staatsschulden verspätet oder nur teilweise beglichen werden.

    Griechenland werde den Verpflichtungen gegenüber Privatgläubigern nachkommen und die Schulden nicht restrukturieren. Hingegen verlängerten der Internationale Währungsfonds (IWF) und die EU ihre Kredite für Griechenland. Die Bedingungen dafür würden diskutiert.

    Mit drastischen, «lehrbuchmässigen» Einsparungen, etwa bei Pensionen und in der Verwaltung, sei Griechenland auf dem richtigen Weg und eines der transparentesten Länder geworden. Die Märkte hätten darauf aber noch nicht reagiert, sagte Papandreou. Es sei das Ziel der Regierung, dass sich Griechenland noch im laufenden Jahr wieder an den Kapitalmärkten finanzieren könne.

    Drastische Sparmassnahmen seien auch in Grossbritannien unumgänglich, sagte der stellvertretende britische Premierminister Nick Clegg und nahm damit Bezug zu den umstrittenen Beschlüssen der neuen Regierung. Der Schuldenberg sei so gross, dass alleine für die Zinsen pro Tag 129 Millionen Pfund fällig würden.

    Während Papandreou den Euro als «Friedensprojekt» lobte, bevorzugt Clegg vorläufig weiterhin eine eigene Währung. Grossbritannien wolle zwar «jetzt nicht» dem Euro beitreten, sei aber am Erfolg der Einheitswährung interessiert. (sda)

  • 16 Uhr - Ist der Euro am Ende?  

    Ist der Euro am Ende? So lautete die Frage heute am Open Forum in Davos. Nobelpreisträger Nouriel Roubini und Mister Euro, Jean-Claude Trichet standen Red und Antwort. Und äusserten sich auch zur Schweiz.

    «Wir starten mit einem Paukenschlag», wurde das ersten Panel des Open Forum vorgestellt. Eine für alle offenstehende Veranstaltung des Schweizerischen evangelischen Kirchenbundes. In der Tat war die Runde mit Trichet und Roubini hochkarätig. Das Powerduo wurde ergänzt vom deutschen Währungsexperten Wilhelm Hankel, dem Schweizer Banker Patrick Odier und dem griechischen Baumanager Dimitri Papalexopoulos.

    1/3 Hochkarätiges Podium: Jean-Claude Trichet, Nouriel Roubini, Susanne Wille (Moderation), Patrick Odier, Wilhelm Hankel, und Dimitri Papalexopoulos (v.l.n.r.).
    Bild: SEK/Röthlisberger

       


    Das Thema war ernst - ist der Euro am Ende? - die Stimmung locker. Immer wieder Gelächter im Publikum. Zum Beispiel, als Gesprächsleiterin Susanne Wille Trichet stoppen und das Wort Roubini übergeben wollte: «No, no, Nouriel agrees with me», so der Präsident der Europäischen Zentralbank.

    In der Tag bekam Trichet an diesem Podium einige Unterstützung vom Nobelpreisträger. «Diese Krise ist kein Albtraum», so Roubini. Der Starökonom vermittelte immer wieder den Eindruck, dass die Probleme zu lösen sind. Allerdings hielt er beim Zeitplan den Finger drauf. Die Massnahmen die anstünden, müssten schnell durchgezogen werden. «Vielleicht muss man auch schmerzhafte Entscheidungen treffen.»

    Mit dem Begriff schmerzhaft kommt immer wieder die Thematik der Umschuldung zur Debatte. Keiner spricht darüber gerne, Trichet winkt ab: «There will be no Haircut», gibt der Franzose in der WEF-Sprache mit französischem Akzent zu bedenken.

    Einen starken Verfechter der Fail-These zum Euro hatte die Runde in Wilhelm Hankel. «Die Frage der Euro-Krise stellt sich so gar nicht, denn zwei Drittel der Euro-Staaten sind überschuldet», sagte der Deutsche. Des Öfteren löste er bei Trichet Stirnrunzeln und Kopfschütteln aus, etwa als er kritisierte, die Entwicklung rund um die Euro-Krise und die Rettungsversuche führten zu einer Entdemokratisierung der Euro-Staaten.

