Steuerflucht: Jetzt bekommen die Deutschen kalte Füsse

Von Rahel Koerfgen . Aktualisiert am 06.04.2009

Der Druck auf das Bankgeheimnis zeigt Wirkung: Steuersünder wollen jetzt lieber reinen Tisch machen, als von Fahndern erwischt zu werden. DerBund.ch/Newsnet stellt eine Anwaltskanzlei vor, die von entsprechenden Aufträgen überhäuft wird.

Der Wind hat sich gedreht in der Schweizer Finanzlandschaft: Die Zahl der Selbstanzeigen von Steuerflüchtlingen nimmt deutlich zu.

Der Wind hat sich gedreht in der Schweizer Finanzlandschaft: Die Zahl der Selbstanzeigen von Steuerflüchtlingen nimmt deutlich zu. (Bild: Keystone)

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Steuerflüchtlinge schlafen schlecht, seit die Schweiz angekündigt hat, Amtshilfe bei Steuerhinterziehung zu leisten – und nicht nur wie bis anhin bei Steuerbetrug. Die Gefahr, dass Steuersünder entdeckt werden, steigt. Deshalb wäre zu erwarten, dass nun Tausende Privatkunden aus dem Ausland ihr Geld aus der Schweiz abziehen. Andreas Venditti, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, rät jedoch davon ab: «Jeder Geldtransfer hinterlässt Spuren – das ist sicher nicht im Sinne eines Kunden, der nicht deklariertes Geld hier angelegt hat.» Die sicherste Variante sei im Moment, das Geld nicht abzuziehen.

Viele Deutsche mit einem Schweizer Bankkonto wählen nun aber den Weg in die Legalität. Wie Recherchen von DerBund.ch/Newsnet am Bankenplatz Basel ergeben haben, zeigen sie sich in ihrer Heimat immer häufiger gleich selber an. «Diese Kunden sagen, dass sie so wieder ruhig schlafen können», sagt der Filialleiter einer auf Vermögensverwaltung spezialisierten Bank, der nicht mit Namen genannt werden will. Auch andere Banker bestätigen hinter vorgehaltener Hand eine deutlich steigende Tendenz bei Selbstanzeigen von Kunden aus Deutschland.

In Deutschland laufen die Telefone heiss

«Wir haben alle Hände voll zu tun, das ist der Wahnsinn», erzählt Lothar Pues, Geschäftsleiter der DS Deutsche Steuerberatung GmbH aus Essen. Seine Kanzlei gehört in Deutschland zu den wenigen, die sich auf die Selbstanzeigen von Steuersündern spezialisiert haben. Entsprechende Anfragen an sein zwölfköpfiges Team hätten in den letzten Wochen «sprunghaft» zugenommen. «Niemand traut mehr dem Braten, und viele haben Angst, dass sie bereits aufgeflogen sind», sagt Pues. Vom Rentner bis zum vermögenden Geschäftsmann – der Steuerspezialist zählt sie alle zu seinen Mandanten. Allerdings sei es nicht nur die Angst, die seine Mandanten dazu bewege, Selbstanzeige zu erstatten. «Viele Kunden sind schon älter und wollen das Vermögen ordentlich deklarieren, damit es für die Erben später keinen Ärger gibt», erzählt Pues. Zumeist hätten sie ihr Geld in Belgien und der Schweiz angelegt. Pues rät ihnen, ihre falschen oder unvollständigen Steuererklärungen einzugestehen. «Die Selbstanzeige ist das beste Mittel, um strafrechtlichen Konsequenzen zu entgehen», so Steuerspezialist Lothar Pues.

Billig und einfach ist das nicht

Die Straffreiheit erhält der Klient nur, wenn er dem Finanzamt das Steuerdelikt nachvollziehbar offenbaren und die hinterzogenen Steuern der letzten zehn Jahre inklusive einem Strafzins von etwa sechs Prozent in einer bestimmten Frist nachzahlen kann. Die Selbstanzeige ist auch nur dann möglich, wenn die Tat von den Behörden noch nicht entdeckt worden ist.

Schliesslich ist die Selbstanzeige auch nicht ungefährlich: Der Steuersünder muss der Anzeige eine Schätzung über die Steuerschuld beilegen – und die sollte eher zu hoch als zu niedrig sein. Ist die Schätzung nämlich zu niedrig, werten das die Behörden als Betrugsversuch, und ein Strafverfahren wird trotzdem eröffnet. Daher solle man die Selbstanzeige nur mithilfe eines Beraters stellen, rät Pues nicht ganz uneigennützig auf seiner Homepage.

Druck via Medien

Für Pues ist klar, dass vor allem der Druck, der in den letzten Wochen via Berichterstattung in den Medien aufgesetzt wurde, die Anleger zu den Selbstanzeigen bewegt. Auch die Äusserungen des deutschen Finanzministers Peer Steinbrück hätten ihren Beitrag dazu geleistet. Dessen rigoroses Verhalten überrascht Pues nicht: «In Zeiten der Krise versucht jedes Land, möglichst viele Steuermehreinnahmen zu generieren.» Die Rechnung scheint für Steinbrück aufzugehen (Basler Zeitung)

Erstellt: 06.04.2009, 10:02 Uhr

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