Schweiz

Ständerat zeigt wenig Begeisterung für die Steuerabkommen

Aktualisiert am 11.05.2012 18 Kommentare

Die Aussenpolitische Kommission des Ständerats hat den Steuerabkommen mit Deutschland, Grossbritannien und Österreich nur knapp zugestimmt. Nochmals verhandeln will sie aber nicht.

Bekommen nur eine hauchdünne Mehrheit: Die von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf ausgehandelten Steuerabkommen - im Vordergrund APK-Präsident Hannes Germann. (Archivbild)

Bekommen nur eine hauchdünne Mehrheit: Die von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf ausgehandelten Steuerabkommen - im Vordergrund APK-Präsident Hannes Germann. (Archivbild)
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Geht es nach der Aussenpolitischen Kommission des Ständerats (APK), muss der Bundesrat die Steuerabkommen mit Deutschland, Grossbritannien und Österreich nicht neu verhandeln. Auch soll die Beratung in den eidgenössischen Räten nicht sistiert werden.

Dies beschloss die APK an ihrer jüngsten Sitzung im Rahmen eines Mitberichts zuhanden der Wirtschaftskommission, die das Geschäft im Hinblick auf die Sommersession vorberät.

Mit den drei Steuerabkommen wird der Umgang mit unversteuerten Geldern geregelt, die Ausländer in der Schweiz angelegt haben. Ausserdem bilden die Abkommen die Grundlage für die Einführung einer Abgeltungssteuer auf künftigen Kapitalerträgen nicht deklarierter Gelder.

SVP-Rückweisungsantrag chancenlos

Gemäss einer Mitteilung vom Freitag lehnte die APK zunächst einen Rückweisungsantrag ab. Der Entscheid hierzu fiel deutlich mit 6 zu 1 Stimmen bei 3 Enthaltungen.

Der Antrag stammte aus den Reihen der SVP, wie Kommissionspräsident Hannes Germann (SVP/SH) auf Anfrage sagte. Die SVP wollte den Bundesrat beauftragen, die Abkommen neu auszuhandeln, damit der Umgang mit und die Verwertung von gestohlenen Kundendaten klarer geregelt werden. Gefordert hat sie auch, dass Prüfungen in der Schweiz durch ausländische Aufsichtsorgane ausgeschlossen werden und dem Grundsatz der Gegenseitigkeit mehr Rechnung getragen wird.

Knapp gegen Sistierung

Verworfen wurde auch ein Antrag von Luc Recordon (Grüne/VD), die Beratung des Geschäfts zu sistieren. Die Schweiz solle zuwarten, bis der Bundesrat mit anderen Finanzplätzen ein gemeinsames Vorgehen in Sachen Weissgeldstrategie vereinbart habe und die Entscheide der Vertragspartner bekannt seien, verlangte er.

Letztere Forderung steht im Zusammenhang mit dem Abkommen mit Deutschland. Dieses ist bei den dortigen Oppositionsparteien SPD und Grünen äusserst umstritten. Sie sehen in den Verträgen einen Ablasshandel für reiche Steuerhinterzieher. Rot-grüne Regierungen diverser Bundesländer wollen dem Abkommen in der Länderkammer deshalb die Zustimmung verweigern. Sie könnten so das Abkommen blockieren.

Widerstand von SVP und SP

In der Schweiz erwächst dem Abkommen vor allem aus den Reihen der SVP Widerstand. Diese will die Abkommen mit Deutschland und Grossbritannien ablehnen. Die Schweiz sei den beiden Ländern «viel zu weit entgegengekommen».

Die zur Regularisierung der deutschen und britischen Schwarzgelder in der Schweiz vorgesehenen Steuersätze von 21 bis 41 Prozent seien «prohibitiv hoch». So werde der Schweizer Finanzplatz geschwächt.

Ausserdem stört sich die SVP daran, dass die deutschen Behörden davon ausgehen, auch mit dem neuen Abkommen noch aufgrund gestohlener Bankdaten gegen deutsche Steuersünder in der Schweiz vorgehen zu können. Der Bundesrat teilt diese Auffassung nicht.

Auch die SP steht den Abkommen kritisch gegenüber. Sie will die Beratung auf Eis legen, bis der Bundesrat seine Weissgeldstrategie konkretisiert und aufzeigt, dass die Steuerabkommen einen Übergang zum automatischen Informationsaustausch in Zukunft nicht behindert.

Kein Widerstand gegen Abkommen mit Österreich

Trotz des Widerstands der zwei grössten Fraktionen ist ein Ja zu den Steuerabkommen wahrscheinlich. CVP, FDP, BDP, Grüne und GLP haben Zustimmung signalisiert - teils zähneknirschend. Ausserdem scheint das Nein der SP nicht kategorisch.

Kein Widerstand wurde bislang gegen das Abkommen mit Österreich angekündigt. Die SVP hat dieses Abkommen, das tiefere Steuersätze vorsieht, noch nicht beraten.

Geht es nach dem Bundesrat, sollen die drei Abkommen Anfang 2013 in Kraft treten. Es ist möglich, dass die Stimmbürger das letzte Wort haben. Die Basis der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (AUNS) haben ihrem Vorstand die Kompetenz erteilt, nötigenfalls gegen das Abkommen mit Deutschland das Referendum zu ergreifen (fko/sda)

Erstellt: 11.05.2012, 13:36 Uhr

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18 Kommentare

Armin Koellner

11.05.2012, 13:50 Uhr
Melden 107 Empfehlung 0

Mal sehen was die "Koalition der Vernunft" im Nationalrat dazu meint. Ein Referendum würde meine Unterstützung erhalten. Das sind keine Verträge sondern eher eine bedingungslose Kapitulation gegenüber den betroffenen Staaten. Antworten


Heinz Köhli

11.05.2012, 14:37 Uhr
Melden 51 Empfehlung 0

Weitere Etappe als Zwischenziel zum automatischen Datenaustausch. Anscheinend geht es um Nichts, wenn ich sehe, wie sehr die bundesrätlichen (Nicht)Ziele mit den Forderungen des Auslandes bereits vor den Verhandlungen übereinstimmen. Bald wird der Bundesrat wohl der Uhren- und Schmuckbranche verbieten, in der CH solche Güter an Ausländer zu verkaufen. Antworten



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