    Überhaupt zeigte sich Hankel an diesem Podium als Dr. Doom. Auf eine Frage eines Zuhörers, wie den das Szenario «Euro-Ausstieg» aussehe, schoss es aus dem Deutschen heraus: «Gemäss dem Lissaboner Vertrag darf jeder aussteigen.» Als ob er nächstens damit rechnen würde, dass es zu diesem Szenario kommt.

    Thematisiert an diesem Panel sollte auch die Schweiz werden. Was sind die Auswirkungen der Euro-Krise auf unser Land. Hierzu gab es allerdings wenig Neues. Sowohl von Trichet, wie auch von Roubini kamen löbliche Worte zur Schweizer Wirtschaft und dem hiesigen Staatshaushalt.

  • 14.30 Uhr - Sarkozy legt sich für den Euro ins Zeug  

    Sarkozy steht felsenfest hinter Euro

    Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy will den Euro «mit allen Mitteln» erhalten. Unter seinem diesjährigen Vorsitz werde sich die Gruppe der 20 grössten Industrie- und Schwellenländer (G20) den Währungsungleichgewichten annehmen. Er sei sich mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel einig, «nie, nie werden wir den Euro fallen lassen, nie», sagte Sarkozy am WEF. Wer die Gemeinschaftswährung aufgeben wolle, habe nichts aus der europäischen Geschichte, aus Kriegen, Gewalt und Barbarei gelernt. Der Euro sei eine Frage der europäischen Identität.

    Sarkozy warnte vor den über 1000 Wirtschaftsführern in Davos, wer gegen den Euro wette, müsse gut auf sein Geld aufpassen. «Wir sind entschlossen, den Euro mit allen Mitteln zu verteidigen.» Ein Scheitern des Euro hätte seiner Meinung nach so katastrophale Folgen, dass man nicht einmal darüber nachdenken dürfe.

    Wechselkurse in G20 besprechen

    Dringenden Handlungsbedarf sieht Sarkozy bei den Wechselkursen. Die bestehenden Ungleichgewichte, insbesondere beim chinesischen Yuan, würden allen schaden. Alle sollten einen Schritt aufeinander zukommen und sich nicht von Ideologie leiten lassen. Er wolle keine fixen Wechselkurse, aber die Diskussion müsse geführt werden.

    Bislang sei nur in der Gruppe der acht grossen Industrieländer plus Russlang G8 über Währungen gesprochen worden. Dies sei aber sinnlos, weil China nicht dabei sei. Deshalb müsse sich die G20, denen auch China, Indien und Brasilien angehören, den Währungsproblemen annehmen, statt sich wie in den letzten Jahren «um Periphäres» zu kümmern.

    Sarkozy als diesjähriger Vorsitzender der G20 warnte davor, die Augen nach der Krise zu verschliessen und zu denken, irgendwie regle es sich alles von selbst. Denn im Zentrum des Orkan sei es am ruhigsten. (bru/sda)

  • 14.20 Uhr  

    Treffen zwischen Schweiz und Russland abgesagt

    Das Treffen der Wirtschaftsminister der Schweiz und Russlands am WEF findet nicht statt. Die russische Wirtschaftsministerin Elvira Nabiullina sei krank geworden und deshalb früher aus Davos abgereist.

    Deshalb sei die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung durch Bundesrat Johann Schneider-Ammann und Nabiullina verschoben worden.

  • 11.30 Uhr  

    Kleinere Detonation in Davoser Hotel

    WEF-Gegner haben eine kleinere Detonation im Posthotel Morosani ausgelöst. Der Knall sei am Morgen erfolgt. Die Kantonspolizei Graubünden bestätigt den Vorfall gegenüber DerBund.ch/Newsnet.

    Die Explosion ereignete sich in einem Lagerraum. Es sei niemand verletzt worden. Auch der Sachschaden sei gering. Es seien lediglich einige Scheiben zu Bruch gegangen.

    Thomas Hobi, Sprecher Kapo Graubünden.

