Schlechte Schüler werden Lehrer

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 23.02.2009 53 Kommentare

In Deutschland belegt eine Studie: Vor allem Maturanden mit schlechteren Noten wollen Lehrer werden. Auch in der Schweiz sind es längst nicht die besten Schüler, die unterrichten wollen.

Nicht die Elite: Auch in der Schweiz sind angehende Lehrer nicht die mit den besten Noten.

Nicht die Elite: Auch in der Schweiz sind angehende Lehrer nicht die mit den besten Noten.
Bild: Keystone

Schlechte Noten für angehende Lehrer

Gute Schüler wollen nicht Lehrer werden. Das belegt eine deutsche Studie. «Nur Gymnasiallehrer haben einen Abiturdurchschnitt, der so gut ist wie der von anderen Uni-Absolventen», erklärt der Autor Ludger Wössmann der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». «Lehrer für Grundschulen und für die Sekundarstufe I hingegen waren deutlich schlechter im Abitur.» In der Regel ist ein Lehrer-Kandidat in der Schule schlechter als der durchschnittliche Fachhochschulstudent. Aus einer weiteren deutschen Studie geht ausserdem hervor, dass für jeden vierten Lehrer sein Studium eine Notlösung ist.

«Wer nichts wird, wird Wirt», heisst es im deutschen Volksmund. Und nun auch «wer nichts kann, wird Lehrer»? Gemäss einer Studie des deutschen Bildungsökonomen Ludger Wössmann zieht es nämlich eher schlechtere Abiturienten in den Lehrerberuf (siehe Kasten). Fazit: Für Schüler mit guten Noten ist der Beruf zu wenig attraktiv.

Steht es auch in der Schweiz so schlimm um die Lehrer? «Diese Aussagen können wir mit unseren Daten nicht bestätigen», sagt Stefan Denzler von der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung. «Es gibt aber Hinweise, dass es in der Schweiz ebenfalls in diese Richtung geht.» So sei es etwa nicht der Durchschnitts-Maturand, den es in den Lehrerberuf ziehe, sondern ein bestimmter Typus – musisch orientiert, nicht theorieaffin und aus nicht akademisch gebildetem Elternhaus. Angehende Lehrer stammen mehrheitlich aus den Maturitätsprofilen, die laut Maturitätsevaluation schlechtere Leistungen erbringen. Damit ist klar: «Es sind nicht die besten Maturanden, die Lehrer werden wollen.»

«Nicht konkurrenzfähig»

Auch Anton Strittmatter, Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle beim Lehrerdachverband LCH, will eine «Kollektiv-Diffamierung» vermeiden. Dennoch bestätigt er: «Es ist nicht die Elite, die in den Lehrerberuf will. So viel ist unbestritten.» Anders als in Finnland, wo die besten Schüler Lehrer werden, sind es hierzulande eher solche, die eine kurze Ausbildung suchen.

«Im Vergleich zu anderen Berufen und Studiengängen ist der Lehrerberuf schlicht nicht mehr konkurrenzfähig», erklärt Strittmatter. Es müsse darum mehr getan werden, um gescheite und tüchtige Maturanden für den Beruf zu gewinnen. Vor allem brauche es Problemlöse-Typen für das Metier, das als Sisyphus-Aufgabe gelte. «Und Arbeitsbedingungen, welche das Unterrichten wieder erfolgreich erleben lassen.»

«Nicht dramatisch»

Schwarz sieht Strittmatter aber auch bezüglich Image nicht: «Es ist zwar tendenziell gesunken – aber nicht dramatisch. Wir sind jetzt etwa bei den Journalisten angelangt.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.02.2009, 12:40 Uhr

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53 Kommentare

Walter Koller

23.02.2009, 13:35 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Vielleicht wollen ja die schlechten Schüler das, was sie in der Schule verpasst haben, nachher im Lehrerberuf nachholen. Was ist dagegen einzuwenden? *schmunzel*... Antworten


Christoph Stahl

23.02.2009, 13:40 Uhr
Melden

Fakt ist, dass heute nur noch diejenigen Lehrer werden welche sich unsterblich in den nervenschonenden Job "Lehrer" verliebt haben - aus finanziellen Gründen bestimmt nicht. Antworten



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