Schweiz

Steuersünder-CDs spülen 500 Millionen Euro in die Kasse

Aktualisiert am 10.04.2012 54 Kommentare

Seit dem Ankauf der ersten Daten-CD sind bei der nordrhein-westfälischen Steuerbehörde bereits 6000 Selbstanzeigen eingegangen. Finanzminister Walter-Borjans bleibt dennoch unnachgiebig.

Die Schweiz dürfe keinen Persil-Schein für Steuerhinterzieher durchsetzen: Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans bleibt hart. (4. April 2012)

Die Schweiz dürfe keinen Persil-Schein für Steuerhinterzieher durchsetzen: Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans bleibt hart. (4. April 2012)
Bild: AFP

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Die Auswertung von Daten-CDs über deutsche Steuerbetrüger in der Schweiz hat dem deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) insgesamt 500 Millionen Euro an Nach- und Strafzahlungen eingebracht.

Bislang hätten die CD's als einzig wirksames Mittel Licht in das Dunkel des Schweizer Steuer-Eldorados gebracht, sagte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans heute im Ständigen Ausschuss des Landtags in Düsseldorf.

Seit dem Ankauf der ersten CD 2010 seien 6000 Selbstanzeigen eingegangen. Die laufenden deutsch-schweizerischen Verhandlungen über ein Steuerabkommen seien allein auf die Verunsicherung nach den CD-Käufen zurückzuführen.

NRW hält Abkommen für nicht zustimmungsfähig

Das in der vergangenen Woche nachgebesserte Abkommen sei aber nicht zustimmungsfähig, weil es weder Steuerehrlichkeit noch Gerechtigkeit gewährleiste, betonte er einmal mehr. Deswegen müsse die Schweiz zügig nachlegen, um möglichst zu Jahresbeginn «ein wasserdichtes Abkommen» zu haben. «Es gibt Verbesserungsmöglichkeiten und erheblichen Druck auf die Schweiz, zu mehr bereit zu sein», unterstrich der SPD-Politiker.

Die Schweiz ist jedoch nicht bereit, weitere Verhandlungen über das am Gründonnerstag unterzeichnete Abkommen zu führen: Eine Nachverhandlung des zur Diskussion stehenden Abkommens sei nicht möglich, sagte Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf nach der Unterzeichnung des Zusatzprotokolls.

Bei einer Ablehnung bliebe vorderhand der Status Quo – Amtshilfe gestützt auf das bestehende Doppelbesteuerungsabkommen – erhalten, erklärte Widmer-Schlumpf weiter.

Milliarden-Einnahmen zweifelhaft

Deutsche Steuersünder mit Schwarzgeld in der Schweiz sollen mit bis zu 41 Prozent ihres Kapitals zur Kasse gebeten werden. Diese Quote sei aber selbst nach Aussage von Schweizer Bankern kaum zu erreichen, monierte Walter-Borjans. Die Erwartungen der deutschen Bundesregierung von geschätzten zehn Milliarden Euro Einnahme seien nicht realistisch.

Tatsächlich belege die Finanzwissenschaft, dass der Spitzensteuersatz nur in krassen Ausnahmefällen greife, sagte der Minister. «Rund 80 Prozent der Steuerstraftäter, die einmalig Geld in der Schweiz versteckt haben, werden nur mit dem niedrigsten Satz von 21 Prozent besteuert», sagte er.

Es könne nicht sein, dass die Schweiz «einen Persil-Schein für Steuerhinterzieher» durchsetze, die Schwarzgeld nachträglich anonym legalisieren könnten und zusätzlich neun Monate Zeit erhalten sollten, es in andere Steueroasen zu schaffen. «Kapital flüchtet», stellte Walter-Borjans fest.

Berlin wirft NRW Wahlkampfmotive vor

Die christlich-liberale deutsche Bundesregierung hat keine Mehrheit in der Länderkammer (Bundesrat). Sie ist daher beim Steuerabkommen auf die Zustimmung sozialdemokratisch regierter Länder wie Nordrhein-Westfalen angewiesen.

CDU und FDP warfen der rot-grünen Landesregierung vor, das Abkommen aus Wahlkampfmotiven zu blockieren. Nach den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und NRW würden die rot-grün geführten Länder «ihren Widerstand im Bundesrat einrollen», prognostizierte der FDP-Vorsitzende im Ständigen Ausschuss, Gerhard Papke. (rbi/sda)

Erstellt: 10.04.2012, 18:02 Uhr

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54 Kommentare

Alfred Brand

10.04.2012, 18:29 Uhr
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Zitat: Nach den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und NRW würden die rot-grün geführten Länder «ihren Widerstand im Bundesrat einrollen» IST MIR EGAL! Die sollen einrollen was sie wollen, ich will das Abkommen nicht! Deutsche Kontrolleure in der Schweiz? Wo sind wir Dank EWS gelandet? Es ist eine Schande. Ich hoffe, das Referendumg wird verwirklicht. So geht es nicht. Antworten


René Müller

10.04.2012, 18:15 Uhr
Melden 66 Empfehlung 0

OK. Ein weiteres Abkommen wird gekoppelt mit dem Flugverkehr Kloten. Wenn viele Deutsche davon profitieren, dass sie billigere Flüge buchen, im Transit über Kloten, sollen sie auch Lärm geniessen. Bin auch gegen Steuerflucht, aber auch für faire Vergangenheitsbewältigung. Die Schweiz kann nicht Steigbügelhalter sein für Profilneurotiker die wieder gewählt werden möchten. Antworten



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