    Anfänglich wurde vermeldet, es handle sich um das Hotel der Schweizer Bundesräte. Dies ist jedoch nicht der Fall. «Die Sicherheit der Schweizer Bundesräte war zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt», sagte Thomas Abegglen von der Bundeskanzlei. Im betroffenen Hotel ist hingegen die UBS-Delegation untergebracht.

    «Wir haben die Hotels Morosani in Davos mit Pyrotechnik und Zucker angegriffen», schreiben autonome Aktivisten auf dem Portal Indymedia. Und weiter: «Die Zeitzünder wurden bewusst auf Donnerstagmorgen 6 Uhr gestellt. Diese Zeit haben wir gewählt, um nicht die Angestellten zu gefährden, die kurze Zeit später den Herrschaften aus Politik und Kapital zudienen müssen.»

    Was kurz nach neun Uhr im Untergeschoss des Posthotel Morosani detoniert ist, ist noch unklar. Nach ersten Erkenntnissen gehe man von der Explosion eines Feuerwerkskörpers aus, sagte der Sprecher der Bündner Regierung André Kraske.

    Keine weitere Stellungnahme

    Zur Frage, wie es möglich sei, während des WEF in einem bewachten Luxushotel einen Sprengsatz anzubringen, wollte sich die Polizei nicht äussern. Die Ermittlungen hat die Bundesanwaltschaft übernommen. Aus «ermittlungstaktischen Gründen» wollte diese jedoch vorerst keine weiteren Informationen bekanntgeben.

    Die Lage im Posthotel war am frühen Nachmittag ruhig. Der Eingangsbereich des Luxusetablissements wurde von mehreren Sicherheitskräften in zivil bewacht, allerdings war kein erhöhtes Polizeiaufkommen auszumachen, wie ein SDA-Korrespondent vor Ort beobachtete.

    Veranstaltungen des WEF konnten im Hotel ungestört abgehalten werden. Die Heizungen funktionierten normal, es sei warm im Haus, hiess es an der Reception. Der Hotel-Direktor wollte keine Stellung zum Vorfall nehmen.

    Zweiter Anschlag

    Bei den mutmasslichen Tätern handelt es sich offenbar um die selbe Gruppe, die in der Nacht auf Mittwoch einen «Anschlag» auf die HSG St. Gallen verüben wollte, ihren angeblichen Sprengsatz fälschlicherweise aber vor dem Sitz der Versicherung Helvetia deponierte. Die Polizei musste das Gebäude evakuieren und Sprengstoffexperten anfordern.

    Die Linksaktivisten sprachen von einem Irrtum. Allerdings sei die Helvetia Versicherung «auch kein falsches Ziel», hiess es in dem Bekennerschreiben. Der Konzern schreibe hohe Gewinne, während viele «Arbeiterinnen und Arbeiter» nicht wüssten, wie sie ihre Krankenversicherung bezahlen sollten. (bru/sda)

  • Donnerstag, 27. Januar 2011: TAG 2 am WEF  

    Der erste Tag des WEF ist vorbei. Im Ticker weiter unten gibt es Interviews mit Thomas Borer, Josef Ackermann, Michael Dell und Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer. Dazu weitere Geschichten vom ersten Tag in Davos.

  • 23 Uhr: Hektik kommt auf, Clinton erscheint  

    Lange liess er auf sich warten, dann, kurz vor Mitternacht tauchte Bill Clinton im Steigenberger Belvédère auf. Keine Spur von Sicherheitshysterie, der frühere US-Präsident mischte sich unters Volk.

    Lesen Sie hier: Als Bill Clinton zu später Stunde in der Davoser Partynacht auftauchte

    1/5 Im Mittelpunkt
    Bereits an der Garderobe des Hotel Belvédère wird Ex-Präsident Bill Clinton umringt.
    Bild: Jan Derrer

       

  • 22 Uhr  

    Michael Dell im Interview

    Das World Economic Forum ist auch das Treffen der Computerwelt. In der PWC-Lounge im Steigenberger Belvédère ist Digital-Stimmung. Technofreaks und Medienunternehmen wie NBC haben sich hier eingenistet. Wir treffen Michael Dell, vom Computerhersteller Dell. Welche Erwartungen hat er ans WEF? Die Antworten im Video.

