Streit um Sonderbehandlung für Vettel
Von Antonio Cortesi. Aktualisiert am 08.09.2010 20 Kommentare
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Vor acht Jahren traf es Michael Schumacher. Der deutsche Formel-1-Weltmeister wollte im appenzellischen Wolfhalden mitten im Grünen eine Villa mit allem Drum und Dran bauen. Doch nach einem langen und erbitterten Streit mit Umweltverbänden musste der Rennfahrer die Notbremse ziehen – und das Projekt begraben. Schumacher wohnt jetzt in Gland am Genfersee.
Kompensationsmodell gutgeheissen
Nun trifft es einen Landsmann und jungen Rivalen. Allerdings geht es bei Sebastian Vettel nicht um alles oder nichts. Der 23-jährige Formel-1-Star wohnt nämlich bereits in seinem stattlichen Anwesen, das er vor einem Jahr im thurgauischen Ellighausen (Gemeinde Kemmental) gekauft hatte. Nun will Vettel aber den feudalen Wohnsitz mit einem 20-Meter-Swimmingpool und einem Tennisplatz arrondieren. Das Problem: Der grösste Teil des Grundstücks liegt in der Landschaftsschutzzone.
Bis vor kurzem schien es trotzdem eine patente Lösung zu geben. Die Gemeindeexekutive beschloss, für ihren prominentesten Einwohner eine 900 Quadratmeter umfassende «Sonderbauzone für Freizeitanlagen» zu schaffen – und im Gegenzug an einem anderen Ort auf Gemeindegebiet beinahe das Doppelte an Bauland auszuzonen. Das kantonale Amt für Raumplanung hat dieses Kompensationsmodell in einer Vorprüfung bereits gutgeheissen. Es fehlt also noch das Plazet der Gemeindeversammlung.
Bester Steuerzahler
Kemmental zählt bloss 2250 Einwohner, hat viel Landwirtschaft und muss sich mit einem jährlichen Steueraufkommen von lediglich rund 2 Millionen Franken begnügen. Da liegt der Verdacht schon nahe, dass man für den wohl besten Steuerzahler gerne eine Sonderlösung findet.
Gemeindepräsident Walter Marty (SVP) verneint diese Vermutung jedoch entschieden: «Mit der Flächenkompensation wollen wir ja gerade verhindern, dass bei uns gute Steuerzahler privilegiert werden.» Ein ähnliches Vorgehen wende man auch an, wenn etwa ein Schreiner in der Schutzzone seinen Betrieb vergrössern wolle. Im Übrigen habe es aus der Bevölkerung keine einzige Einsprache gegeben.
Diese gibt es dafür vom WWF Thurgau und von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL). «Insbesondere der Tennisplatz käme auf ein überaus reizvolles, naturparkähnliches Gebiet zu stehen», sagt SL-Geschäftsführer Raimund Rodewald. Es handle sich um eine «geschlossene Geländekammer, die sich nicht einfach kompensieren lässt».
Zudem könne die Gemeinde die neu auszuzonende Parzelle jederzeit wieder einzonen. Die Umweltverbände wollen ein Präjudiz verhindern. Im Thurgau gebe es – «insbesondere von deutscher Seite» – immer mehr Gesuche von Leuten, die in Schutzzonen Reithallen bauen oder Scheunen und Ställe umnutzen wollten, sagt Rodewald. Es gelte zu verhindern, dass die Behörden zu nachgiebig würden.
Genug andere Tennisplätze
In einem Punkt zielen die Einsprecher dann doch noch auf den Mann: «Aus unserer Sicht ist das Bedürfnis nach einer privaten Tennisanlage nicht ausgewiesen», heisst es im Schreiben von SL und WWF. In der Umgebung von Ellighausen gebe es nämlich bereits Klubs mit «zahlreichen Tennisplätzen, die sich über Mitglieder freuen würden».
Man mache in diesem Fall aber «nicht auf Totalopposition», betont Rodewald. So lasse sich für das geplante Schwimmbad eine einvernehmliche Lösung finden, wenn es etwas näher am bestehenden Gebäudekomplex gebaut werde.
Erst recht «nicht um einen grossen Fall» handelt es sich aus Sicht des kantonalen Amts für Raumplanung. «Flächenkompensationen sind im Thurgau Alltag», sagt Amtsleiter Ueli Hofer. In Kemmental geht man denn auch davon aus, dass die Gemeindeversammlung das Geschäft absegnen wird. Die nächste Rekursinstanz wäre dann das Departement für Bau und Umwelt, dem Hofers Amt unterstellt ist. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.09.2010, 07:55 Uhr
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20 Kommentare
Für Geld macht man auf beiden Seiten alles, oder? Leute wie Schumacher, Vettel und Co. wohnen in einem Land wo sie weder Land und Leute geschweige denn die Geschichte kennen. Gerade so gut könnten sie woanders leben. Hauptsache die Kasse stimmt. Ein Armutszeugnis ist das. Sind wir so mausarm, dass wir solche Leute brauchen? Antworten




































