Schlottern für die SVP
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 02.12.2010 84 Kommentare
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VBS-Chef Ueli Maurer kennt das: den Zusammenzug der eigenen Leute auf offenem Feld und bei jeder Witterung. Kaderrapport nennt sich das im Militär. Letztmals geschehen am 18. Januar dieses Jahres in einer Waldlichtung bei Matzenried im Kanton Bern. Es war bitterkalt. Man stand nahe beieinander, die Hände in den Hosentaschen versorgt. Finnenkerzen sorgten für Stimmung. Als Maurer sprach stieg Hauch in die Luft. Für den Redner gab es ein einfaches Podium, ein offener Anhänger mit aufgezogener Plache. Ein Mikrofon, zwei grössere Lautsprecher und eine Schweizerfahne, das war die Infrastruktur. Die Signalwirkung des Anlasses war klar: Wir trotzen den widrigen Umständen, wir sparen und wir stehen zusammen.
Am Samstag wird sich Maurer in einer ähnlichen Situation wiederfinden. Und zwar ganz unverhofft. Der seit Wochen geplante Parteiprogrammtag der SVP kann nicht in der Uni Lausanne stattfinden. Nachdem bei der Schul-Leitung Drohungen eingegangen sind, hat sie die SVP kurzerhand ausgeladen. Die Partei stand plötzlich ohne Tagungsort da. Dass sich die SVP über solche Zustände beklagt, ist verständlich. Ein geeigneter Saal für 1000 Leute – 700 Delegierte sowie 300 Besucher und Journalisten – liess sich nicht mehr finden.
Zweieinhalb Stunden für den Parteitag
Jede andere Partei hätte zwar auch gemurrt, dann aber vermutlich den Fokus so weit aufgemacht, dass sie irgendwo sonst in der Schweiz untergekommen wäre. Nicht so die SVP. Sie macht aus der Not eine Tugend und lässt die Parteidelegierten aus der ganzen Schweiz auf «offenem Feld» aufmarschieren. Treffpunkt Samstag 4. Dezember 10.30 Uhr auf einer Wiese bei Gland im Waadtland. «Landsgemeinde» steht symbolträchtig im Programm zum Anlass. Ein Zelt gibt es für die 700 Delegierten nicht. Nur eines für die Medien, die Besucher und die Infrastruktur.
Minus 9 Grad prognostiziert Meteo Schweiz für die Nacht von Freitag auf Samstag in der Region Lausanne. Der Boden wird steinbein gefroren sein. Am Tag soll sich zwar die Sonne zeigen, das Thermometer steigt trotzdem nicht über Minus 1 Grad. Vermutlich auch deshalb dauert die Veranstaltung gerade mal zweieinhalb Stunden. Länger wird es kaum einer aushalten.
Je 10 Minuten für Mörgeli und Maurer
Der Kontrast zum politischen Gegner könnte grösser nicht sein. Zwei Tage lang debattierten die Genossen am Parteitag in Lausanne Ende Oktober. Basisdemokratisch – wie gewohnt – einigte sich die SP auf Armeeabschaffung und Überwindung des Kapitalismus.
Bei der SVP wird am Samstag Christoph Mörgeli zum Parteiprogramm reden – von 10.50 Uhr bis 11 Uhr. Laut dem Programm sind dann Diskussion, Änderungsanträge und Verabschiedung des Programms vorgesehen. Fragt sich nur: Wer will bei diesem Kuhnagel-Wetter das Ganze noch in die Länge ziehen. Das Schlusswort der Veranstaltung spricht Bundesrat Ueli Maurer um 12.50 Uhr. Dauer: Ebenfalls 10 Minuten.
Geschicktes Politmarketing à la SVP
Die Signalwirkung des Beisammenseins in klirrender Kälte ist vermutlich eine ähnliche wie damals, vor gut 10 Monaten beim Armee-Rapport: Wir trotzen den widrigen Umständen und wir stehen zusammen. Was könnte es für einen Startschuss ins Wahljahr Besseres geben. Geschicktes Politmarketing à la SVP eben.
Übrigens: Christoph Blocher figuriert nicht auf dem offiziellen Programm des SVP-Parteitags. Gut möglich, dass er als Chlaus aus dem Wald steigt und als Geschenk im Sack seine Kandidatur für die Wahl vom nächsten Herbst bekannt gibt. Die Delegierten würden sich bestimmt freuen wie die Kinder. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.12.2010, 17:21 Uhr
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84 Kommentare
Ich möchte gerne das Mediengeheule hören, wenn einer Linskpartei aus fadenscheinigen Gründen und unter Gewaltandrohung ein Versammlungslokal verweigert worden wäre. Stellen wir uns vor, die junge SVP würde Parteizentralen zertrümmern, Fassaden verschmieren und Privathäuser und Autos von Politikern beschädigen. Mann, wär das ein Geschrei! Antworten
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