  • 21 Uhr  

    Thomas Borer im Interview

    Thomas Borer im Steigenberger Belvédère. Der Netzwerker findet hier sein beliebtes Arbeitsgebiet. Der frühere Botschafter muss nicht um die Welt reisen, im Landwassertal hat er, was er braucht.




  • 19 Uhr  

    Josef Ackermann im Interview

    Treffpunkt Steigenberger Belvédère. Die Hochfinanz ist im Haus. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann macht die Aufwartung. «Herr Ackermann, drei Fragen bitte», stoppen wir den Manager. Ackermann rückt seine Frisur zurecht und schaut in die Kamera. «Wenn ich Ihnen Fragen beantworte, dann muss ich den anderen auch», gibt der Schweizer zu bedenken. Das gehört nun mal dazu, dass man am WEF in der Öffentlichkeit steht. Wir stellen die Fragen, andere Journalisten eilen herbei. «Herr Ackermann, was sind die grössten Probleme derzeit?» Ackermann spricht von sozialer Ungleichheit - das soll hier am WEF debattiert werden - und Inflation. Was er hier in Davos für Ziele hat. «Hier in Davos ist eine Mischung aus lernen und geben.» Mit dem ihm bekannten Lächeln steht der Finanzmanager Red und Antwort und verschwindet später wieder.




  • 17.20 Uhr  

    Der Heli-Spotter



    Der Heliport am Rande von Davos hat Hochbetrieb. Es stinkt nach Kerosin. Eine Maschine nach der anderen landet auf dem kleinen Stück Wiese. Was knattert zieht die Menschen an. Helispoter säumen die Strasse. Einige nutzen die Gelegenheit, um ihren Ferien ein wenige Abwechslung zu verleihen. Max Fischer zum Beispiel: "Imposant, was hier landet, ich stand schon gestern am Davoser Heliport." Wagenkolonnen von schwarzen Limousinen drängen die schmale Strasse entlang. Wieder setzt ein Superpuma vorsichtig seine Kufen in den Schnee und wirbelt eine Flockenwolke auf. Den Zuschauern wehts die Mützen vom Kopf.

  • 16:30 Uhr  

    Sicherheitsschleusen überall

    In den meisten Hotels wähnt man sich am Flughafen. Metalldetektor, geröngtes Gepäck und Personenkontrolle. Einmal drinnen, bewegt man sich frei. Oft gibt es für fünf Minuten einige Aufregung. Dann nämlich, wenn hohe Staatsgäste ankommen.

    Bildlegende: An der Sicherheitsschleuse gibts für Hotelbesucher kein Weg vorbei.

  • 16 Uhr  

    Wirtschaftsprominenz strömt in die Alpenstadt

    Viktor Veckselberg im Dorfzentrum. Er verlässt das Hotel und zieht sich rasch eine Baseballmütze auf. Unerkannt steigt er die bereitstehende Limousine. Auch Nadia Schildknecht und Partner Urs Rohner haben den Weg in die Alpenstadt gefunden. Vor dem Schweizerhof Borosani fährt ein Mercedes nach dem anderen vor. Hier logiert die Schweizer Delegation. Micheline Calmy-Rey, Johann Schneider-Ammann und Doris Leuthard. VBS-Chef Ueli Maurer kommt erst am Samstag für einen Truppenbesuch ins Landwassertal.

  • 15.15 Uhr  

    «Wir treffen uns hier ohne grosse Schaufenster»

    Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer im Interview. (Video: Matthias Chapman und Jan Derrer)

    In Davos wird es langsam hektisch. Eine Limousine nach der anderen fährt die Promenade entlang. Im Posthotel Morosani treffen wir am Nachmittag Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer. Nicht nur für die Schweizer Wirtschaft sei das WEF von grosser Bedeutung, für die Schweiz allgemein.

    Ihm persönlich sind die Gespräche zum Start diverser Freihandelsabkommen von grosser Wichtigkeit. Insbesondere mit China. Bührer hat ein volles Programm und eilt von Meeting zu Meeting. Namen darf er keine nennen. Aus Sicherheitsgründen. Von heute an gibt er fünf Tage lang vollgas. Man wird ihn sicher noch da und dort treffen.

