Treffen der Medienprofis: Nur eine einzige Rede war elegant
Von Constantin Seibt. Aktualisiert am 12.01.2011 8 Kommentare
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Das Fazit der Konferenz der wichtigsten 400 Leute aus den Chefetagen der Verlage? Es lag eine verblüffende Freundlichkeit in den Gesichtern der hartgesottenen Profis, als sie sagten, sich einen ganzen Tag lang gelangweilt zu haben. Entspannt sagten sie: «Don’t ask», «Nichts Neues» oder «Ich habe heute nur Proseminarvorträge gehört».
«Es gibt keine Qualitätskrise»
Dabei hatte der Tag todlangweilig begonnen. Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument hielt die harmloseste Rede seines Lebens. Er rief das Ende der Pressekrise aus – und lobte einfach alle: Politiker wie Firmen, Journalisten wie PR-Leute. Die Professionalität der Kommunikation hätte sich «unglaublich entwickelt». Deshalb müssten auch alle jeden unnötigen Krieg beenden – vor allem Journalisten und PR-Profis. «Es gibt keine Qualitätskrise!», sagte Lebrument und empfahl allen Kritikern zu schweigen, besonders da diese «unverständliche» Akademiker seien.
Daraufhin sprach die Publizistikprofessorin Gabriele Siegert über die «Lage der Presse»: Und schaffte es, die im Saal bekannten Probleme der Branche, etwa dass den Zeitungen im Internet ein Geschäftsmodell fehlt, in einer Kaskade von Begriffen wie «electronic word of mouth», «Partizipation in kollaborativen Systemen» so zu formulieren, dass sie wieder so unverständlich wurden wie am ersten Tag. Zwischen diesen Polen, Harmlosigkeit und Professoralem, schwankte der Tag. Erst wurde über Nachrichtenagenturen geplaudert, dann ergoss sich ein neuer Strom von Abstraktheit in den Saal: etwa im Vortrag über «Coopetion» (was meint: die teilweise Zusammenarbeit von Konkurrenten) oder über «Medienwandel» (was meint: «die Reise von der Holz verarbeitenden Industrie zum Informationsnetzwerker»).
Kein Wort der Selbstbeschränkung
Die einzig elegante Rede hielt der neue Radio- und Fernsehchef Roger de Weck. Er kam direkt zum Problem der Branche: der völligen «Unklarheit, was die allernächste Zukunft bringt». Darauf skizzierte er ziemlich detailliert die Strategie für die SRG: Eine schlankere, schnellere Führungsspitze und ein Ausbau dort, wo das Publikum der Zukunft zu finden sei: im Internet.
Das freute die Verleger nicht, denn das Netz ist das Schlachtfeld aller: Man habe «von de Weck kein Wort der Selbstbeschränkung gehört».
Von Zeitungen redete er nur am Rand
Aber selbst das klang entspannt. Der Grund: Nach zwei üblen Jahren steigen die Werbeeinnahmen wieder. Zwar ist weiter kein klares Geschäftsmodell für klassischen Journalismus in Sicht, aber in einer eh unklaren Zukunft schien das niemand im Saal zu kümmern.
Am Ende skizzierte der Ringier-Chef Marc Walder die Zukunftsstrategie seines Konzerns: das Vermarkten von Salat, Tickets und Tierfutter. Von Zeitungen redete er nur am Rand. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.01.2011, 07:35 Uhr
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8 Kommentare
danke für den kritischen artikel. es mutet schon etwas anmassend an, dieses treffen der reichen, welche die zukunft einer branche bestimmen, entlassungen durchboxen und oft nicht bereit sind, faire löhne zu bezahlen oder einen GAV zuzulassen. gerade der herr mit der langweiligen rede ist da wohl ein paradebeispiel. Antworten
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