Schweiz
TV-Kritik: «Ich lade Sie nicht mehr ein!»
Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 06.09.2011 125 Kommentare
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Karin Keller-Sutter brachte als Talk-Gast gleich mehrere Voraussetzungen für ein unterhaltsames Wort-Pingpong mit: Die St. Galler Justizvorsteherin (FDP) ist rhetorisch beschlagen, dossierfest, hat viele Feinde – und dennoch gute Chancen auf den frei werdenden St. Galler Ständeratssitz. Abgesehen davon redet sie ihre Kontrahenten für gewöhnlich an die Wand und sie ist als Frau bestens geeignet, den Moderator Roger Schawinski aus dem Konzept zu bringen, wie dieser selber sagt.
Gesprächsstoff gab es also reichlich, und Widersprüche auch: heute konsequente Hooligan-Gegnerin, früher Punk-Freundin und Anhängerin der Band «The Clash». Wie das denn gewesen sei, auf der Seite der Hooligans, fragte Schawinski die 47-Jährige. Sie wich aus: «Das war etwas anderes, das war Musikgeschichte ...» - «das andere ist Fussball-Geschichte» - «nein, das war etwas anderes» - «aber Gewalt ist Gewalt?» - «nein, das war wirklich etwas anderes, das waren einzelne, die da ausgeflippt sind.»
«Das müssen Sie XY fragen»
In ihren elf Jahren in der St. Galler Exekutive hat sich Karin Keller-Sutter schweizweit den Ruf der knallharten Asylpolitikerin erworben, die mit einer restriktiven Ausländerpolitik vor allem das rechte Wählersegment abholt. Ob ihr das nicht zum Stolperstein geworden sei, mutmasste Schawinski. Zwar punkte sie damit bei den Wählern, aber nicht bei bürgerlichen Parlamentariern, die lieber eine echte SVP-Bundesrätin gehabt hätten als eine mit FDP-Ettikett. «Das müssen Sie die SVP fragen», sagte Keller-Sutter.
Weiter bohrte Schawinski, warum sie es nicht einmal geschafft habe, der Grünen-Nationalrätin Yvonne Gilli, die wie Keller-Sutter aus Wil SG stammt, bei der Bundesratswahl die Stimme abzuringen. Zickenkrieg oder Stutenbissigkeit? Keller-Sutter wiederholte sich: «Das müssen Sie Yvonne Gilli fragen.» Und schliesslich zum Angriff der «Weltwoche», Keller-Sutter habe durch ihr Engagement für eine Asyl-Familie ihr Amt missbraucht: «Zweimal dasselbe Titelbild, was glauben Sie, wieso machen die das?», fragte Schawinski schulmeisterlich. Weil mich die Zeitung im Ständeratswahlkampf gegen SVP-Kandidat Toni Brunner ausschalten will, wäre die richtige Antwort gewesen. Keller-Sutter sagte stattdessen: «Das müssen Sie die Weltwoche fragen.» Darauf rief Schawinski verzweifelt: «Ich lade Sie nicht mehr ein, Sie beantworten keine Fragen!»
Ein Kommunikationsprofi
«Wer sind Sie?», lautet die viel versprechende Einstiegsfrage von Roger Schawinski. Das entspricht dem Konzept der Diskussionssendung, der Zuschauer soll unter die Oberfläche schauen können, Plattitüden sollen entlarvt werden. Zwar ist die Antwort auf die erste Frage nicht ergiebig, weil der Gast nach wenigen Silben unterbrochen wird, auch das gehört zum Konzept. Doch im Laufe der 27 Minuten erfuhr der Zuschauer Interessantes über Keller-Sutter: Dass sie schon sechs Mal kraft ihres Amts in Asylverfahren interveniert hat, dass sie aus Sicherheitsgründen kein Fussballspiel besucht, dass der Polizeischutz pro Spielwoche eine Million Franken kostet. Karin Keller-Sutter war als Kantischülerin «wie jeder» ein Hippie – aber man werde ja vernünftig. Und sie ist zwar nicht der Macho zuhause, aber ihr Mann müsse bei ihr «ziemlich dagegenhalten», zitiert sie ihn.
Juristin wurde sie nicht, weil ihr Vater fand, die Juristerei verändere den Charakter. Und heute, wie hat sich ihr Charakter verändert als Justizministerin? Keller-Sutter weicht unmerklich aus; ihre Spezialität, sie ist ein Kommunikationsprofi: «Ich habe die Juristinnen und Juristen schätzen gelernt. Das Recht ist zwar manchmal unbefriedigend, aber eine Lösung gibt es immer.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.09.2011, 06:31 Uhr
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125 Kommentare
Frau KKS, war, wie erwartet souverän. Sie hat ganz bestimmt nicht die "falschen" Antworten gegeben. Kein Intelligenter Mensch würde öffentlich darüber spekulieren, warum ein anderer, oder eine Zeitung, gegen Sie wählt/bzw vorgeht. Unterschiebungen, Kaffeeklatsch, Interpretation. Das ist allefalls was für populitische Politkier, Keinesfalls aber für solche vom Format einer KKS. Top Ständerätin! Antworten
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