  • 14 Uhr  

    China erobert Davos

    Nachdem China im vergangenen Jahr Japan als zweitgrösste Wirtschaftsmacht der Welt überholte, stellt sich die Frage nach den veränderten Machtverhältnissen und dem Rückgang der amerikanisch-europäischen Dominanz. China könne angesichts der neuen Stärke nicht mehr als Schwellenland bezeichnet werden, sagt Martin Sorrell, Chef der WPP Group, eines der grössten weltweiten Kommunikationsunternehmen.

    China und Indien haben noch nie so grosse Delegationen nach Davos geschickt wie in diesem Jahr. «In zehn Jahren wird die Wirtschaftskraft der Schwellenländer 20 Billionen Dollar übersteigen», sagt Azim Premji, Chef des indischen IT-Dienstleisters Wipro. Das werde dann mehr sein als die Wirtschaftsleistung der USA.

    Hoffnung auf Chinas Konsum

    Der Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini, der durch seine Vorhersage der Finanzkrise zu Berühmtheit gelangt ist, sagte auf einer Diskussionsveranstaltung am Morgen, dass das Risiko einer erneuten Rezession zurückgegangen sei. Europa versuche, den Euro zu stabilisieren, und die USA hätten die Absicht, die überbordenden Staatsausgaben zu begrenzen. Nun müsse China die Binnennachfrage ankurbeln, um seine Wirtschaft am laufen zu halten. «Die Herausforderung Chinas ist, dass die USA nicht der erste und letzte Konsument sein können.» (bru/dapd)

    Bildlegende: Der Chinesische Premier Wen Jiabao zusammen mit Klaus Schwab am WEF in Davos, 2010.

  • 13.30 Uhr  

    Hochbetrieb in Kloten

    Die ersten WEF-Gäste sind inzwischen mit teils spektakulären Flugzeugen in Zürich gelandet. Drei Superpumas der Schweizer Armee sind auf dem Flughafenareal bereits gelandet. Angeblich sollen sie Präsident Dimitri Medwedew abholen.

    Lesen Sie hier mehr über die Flugbewegungen in Kloten.

  • 11.45 Uhr  

    HSG im Visier der WEF-Gegner

    In einem Mail an «20 Minuten» haben WEF-Gegner einen Angriff auf die Hochschule St. Gallen (HSG) angekündigt. Sprengstoff-Spezialisten der Polizei entfernten inzwischen einen Gegenstand an einem Gebäude der Versicherung Helvetia nahe der HSG. Die Polizei vermutet, dass die WEF-Gegner das Versicherungsgebäude mit der Hochschule verwechselten. Zahlreiche Mitarbeiter der Helvetia wurden evakuiert.

    Die Polizei rückte mit rund 15 Polizisten an den Rosenberg aus. Sie sperrten Strassen ab. Ob es sich beim verkabelten Kartonrohr, das an einem Bürofenster der Helvetia angebracht wurde, tatsächlich um einen Sprengsatz handelte, wird von Fachleuten untersucht.

    In einem Bekennerschreiben hiess es: «Pünktlich zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums haben wir mit einer Rakete die Kaderschmiede des Kapitals in St. Gallen angegriffen». (bru/sda)

  • 11.15 Uhr  

    «Dramatischer Machtwechsel»

    Die Weltwirtschaft befindet sich weiterhin in einem fragilen Zustand. Zahlreiche Risiken bedrohten das Wachstum und die internationale Zusammenarbeit, erklärten die Teilnehmer der ersten Debatte am WEF über die neue wirtschaftliche Realität nach der Krise.

    Eine der grössten Gefahren sei die Schuldenkrise in der Eurozone, sagte US-Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini in Davos. Diese sei noch lange nicht ausgestanden. «Die grundlegenden Probleme der Eurozone sind noch nicht gelöst», warnte Roubini. Auch das enorme US-Budgetdefizit der USA und hohe Arbeitslosigkeit in den USA und Teilen Westeuropas bedrohten die Erholung der Weltwirtschaft.

