Geheimdienstnetz Club de Berne – so spionierte die Schweiz mit Israel

Die Basler Historikerin Aviva Guttmann zeigt erstmals, wie gemeinsame Terrorbekämpfung in den 70er-Jahren funktionierte.

Nach dem Würenlingen-Absturz intensivierte sich der Austausch zwischen Israel und dem Club de Berne. (21. Februar 1970)

Nach dem Würenlingen-Absturz intensivierte sich der Austausch zwischen Israel und dem Club de Berne. (21. Februar 1970) Bild: str/Keystone

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Der schweizerische Nachrichtendienst tauschte sich jahrelang intensiv mit den israelischen Geheimdiensten Shin Bet und Mossad aus. Nun zeigt sich erstmals das Ausmass der geheimdienstlichen Kooperation, die Ende der 60er-Jahre begonnen hatte. Die Basler Historikerin Aviva Guttmann legt in ihrer noch nicht publizierten Dissertation erstmals offen, wie gemeinsame Terrorbekämpfung der Schweiz und weiterer westeuropäischer Staaten mit Israel und den USA funktionierte. Für DerBund.ch/Newsnet hat Guttmann einen Gastbeitrag (hier geht es zum Artikel) über die gemeinsame geheime Terrorbekämpfung verfasst: Die Bundespolizei (Bupo), der damalige schweizerische Inland-Dienst, hatte im Jahr 1969 das Geheimdienstnetzwerk Club de Berne gegründet und mithilfe dieses Forums ihre Kooperation mit westeuropäischen Partnern intensiviert.

Ohne demokratische Kontrolle

Der neutralitätspolitisch heikle Zusammenschluss umfasste ab 1971 einen weitgehenden Informationsaustausch mit Israel und den USA über palästinensische Terroristen sowie deren Unterstützer und Sympathisanten. Die Bupo teilte mit ihren Partnern Personendaten, Reise­informationen, Hotelbuchungen oder Beobachtungen von Solidaritätsveranstaltungen. In die Zusammenarbeit waren anfangs nur wenige Personen eingeweiht, und eine demokratische Kontrolle, etwa durch eine Parlamentskommission oder den Gesamtbundesrat, gab es laut Guttmann nicht.

«Die Schweiz fühlte sich Israel verbunden.»Hans-Ulrich Jost

Dass sich die neutrale Schweiz in den 1970er-Jahren derart proisraelisch zeigte, erstaunt den emeritierten Lausanner Geschichtsprofessor Hans-Ulrich Jost nicht. Er sagt: «Die Schweiz fühlte sich Israel verbunden. Beide Länder waren flächenmässig klein, wirtschaftlich potent und militärisch hoch gerüstet, um sich gegen Feinde zu verteidigen.» Bei Spionagetätigkeiten während des Kalten Kriegs sei es aber weniger um den Nahostkonflikt als solchen gegangen als vielmehr darum, die Sowjetunion und die mit ihr verbündeten arabischen Staaten zurückzubinden, so Jost. Westliche Staaten wussten, dass die Sowjets in ihren Trainingscamps palästinensische Widerstandskämpfer ausbildeten.

Einer der Architekten des Club de Berne und der Kooperation mit Israel war der langjährige Bupo-Chef André Amstein. Er soll gemäss einem neuen Buch des NZZ-Journalisten Marcel Gyr auch an den Verhandlungen über ein ­Geheimabkommen der Schweiz mit der PLO beteiligt gewesen sein. Einzelne Ex-Diplomaten und auch Historikerin Guttmann zweifeln allerdings an, ob es diesen Stillhalte-Deal gab (zum Artikel). Guttmanns Dissertation zeigt, dass die geheime Kooperation mit Israel in jedem Fall weitaus intensiver war als mit der palästinensischen Seite. Sie wurde jahrzehntelang weitergepflegt. Der Club de Berne existiert noch immer. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 07.02.2016, 23:30 Uhr)

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