Schweiz

Streit um Heliskiing wird heftiger – SAC vor der Spaltung?

Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 31.03.2011 42 Kommentare

Im Februar kam es zu einem tätlichen Angriff auf einen Helikopter. Und nun sollen in einem unberührten Gebiet oberhalb von Engelberg zwei neue Gebirgslandeplätze für Heliskiing-Touristen entstehen.

Friedlicher Protest: Umweltschützer demonstrieren am Wildhorn im Berner Oberland gegen Heliskiing.

Friedlicher Protest: Umweltschützer demonstrieren am Wildhorn im Berner Oberland gegen Heliskiing.
Bild: PD

Droht dem SAC die Spaltung?

«Ein Affront, eine Frechheit!» Peter Planche ist schlecht zu sprechen auf den SAC-Zentralvorstand. Der Walliser ist Vizepräsident der SAC-Sektion Monte Rosa und kann nicht verstehen, dass der nationale Zentralvorstand vor Bundesverwaltungsgericht gegen Gebirgslandeplätze im Wallis kämpft.

Laut SAC-Geschäftsführer Peter Mäder hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) bei der Überarbeitung der Gebirgslandeplätze in der Region Zermatt zu viel Rücksicht auf die touristische Gebirgsfliegerei genommen. Der Vorschlag des SAC-Zentralvorstands, die Heliskiing-Fliegerei auf die westliche Talseite zu beschränken und damit auf der Ostseite mehr Ruhe für Berggänger zu schaffen, wurde nicht berücksichtigt. Deshalb hat der Zentralvorstand Beschwerde eingereicht.«Der SAC ist für eine Lenkung und Beschränkung der Gebirgsfliegerei, namentlich des Heliskiings», sagt Mäder. Es sei Aufgabe des Zentralvorstands, diese offizielle Position zu vertreten – auch wenn sie den lokalen Sektionen nicht immer genehm sei.Tatsächlich droht die Heliskiing-Frage den SAC zu spalten. Denn die mitgliederstarken Sektionen Uto (Zürich) und Bern werden an der nächsten Abgeordnetenversammlung den Antrag stellen, dass der SAC eine noch striktere Position gegen das Heliskiing einnehmen solle. Das Anliegen der Stadt- sektionen dürfte in vielen ländlichen Sektionen auf Ablehnung stossen.Im Wallis wartet man derweil ein Treffen ab, das Mitte April zwischen den Sektionen Monte Rosa, Zermatt und Saas sowie dem Zentralvorstand stattfindet. Komme es zu keiner Annäherung, sei eine Spaltung des bald 150-jährigen SAC nicht ausgeschlossen, sagt Peter Planche: «Für uns Walliser ist klar: Der SAC ist ein Bergsportverein und keine Naturschutzorganisation.» (daf)

Artikel zum Thema

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

42 Gebirgslandeplätze gibt es in der Schweiz. Sie liegen auf über 1100 Meter, werden vor allem für Heliskiing-Flüge gebraucht – und sorgen für böses Blut. Die Walliser SAC-Sektionen drohen wegen des Streits um die Landeplätze mit Austritt aus dem Zentralverband, und am Wildhorn BE kam es im Februar erstmals zum tätlichen Angriff: Militante Heliskiing-Gegner bewarfen einen Helikopter, der Skifahrer ablud, mit Eisstücken. Der Pilot sagt, seine Maschine sei beinahe abgestürzt.

Nun dürfte der Streit weiter eskalieren. Denn das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) plant, bei Engelberg OW in unberührter Natur zwei neue Gebirgslandeplätze zu schaffen. Wie TA-Recherchen zeigen, sollen die Plätze auf rund 2900 Meter Höhe beim Chli Spannort und beim Grassen liegen. Von den Landeplätzen aus können Skifahrer nach Engelberg oder zum Sustenpass hinunterfahren. Bazl-Sprecher Anton Kohler bestätigt auf Anfrage, dass die beiden Standorte geprüft würden.

Champagner auf dem Gletscher

Derzeit revidiert das Bazl alle Gebirgslandeplätze. Dabei kommt es auch zu Umlagerungen. So sollen im Unesco-Welterbe-Gebiet Jungfrau-Aletsch die Landeplätze Kanderfirn und Blüemlisalp aufgehoben werden. Als Ersatz sind die zwei neuen Plätze bei Engelberg vorgesehen. Zudem soll der provisorische Landeplatz Unterrothorn bei Zermatt eine definitive Bewilligung erhalten. Dagegen ist allerdings ein Rekurs vor Bundesverwaltungsgericht hängig.