    Azim Premji, Verwaltungsratspräsident des indischen Softwaregiganten Wipro, sprach von einem «dramatischen Machtwechsel» hin zu aufstrebenden Ländern wie China und Indien, die starke Wachstumszahlen nachweisen könnten. Während sich die westliche Welt «verlangsame» fokussierten Investoren verstärkt auch auf Länder in Südostasien und Lateinamerika. (bru/sda)

  • 10.55 Uhr  

    Demo ist bewilligt

    In Davos findet am Samstagnachmittag eine Demo gegen das WEF statt. Der Kleine Landrat in Davos bewilligt das Gesuch der Davoser Grünen und der Juso Graubünden. Die Route entspricht jener der vergangenen Jahre. Erstmals passiert der Demonstrationszug aber den Zugang zum Kongresszentrum, wo das WEF veranstaltet wird.

    Die Grünen und die Juso führen die Anti-WEF-Kundgebung seit mehreren Jahren durch, ohne dass es zu nennenswerten Zwischenfällen gekommen wäre. Etwas über 100 Personen sind jeweils dabei. (bru/sda)

  • 9.50 Uhr  

    Gespanntes Warten auf die Rede von Medwedew

    In Davos beginnt heute das 41. Weltwirtschaftsforum (WEF). Mit Spannung erwartet wird die Eröffnungsrede des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew. DerBund.ch/Newsnet überträgt und tickert die Rede ab 18.30 Uhr live.

    Nach dem Bombenanschlag im Moskauer Flughafen Domodedowo hatte Medwedew seine Teilnahme am Eröffnungsabend zunächst abgesagt. Er will nun aber trotzdem rechtzeitig in Davos sein.

    Viele der rund 250 geplanten Podiumsgespräche drehen sich um die Verlagerung der Macht nach Osten und Süden. Entsprechend sind auch die Delegationen von China und Indien sowie Russland stark gewachsen. Gerade bei den informellen Kontakten dürfte ein wichtiges Thema die Schuldenkrise verschiedener westlicher Staaten sein. (bru/sda)

  • 9.45 Uhr  

    Der bescheidene Schwab

    Der Gründer des Weltwirtschaftsforums WEF, Klaus Schwab, stimmt in einem Zeitungsbeitrag die Teilnehmer in Davos auf härtere Zeiten ein. Nach der Wirtschaftskrise der vergangenen zwei Jahre müssten sich die Menschen auf eine «Zeit der Bescheidenheit» einstellen.

    «In dieser neuen Realität werden von uns kollektive Opfer verlangt, um die Zukunft zu sichern», schreibt Schwab in einer Kolumne für die «Neue Zürcher Zeitung». Die Verlagerung der wirtschaftlichen Zentren nach Osten und Süden werde politische, wirtschaftliche und soziale Veränderungen mit weitreichenden Konsequenzen mit sich führen. (bru/sda)

  • Live dabei am WEF  

    Ob am Computer oder mit dem Internet-Handy: Verfolgen Sie auf DerBund.ch/Newsnet das World Economic Forum in Davos. Ein Reporterteam berichtet vor Ort über die Veranstaltung mit den Mächtigen aus Wirtschaft und Politik. Hier im Ticker verfolgen Sie alles Wichtige rund um den Grossanlass in Davos.

    Hier geht es zum WEF-Dossier

Erstellt: 28.01.2011, 10:23 Uhr

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68 Kommentare

Fritz Hochhuth

26.01.2011, 11:09 Uhr
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Ja, Herr Schwab, die Zeit der Bescheidenheit, die Sie kommen sehen, tut wirklich not! Banker, Bosse, Aktionäre & Regierungen werden sich gewiss daran halten und die Bescheidenheit bedingungslos von allen einfordern, die keine Banker, Bosse, Aktionäre oder Regierenden sind. Und Sie dürfen sich am nächsten WEF wieder ein wenig wichtig machen & selbstzufrieden weiter schwafeln mit Bankern, Bossen ... Antworten


Ottmar Hofer

26.01.2011, 12:19 Uhr
Melden

Letztlich sind das die gleichen Expontenten die Politiker verprügeln. Wenn man diese paar Nasen nicht Herr wird, muss man sich eben immer wieder mit Ihnen herumschlagen. Viel vergnügen wünsche ich . Antworten



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