Schweiz

Teures «Meisterwerk»

Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 24.01.2012 29 Kommentare

Der Milliardenabschreiber der Swisscom auf der italienischen Breitbandtochter Fastweb hat auch Konsequenzen für Bund und Kantone. Sie müssen sich hohe Steuererträge ans Bein streichen.

Die italienische Tochter bringt die Swisscom in Erklärungsnot: Fastweb-Verkaufsstelle in Mailand.

Die italienische Tochter bringt die Swisscom in Erklärungsnot: Fastweb-Verkaufsstelle in Mailand.
Bild: Keystone

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Die Swisscom-Spitze mit Verwaltungsratspräsident Hansueli Loosli, CEO Carsten Schloter und Finanzchef Ueli Dietiker stand letzte Woche in der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen KVF des Nationalrats Red und Antwort zum Fall Fastweb. Die Wertberichtigung bei der italienischen Tochter führte zu einer Reduktion der für 2011 geschuldeten Steuern um 370 Millionen Franken, sagte das Trio. Dies geht auch aus den Unterlagen hervor, welche die Swisscom-Manager an der Sitzung verteilten.

Loosli, Schloter und Dietiker wiesen aber gleichzeitig darauf hin, dass die Swisscom (SCMN 352 0.09%) seit dem Börsengang im Jahr 1998 insgesamt 4,6 Milliarden Franken an Steuern abgeliefert hat. Auch sei die Dividende durch die Wertberichtigung nicht tangiert, vorgesehen sei gar eine Erhöhung um einen Franken pro Aktie auf neu 22 Franken. Davon profitiert auch der Bund als Hauptaktionär. Insgesamt konnte die Eidgenosschenschaft in den vergangen elf Jahren gegen 17,3 Milliarden Franken an Einnahmen verbuchen.

Keine Nachteile für Schweizer Nutzer

Die Führungsspitze versicherte weiter, dass Fastweb keine Auswirkungen auf die Schweizer Kunden und Arbeitsplätze habe. Die Telekompreise in der Schweiz seien seit 1998 um mehr als 50 Prozent gesunken. Die Swisscom-Manager warnten aber gleichzeitig vor internationalen Vergleichen. Man müsse dabei auch die landesspezifischen Eigenheiten berücksichtigen – zum Beispiel die hohen Subventionsbeiträge an Handys in der Schweiz. Diese seien doppelt so hoch wie im EU-Schnitt. Wegen der sinkenden Preise und Umsätze könne sich die Swisscom aber nicht allein auf die Schweiz konzentrieren.

Vor dem Nationalrat war die Swisscom-Spitze bereits in der KVF des Ständerates. Dieser hat bezüglich des Fastweb-Engagements von Swisscom einen Bericht gefordert. Swisscom hatte im vergangenen Jahr mehrmals über die Situation bei Fastweb informiert, das letzte Mal im Dezember, als das Unternehmen meldete, wegen den notwendigen Rückstellungen für Fastweb habe man einen empfindlichen Gewinnrückgang erlitten. Bei der Übernahme von Fastweb im Jahre 2007 hatte Schloter Fastweb als ein «Meisterwerk italienischen Unternehmertums» bezeichnet.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.01.2012, 10:57 Uhr

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29 Kommentare

Silvia Bopp

24.01.2012, 11:42 Uhr
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Ich erinnere mich gut. Damals als die Sache im Parlament besprochen wurde, war Herr Dr. Blocher der Einzige, der laut und deutlich vor diesem Investment warnte und prognoszitierte, dass riesige Schulden das Resultat eines Engageents in Italien wären. Alle haben den Kopf geschüttelt und gelacht und die Sache durchgewunken. Antworten


Patrick Frei

24.01.2012, 11:57 Uhr
Melden 49 Empfehlung

Ein absolutes Fehlmanagement der Swisscom-Spitze! Dass das nicht mit dem sofortigen Rücktritt von Carsten Schloter endet, ist völlig unverständlich. Und auch die Politiker haben in dieser Sache ihre Aufsichtspflicht überhaupt nicht wahrgenommen. Weshalb die Swisscom solch kostspieligen Experimente im Ausland überhaupt wagen muss, ist nach wie vor nicht klar. Antworten



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