Umweltschutzorganisationen kritisieren die Pläne des Bazl scharf. «Es werden verhältnismässig wenig genutzte Plätze aufgehoben – um neue zu schaffen, die man intensiv anfliegen will», sagt Rolf Meier von Mountain Wilderness. Nicht aufgehoben würden hingegen die im Unesco-Gebiet gelegenen Landeplätze Ebnefluh und Petersgrat, wo jährlich insgesamt 1500 Flugbewegungen für Heliskiing und Champagnerfrühstücke gezählt werden.In Engelberg würde eine neue Region für das Heliskiing erschlossen. «Es ist total unangebracht, Heliskiing in der kleinräumigen Schweiz weiter auszubauen», sagt Meier. Kritisch äussert sich auch Peter Lienert, Chef des Obwaldner Amts für Natur- und Landschaftsschutz. «Wir sind skeptisch. Die Helis würden ein Wildasyl überfliegen. Engelberg muss sich fragen, ob es diese Form des intensiven Tourismus will.»Auf Kritik stossen die Bazl-Pläne auch im Berner Oberland. «Wir werden für unsere Landeplätze kämpfen», sagt Daniel Sulzer, Geschäftsführer der Helikopterbetreiberin Bohag in Gsteigwiler. Man sei nicht bereit, auf Landeplätze zu verzichten: «Die Piloten brauchen diese zu Trainingszwecken.»

Skandinavische Freerider

Begeistert ist man dagegen in Engelberg. «Das Heliskiing-Angebot hätte einen positiven Einfluss», sagt Tourismusdirektor Frédéric Füssenich. Man habe im Free-Ride-Segment viele skandinavische Gäste, die ein solches Angebot schätzen würden. Umweltbedenken hegt er nicht: «Man müsste bloss sicherstellen, dass es keine Tiefflüge über das Dorf gibt.» Auch Markus Lerch von der Heligotthard in Erstfeld UR sagt: «Wir würden die neuen Landeplätze sehr begrüssen. Die Nachfrage ist vorhanden.»

Das Zusatzangebot würde gut zum Bestreben Engelbergs passen, sich neu im gehobenen Tourismussegment zu positionieren. So ist dort der Bau eines 5-Stern-Hotels geplant, das 64 Millionen Franken kosten wird. Und auch das Projekt, die Skigebiete von Engelberg, Melchsee-Frutt und Meiringen-Hasliberg zu einem Grossgebiet zu vereinen, wird vorangetrieben.Mountain Wilderness organisiert derweil den Protest gegen die beiden neuen Gebirgslandeplätze. Am Wochenende werden die Umweltschützer am Grassen und am Chli Spannort eine Demonstration gegen die Projekte veranstalten – mit Tourenskis an den Füssen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.03.2011, 22:23 Uhr

42

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

42 Kommentare

Markus Sigrist

31.03.2011, 08:10 Uhr
Melden 25 Empfehlung 0

Wenn ein Skifahrer ein paar Meter durch ein Wildschutzgebiet fährt, wird er mit einer Busse von über 100 Fr. beschenkt. Gleichzeitig will man die letzten Ruheplätze in den Alpen mit Helikopterlärm zerstören. Hier kann etwas nicht stimmen! Helikopter haben in den Alpen nur der Gebirgsrettung und dringenden land- und forstwirtschaftichen Zwecken zu dienen. Antworten


Thomas Kalbermatter

31.03.2011, 08:26 Uhr
Melden 24 Empfehlung 0

Ich selber bin Mitglied einer Walliser Sektion. Der Grund darin ist, weil ich oft Skitouren mache und auch in SAC-Hütten übernachte. Ich bin entschieden gegen jeden Heliskiingflug. Wenn sich die Walliser Sektionen aus dem SAC verabschieden, dann trete ich aus und suche Unterschlupf in einer Berner Sektion. Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen

Umfrage

Seit 15 Jahren steigt die Anzahl Ferienwochen für Arbeitnehmer leicht an. Profitieren Sie davon?




Benegast

Benegast® die erste ganzheitliche Marke für alle Verdauungsprobleme.

Flugpreise vergleichen

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.

Alles für Abonnenten und Abonnentinnen

Laden Sie sich Ihr ePaper auf Ihren Computer und blättern Sie gratis und ab 5 Uhr früh in Ihrem "Bund".

Abopreise vergleichen

Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.

Online-Wettbewerb

Gewinnen Sie ein Wochenende im magischen Lötschental.