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Schneider-Ammanns Mann

Von Edgar Schuler. Aktualisiert am 11.05.2012 209 Kommentare

FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann wollte seinen Freund Roman Boutelliers zum Chefbeamten machen. Dessen Karriere ist gezeichnet von abrupten Wechseln und tiefen Schnitten.

Der 62-jährige Mathematiker ist seit 2010 Verwaltungsratspräsident in der Ammann-Gruppe: Roman Boutellier. (Bild von 2006)

Der 62-jährige Mathematiker ist seit 2010 Verwaltungsratspräsident in der Ammann-Gruppe: Roman Boutellier. (Bild von 2006)
Bild: Keystone

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Der Gipfelerfolg erforderte harte Entscheide. Auf dem 6410 Meter hohen Mount Tai in Tibet stand Roman Boutellier erst nach einem zweiwöchigen Ansturm. Vier lange Tage sassen die Bergsteiger im Eissturm auf 5600 Metern fest, bevor es klappte. Der damals 31-jährige Boutellier als Expeditionsleiter und seine Kameraden vom Akademischen Alpen-Club Zürich sammelten im Mai 1981 ein knappes Dutzend weitere Gipfelerfolge. Den Sturm auf das Hauptziel aber, den 7556 Meter hohen Minya Konka, blies Expeditionsleiter Boutellier ab. Als zu gefährlich schätzte er die Lawinensituation ein.

Zwanzig Jahre später, als angehender Topmanager des Traditionsunternehmens SIG wird er sagen, er kenne «keine extremere Form von Teambildung» als das gemeinsame Klettern. «Jedenfalls habe ich beim Bergsteigen viel über Gruppendynamik gelernt.»

Ehrgeiz nie abgelegt

Den Ehrgeiz, mit dem er auf Expeditionen sich selber und andere an die physischen und psychischen Grenzen trieb, hat der stets drahtige Boutellier in seiner Karriere nie abgelegt. Der Bauernsohn aus dem Fricktal hatte an der ETH Mathematik studiert und mit einem Doktortitel abgeschlossen. Dann verlief seine Karriere in regelmässigen Kehrtwendungen: Chef Optik bei Kern in Aarau, Geschäftsleitungssitz bei Wild Heerbrugg, Professor für Innovation und Logistik in St. Gallen.

Und dann der grosse Sprung: Die Schweizerische Industriegesellschaft (SIG) brauchte über Nacht einen neuen Chef. Der bisherige CEO David Syz war überraschend vom Bundesrat als Staatssekretär ins Volkswirtschaftsdepartement berufen worden. Boutellier kannte das Unternehmen als Berater und wechselte vom St. Galler Lehrstuhl auf den Chefsessel am Rheinfall.

Zurück in den Elfenbeinturm

Die Herausforderungen, die Boutellier dort erwarteten, waren himalajahoch. Die SIG war seit 150 Jahren bekannt als Herstellerin von Eisenbahnwagen und Waffen (die legendäre Armeepistole SIG 220). Für diese traditionsreichen Betätigungsfelder sahen der Verwaltungsrat und Boutellier als akademischer Berater keine Zukunft. Dass Peter Spuhler mit Stadler Rail die als gewiss geltende Einschätzung von der «sterbenden Eisenbahnindustrie» Lügen strafen sollte, war nicht abzusehen. Die jähe Schrumpfung der SIG in einen Verpackungskonzern war beschlossene Sache. Boutellier griff durch, schloss und verkaufte Unternehmensteile, kaufte dafür scheinbar Passendes dazu. Die neue Strategie kam aber nicht zum Tragen, rentabel wollte das Konglomerat nicht werden. Schliesslich, 2004, nahmen kurz hintereinander in einem ungeordnet wirkenden Abgang Verwaltungsratspräsident Willy Kissling und Boutellier ihren Abschied.

Boutellier kehrte zurück in den Elfenbeinturm. Er erhielt eine Professur für Technologie- und Innovationsmanagement an der ETH Zürich. Zusätzlich übernahm er den Posten als Vizepräsident für Personal und Bauten. Jetzt, mit 62 Jahren, bietet ihm sein alter Freund Johann Schneider-Ammann eine neue Chance. Boutellier sitzt seit 1998 im Verwaltungsrat der Ammann Group, seit 2010 ist er als Schneider-Ammanns Statthalter Verwaltungsratspräsident. Der Protest, den die Nomination auslöst, erfordert wieder harte Entscheide.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.05.2012, 22:40 Uhr

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209 Kommentare

Stefen Bucher

11.05.2012, 07:14 Uhr
Melden 261 Empfehlung 0

Die SP Bundsräte dürfen so viele Parteigenossen und Gewerkschafter einstellen wie sie wollen - das wird nie kritisiert, ist komischerweise nicht Vetternwirtschaft. Die Hetzgesellschaft und -Journalismus bringen die Schweiz nicht weiter. Antworten


ivo seiler

11.05.2012, 07:14 Uhr
Melden 134 Empfehlung 0

entsetzt ob den vorwürfen? wow! ist er jetzt aus der lethargie aufgewacht, oder wars nur ein kurzes aufflackern? was sonst soll es sein wenn nicht vetterliwirtschaft? rücktritt? ach nein das geht ja nicht, dann hätten wir ja gar keine bundesräte mehr - nie mehr! Antworten



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