Schweiz
Sparen ist nicht mehr im Trend
Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 24.04.2012 87 Kommentare
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Überall in Europa werden Regierungen abgestraft, weil sie ihren Bürgern rigorose Sparpakete aufzwingen wollen – wegen der Euro- und Schuldenkrise. Die Schweiz steht um Lichtjahre besser da als viele EU-Staaten. Die Eidgenossen erfüllen die EU- Haushaltskriterien bei weitem. Dennoch will die Finanzministerin ein Sparpaket von 800 Millionen Franken aufgleisen, wie sie dies vor einigen Wochen vor den Medien bereits ankündigte. Und das nicht nur um steigende Militärausgaben zu finanzieren. Doch angesichts der Entwicklung in Europa, könnte die politische Grosswetterlage bezüglich des Sparpakets auch in der Schweiz drehen. CVP-Parteipräsident Christophe Darbellay rechnet damit, dass Widmer-Schlumpf bereits am Mittwoch im Bundesrat mit ihren Plänen aufläuft. Und auch FDP-Politiker Ruedi Noser ist gespannt, wie die Diskussion ausgehen wird.
Sparprogramm ist lächerlich
Denn ausser Verteidigungsminister Ueli Maurer, der dadurch mehr Geld für seine Armee bekommt, dürfte im Bundesrat niemand wirklich Interesse an einer weiteren Sparübung haben. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann braucht mehr Geld für die Weiterentwicklung der Agrarpolitik und für die Förderung von Bildung, Forschung und Innovation. Auch UVEK-Chefin Doris Leuthard wird in den kommenden Jahren für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und die Energiewende erheblich mehr Mittel und Personal benötigen.
«Der Bund hat ein Sparprogramm aufgegleist, weil er für die Armee und die Entwicklungshilfe mehr Geld ausgeben will», sagt Noser. «Diese Erhöhung darf aber nicht auf Kosten der Bildung geschehen.» Spanien, Deutschland aber auch Grossbritannien haben zum Beispiel ihre Armeeausgaben gekürzt. Darbellay findet es hingegen einfach lächerlich, Sparprogramme aufzulegen, um Kampfjets kaufen zu können.
Justierung der Schuldenbremse
Die SP hat schon vor längerer Zeit klargemacht, dass sie von Sparprogramme nicht viel hält und fordert stattdessen eine Justierung der Schuldenbremse. Die Genossen verlangen ausserdem weniger Steuergeschenke an Reiche und Investitionen in Ausbildungsbildungsplätze, bezahlbare Wohnungen und den Arbeitsmarkt, wie Vizepräsident Jacqueline Fehr kürzlich bei der Präsentation des neuen SP-Migrationspapiers ausführte.
Was tut Widmer-Schlumpf? Verteidigt sie das Sparprogramm im Bundesrat oder bricht sie die wenig erfolgversprechende Übung vorzeitig ab? (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.04.2012, 13:48 Uhr
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