Senioren – die Gefahr lauert im Fussverkehr
Von Simone Rau. Aktualisiert am 03.02.2010 8 Kommentare
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Tipps für ältere Fussgänger
Verlassen Sie das Haus immer gut vorbereitet: Planen Sie genügend Zeit ein. Benutzen Sie bequeme Schuhe mit gutem Halt. Tragen Sie helle Kleider oder Reflektoren – besonders in der Dämmerung oder nachts. Benutzen Sie eine «Postiwägeli» oder einen Rucksack.
Halten Sie vor jedem Überqueren einer Fahrbahn kurz an: Signalisieren Sie Ihre Absicht, die Strasse zu überqueren – allenfalls mit Handzeichen. Achten Sie auf abbiegende Autos sowie auf Fahrzeuge auf der zweiten Spur.
Bei Lichtsignalen: Warten Sie eine neue Grünphase ab, damit Sie genügend Zeit zum Queren der Strasse haben. Drehen Sie niemals auf dem Fussgängerstreifen um – auch dann nicht, wenn das Signal der Ampel auf Orange springt.
Gehen Sie immer auf der Innenseite des Trottoirs: Auf der Hausseite ist es sicherer als entlang der Fahrbahn. Wählen Sie kurze Etappen, und ruhen Sie sich auf Sitzgelegenheiten aus, die sich Ihnen bieten.
Passen Sie auf mit Tram und Bus: Queren Sie nie direkt vor oder hinter einem haltenden Fahrzeug. Das Tram hat immer Vortritt, selbst am Fussgängerstreifen. Steigen Sie vorne ein. Halten Sie sich stets an einem Griff fest, und benützen Sie den ersten freien Sitzplatz.
Broschüre und Faltblatt gratis erhältlich unter 043 488 40 30 oder info@fussverkehr.ch.
Edith Portmann ist fast täglich zu Fuss unterwegs. Noch macht das Gehen der 82-Jährigen keine Mühe, sie benötigt nicht einmal einen Stock. Hat sie Einkäufe zu erledigen oder besucht sie ihren Enkel, benützt sie Bus und Tram. Im Gegensatz zu früher hält sich die Bewohnerin des Altersheims Herzogenmühle in Zürich-Schwamendingen jedoch eisern an eine Handvoll Regeln: «Ich plane stets genügend Zeit ein, vor allem wenn ich einen Termin habe. Sonst komme ich in Eile, und das ist nicht gut.» Aufs Tram renne sie nie – auch wenn es ihr vor der Nase abfahre. Sie trage immer gute Schuhe. Abends bleibe sie zu Hause.
Anhaltepflicht am Fussgängerstreifen missachtet
Nicht alle Rentner agieren so bedacht wie Portmann. Und nicht alle sind so agil wie sie. Wie ein Blick in die Unfallstatistik zeigt, haben 80- bis 90-Jährige pro zurückgelegten Kilometer ein sehr viel höheres Risiko, in einen schweren Unfall zu geraten, als etwa junge Erwachsene. Zwar liegt die Schuld an den meisten dieser Unfälle bei den Autofahrern. Am häufigsten wird die Anhaltepflicht am Fussgängerstreifen missachtet. Doch während Junge das Fehlverhalten von Autofahrern häufig kompensieren können, ist dies für Senioren schwierig. Ihre Wahrnehmung und ihre Motorik ist altersbedingt eingeschränkt.
Überdies sind die Folgen eines Unfalls im Alter weit schwerwiegender als in jungen Jahren. Das zeigen auch die Unfallzahlen aus dem Jahr 2008: Mehr als die Hälfte der getöteten Fussgänger, nämlich 36 von 59, befanden sich im Rentenalter.
Bei Lichtsignalen ist Eile gefragt
Um auf diese Gefahren hinzuweisen, hat der Verband Fussverkehr Schweiz gestern eine Verkehrssicherheitskampagne lanciert. Sie zeigt auf, worauf ältere Menschen im Verkehr achten müssen. Und sie gibt Empfehlungen für Autofahrer ab. Unter anderem wird diesen geraten, vollständig anzuhalten, wenn ältere Menschen die Strasse überqueren wollen.
Gefährlich sei es im Fussverkehr vor allem für Senioren mit Seh- und Hörproblemen, sagt Edith Portmann: «Bei vielen ist die Aufmerksamkeit getrübt, und es ist schnell etwas passiert.» Für ihre Altersheimkolleginnen, die auf Stöcke oder andere Gehilfen angewiesen sind, erledigt sie kleine Einkäufe. Besonders bei schlechtem Wetter getrauten sie sich nicht mehr aus dem Haus. Die 82-Jährige sagt, sie versuche stets gut achtzugeben, wenn sie zu Fuss unterwegs sei. Doch besonders bei Fussgängerstreifen sei dies leichter gesagt als getan: «Wenn es grün ist, muss ich mich sputen. Für Leute, die am Stock gehen oder kleine Schritte machen, reicht die Zeit zum Überqueren der Strasse oft nicht aus.» Wolle man Unfällen vorbeugen, müssten die Grünphasen verlängert werden.
Alte Leute sind langsamer unterwegs
Dieser Ansicht ist auch Thomas Schweizer, Geschäftsleiter Fussverkehr Schweiz: «Die Strassenverkehrsnormen gehen von Gehgeschwindigkeiten von 1,2 Meter pro Sekunde aus. Alte Leute sind aber oft langsamer unterwegs. Ideal wäre eine Geschwindigkeit von 0,8 Meter pro Sekunde.» Auch genügend gut platzierte Fussgängerstreifen, Mittelinseln, kürzere Distanzen mittels Einengung der Fahrbahn und Ruhebänke könnten die Sicherheit der Senioren auf den Strassen erhöhen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.02.2010, 04:00 Uhr
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8 Kommentare
@ Anneliese Lewy. Sie machen einen Überlegungsfehler: Wenn Sie am Ende der Grünphase die Strasse betreten, sollten Sie genügend Zeit haben, die Strasse sicher zu überqueren. Längere Grünphasen bringen keine erhöhte Sicherheit. Wichtig ist eine genügend lange Zeit zwischen Ende Grün für Fussgänger und Fahrtfreigabe für den Strassenverkehr. Antworten
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