Schweiz
Separate Raucherbereiche auf Schweizer Bahnperrons?
Von Olivia Raths. Aktualisiert am 26.10.2012 227 Kommentare
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Der Zug fährt ein. Der Wartende zieht noch einmal schnell an der Zigarette und wirft hastig den Stummel aufs Gleis oder Perron. Dieses Szenario wiederholt sich jeden Tag tausendfach an Schweizer Bahnhöfen. Das Resultat: Mitarbeiter der Reinigungsfirma Railclean sammeln täglich stundenlang Zigarettenkippen von Gleisen und Perrons. «Gleispicken» nennt sich das im Einsatzplan der Firma. «Ein Gleis voller Zigarettenstummel ist wirklich kein schöner Anblick», sagte Railclean-Mitarbeiter Blert Adili jüngst im SBB-Mitarbeiterblatt «SBB-Zeitung». «Die Reinigung ist für uns sehr aufwendig.»
Nun wollen die SBB diesen kleinen, aber fiesen Abfallstückchen «verstärkt zu Leibe rücken», wie es weiter heisst. Zum einen hat man als Teil der kürzlich lancierten Anti-Littering-Kampagne – neben Recycling-Stationen – auch 70 gut sichtbare Aschenbecher am Bahnhof Bern aufgestellt. Verläuft der Versuch erfolgreich, sollen 2013 auch die anderen grossen Bahnhöfe der Schweiz damit ausgerüstet werden.
«Raucherinseln» in Deutschland bewähren sich
An deutschen Bahnhöfen darf seit September 2007 nur noch in speziell gekennzeichneten Raucherbereichen geraucht werden. Diese sind mit gelben Bodenmarkierungen und Rauchersymbolen gekennzeichnet und 30 bis 40 Quadratmeter gross. «Wir sind sehr zufrieden mit der Akzeptanz. Das System bewährt sich», sagt Holger Bajohra, Sprecher der Deutschen Bahn, gegenüber DerBund.ch/Newsnet. «Nach anfänglichen Widerständen herrscht heute eine hohe Disziplin.» Seit Einführung der im Volksmund sogenannten «Raucherinseln» sei der Reinigungsaufwand viel geringer, so Bajohra. Es gehe bei der Trennung der Raucher jedoch nicht um Diskriminierung, sondern um ein «koordiniertes Miteinander».
Bei den SBB sind «Raucherinseln» wie in Deutschland zurzeit zwar kein Thema, wie Sprecher Reto Kormann auf Anfrage sagt. «Rauchen auf den Perrons bleibt in SBB-Bahnhöfen bis auf weiteres erlaubt.» Hingegen sensibilisiere man die Raucher für ihr Verhalten. «Achtlos weggeworfene Zigaretten sind ebenfalls Littering, geben kein schönes Bild ab und lösen hohen Reinigungsaufwand aus», so Kormann weiter. Im Rahmen der aktuellen Anti-Littering-Kampagne werden den Rauchern kleine Taschenaschenbecher mitgegeben. So können sie ihre Stummel dort drin oder in einem der grossen Aschenbecher im Bahnhof entsorgen, anstatt sie aufs Gleis zu werfen.
Raucher stehen näher zusammen
Spezielle Raucherzonen zu schaffen, würde Otto Brändli begrüssen. «Es ist ein grosser Ärger, wenn Perrons und Gleise mit Zigarettenkippen übersät sind», sagt der Lungenarzt aus Wald und Präsident der Schweizerischen Lungenstiftung gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Gibt es mehr Aschenbecher an den Bahnhöfen, stehen laut Brändli die Chancen besser, dass die Raucher die Zigarettenstummel richtig entsorgen. Das habe auch eine Vorbildfunktion für die jüngere Bevölkerung. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Raucher näher zusammenstehen und die Nichtraucher so weniger «beraucht» werden.
Der Lungenarzt fände es fair, wenn spezielle Raucherzonen auf den Perrons eingerichtet würden. Er räumt zwar ein, dass dies etwas diskriminierend sei. Doch die Bereiche wären ein guter Kompromiss für alle wartenden Zugspassagiere. Rein auf die Disziplin der Raucher zu setzen, hält Brändli nicht für sinnvoll. «Man hat ja bei den Restaurants gesehen, wie es mit der Disziplin funktionierte.»
«Kein Anstand, die Zigarettenkippen richtig zu entsorgen»
FDP-Generalsekretär Stefan Brupbacher, der die Nein-Kampagne bei der Abstimmung «Schutz vor Passivrauchen» vom 23. September koordinierte, befürwortet zwar die neuen Aschenbecher an den Bahnhöfen und die seit 2005 rauchfreien Züge. Doch er fände es bedauerlich, wenn Raucher und Nichtraucher auf den Perrons geografisch getrennt würden, wie er auf Anfrage sagt. «Nach dem klaren Nein gegen die Vorlage ‹Schutz vor Passivrauchen› wäre dies ein falsches Signal von den SBB.» Brupbacher stört sich zwar, dass «gewisse Raucher keinen Anstand haben, ihre Zigarettenkippen richtig zu entsorgen». Aber seiner Ansicht nach braucht es keinen separaten Raucherbereich, um das Problem zu lösen. Zum einen seien die baulichen Massnahmen zu teuer. Zum anderen sei es unpraktisch, wenn der bevorzugte Zugwagen eines Passagiers fernab des Raucherbereichs halte.
Um das Littering-Problem mit den Zigarettenkippen anzugehen, müssten die Raucher disziplinierter sein bei deren Entsorgung, so der FDP-Generalsekretär. Er appelliert an die Eigenverantwortung der Raucher und erwartet gleichzeitig mehr Toleranz von den Nichtrauchern: «In den wenigen Minuten, während sie auf den Zug warten, ist der Zigarettenrauch kaum eine Belästigung», sagt Brupbacher, der nach eigenen Angaben nie eine Zigarette auch nur in den Mund genommen hat. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.10.2012, 19:59 Uhr
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227 Kommentare
Auch ich als Rauchende ärgere mich über stummelübersäten Schotter. Eine Frage des Anstands. Begrüsse daher jeden öffentl. Aschenbecher, damit ich meine Zigi entsorgen kann. Doch an unserem Bahnhof (Agglo ZH und sehr gut durchlüftet ;-)) wurden dieses Jahr 4 von 5 Aschenbechern abmontiert - was soll das? Preis-Frage: Was ist mit den zigtausend Kaugummis, die auf allen Trottoirs und Strassen kleben? Antworten
Wie intolerant sind wir denn geworden! Mein ganzes Leben lang (bin 75) hatte ich als Nichtraucher kein Problem mit Rauchern, wo auch immer. Zigarettenrauch ist auch nicht schlimmer als die vielen anderen Schadstoffe in der Luft, seien es Autoabgase oder Feinstaub etc. Man kann wirklich alles übertreiben mit dem Gesundheitswahn....und wer gesund stirbt ist trotzdem tot... Antworten
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