Stöhlker: Das Zuger Attentat «erleichterte viel»
Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert am 05.10.2011 75 Kommentare
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«Ich bin ein begnadeterer Schreiber als der Durchschnitt», behauptet Klaus Stöhlker von sich. Vorgestern Montag publizierte der PR-Mann aus Zollikon ZH auf seiner Firmenwebsite vier Sätze: «Der traurige Vorfall vor zehn Jahren in Zug, wo 15 Menschen, darunter der Attentäter, den Tod gefunden haben, wurde zu Recht beweint. Nicht alle waren damals unglücklich. Mein guter Freund, der vor einer Kampfscheidung stand, verlor bei diesem Vorfall seine Frau. Dies erleichterte viel.»
Darauf angesprochen, bestätigt Stöhlker, diese Zeilen eigenhändig verfasst zu haben. Der aus Lokalfernseh-Diskussionen bekannte 70-Jährige sagt, der beschriebene Sachverhalt sei simpel: «Ein Mann hat Krach mit seiner Frau gehabt, und sie ist erschossen worden.» Dies zu beschreiben, sei «keinesfalls pietätlos».
Beim Attentat im Zuger Kantonsparlament sind vor zehn Jahren 15 Menschen gestorben – 14 Politiker und der Amokläufer, der sich selbst umbrachte. Was sagen Zuger Überlebende zu Stöhlkers Kurztext? Hanspeter Uster, damals Regierungsrat, dessen Lunge durchschossen wurde, fragt sich: «Das Attentat hatte also auch sein Gutes? Welche Ungeheuerlichkeiten wird uns Stöhlker noch bescheren?» Gerhard Pfister, vor einem Jahrzehnt Kantonsrat, heute Nationalrat, zeigt sich «überrascht von einem Menschen, den ich bislang für intelligent gehalten habe». Der CVP-Mann sagt: «Es ist für mich völlig unverständlich, dass man so etwas bewusst schreiben kann.» Der Grüne Jo Lang, einst in Zug und jetzt in Bern Pfisters Ratskollege, findet «eine solche Aussage ungemein verletzend». «Da scheint jemand», sagt er, «völlig von der Rolle zu sein.»
«Ungeheuerlich und sehr oberflächlich»
Paul Langenegger, damals Zuger Standesweibel und heute Gemeinderat in Baar, hat beim Attentat eine Schwägerin verloren. Er bezeichnet es als «ungeheuerlich und sehr oberflächlich, wenn jemand nach zehn Jahren so etwas in den Raum stellt».
3 der 15 Opfer des Zuger Attentats waren Frauen. Eine von ihnen lebte damals tatsächlich getrennt von ihrem Ehemann. Dieser sagte gestern dem TA, was Stöhlker schreibe, sei «völlig daneben»: «Erstens ist es Privatsache. Zweitens ist es mehrfach falsch: Es gab keine Kampfscheidung, sondern eine Trennung. Ich kenne Herrn Stöhlker auch nicht persönlich und bin kein guter Freund von ihm.» Klaus Stöhlker – gemäss Firmenwebsite einer «der herausragenden Köpfe der europäischen PR-Branche» – will nicht verraten, weshalb er den Betroffenen als «einen guten Freund» bezeichnet. Vom TA auf den Mann angesprochen, sagt er nur: «Der Name ist mir nicht unbekannt.» Er habe mit seinem Kurztext zeigen wollen, «dass ein Unglück im Einzelfall ein Glück sein kann». Dann sagt er noch: «Die Frau tut mir auch leid. Aber ich schmunzle mit dem Mann, der sich freut.»
Michael Ebinger, vor zehn Jahren FDP-Kantonsrat und heute bei den Grünliberalen, erlitt beim Attentat eine starke Hirnblutung. Nach dem Erwachen aus einem künstlichen Koma von eineinhalb Monaten war er halbseitig gelähmt. Nun sagt der IV beziehende Rechtsanwalt zu Stöhlkers Text: «Solche Worte sind nur blöd.» Ebinger hat nach dem Attentat etwas ganz anderes erlebt als das, was Stöhlker beschreibt. Er und seine Frau, die sich damals scheiden lassen wollten, blieben zwei weitere Jahre zusammen. Sie unterstützte ihn, weil er nicht fähig war, seinen Haushalt zu führen. Ebinger rät Stöhlker: «Der Herr soll seinen Laden verkaufen, abtreten und sich nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen.»
Leuenberger mit Nero verglichen
Stöhlker senior hat die Geschäftsführung in seiner Firma schon vor Jahren an seine Söhne Fidel und Raoul abgegeben. Er ist aber als Delegierter des Verwaltungsrats sowie als «Strategie-Berater» weiterhin am Hauptsitz gut erreichbar. In Talksendungen von TeleZüri ist er nach wie vor Gast – allerdings weniger oft als früher. Chefredaktor Markus Gilli will sich nicht zur Frage äussern, ob er Stöhlker nun weiterhin einladen werde. 2003 hatte Gilli den PR-Berater bereits einmal zur Persona non grata erklärt. Stöhlker hatte zuvor in einer Sendung Bundesrat Moritz Leuenberger mit dem römischen Schreckensherrscher Nero verglichen. Nachdem sich das Publikum mehrheitlich für eine Rückkehr aussprach, darf Stöhlker wieder mittalken.
Zuletzt war er dadurch aufgefallen, dass er den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad für glaubwürdiger hält als die amerikanische Regierung. «Es fehlt uns heute eigentlich nur noch der Beweis, dass Ahmadinejad recht hatte, als er vor der UNO sagte, das Attentat auf das World Trade Center in New York sei mit dem Wissen der US-Regierung erfolgt», schrieb Stöhlker. Indizien für diesen Verdacht gebe es genug.
Klaus Stöhlkers Sohn Fidel twittert. Gegen ihn läuft ein Strafverfahren wegen Verstosses gegen die Rassismusstrafnorm. Der 41-Jährige hatte Kosovaren als «Pack» und «niederes Volk» bezeichnet und sich judenfeindlich geäussert. Ende Oktober wird Fidel Stöhlker laut dem Zürcher Staatsanwalt Hans Maurer einvernommen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.10.2011, 07:10 Uhr
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75 Kommentare
Und wieder ist der Klaus J. Stölker in den Medien: Obwohl er eigentlich nie etwas zu sagen hat, schafft er es immer wieder - er ist das typische Beispiel dafür, dass man in der heutigen Welt keine Inhalte mehr braucht, sondern durch tumbe Provokation eigentlich ganz einfach ans ziel kommt. Antworten
Armer Herr Stöhlker senior. Ganz im Stile der SVP schockiert er die Menschen und erhofft sich dadurch Aufmerksamkeit, was ihm zweifelsohne auch gelingt. Womöglich sieht er das Ende seiner Tage nahen und fürchtet sich, von der Öffentlichkeit vergessen zu werden. Mein Beileid, wenn man mit solchen primitiven Äusserungen auffallen muss. Antworten
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