Schweiz

Christian Lüscher
Reporter


Schlechte Quoten, gute Debatten

Aktualisiert am 30.09.2011 37 Kommentare

Nach zwölf Tagen endet «Treffpunkt Bundesplatz». Während das Projekt im Netz grosses Echo erzeugte, blieben die unzähligen Wahlarenas trotz Primetime und Polit-Prominenz unter den Erwartungen.

1/6 Keine hohen Einschaltquoten: Die Wahlarena mit SVP-Vize Christoph Blocher erreicht trotz guter Sendezeit nur 17 Prozent Markanteil. (Copyright SRF/Michael Stahl)

   

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Zwei Wochen lang führte kein Weg an «Treffpunkt Bundesplatz» vorbei. Ob im Radio, im Fernsehen oder im Internet: Die Spezialsendung war auf allen SRF-Kanälen rund um die Uhr präsent. Heute Freitag endet das ehrgezige und teure Projekt. Und schon jetzt kann gesagt werden, dass SRF zumindest journalistisch einen guten Job erledigt hat. Mit spannende Analysen und innovativen Formaten wie «2-Minuten-Wahlreden», «Wahlzmorge» oder «Kreuzverhör» wurde die politische Diskussion im Vorfeld der National- und Ständeratswahlen angeregt. Zu diesem Schluss kommt auch Peter Studer, früherer Chefredaktor von SF und «Tages-Anzeiger». Was er gesehen hat, sei ausgezeichnet vorbereitet und handwerklich auf der Höhe gewesen.

Medienkonvergenz in der Praxis

Aufgefallen ist der geschickte Einsatz des Internets. Mit neuen Kanälen wie Facebook und Twitter, die prominent im Radio und TV einbezogen wurden, konnten die Macher bei den Usern punkten. Im Minutentakt publizierten die Journalisten Beiträge, lancierten Debatten und bezogen auch die Stimmen der Wähler in die Berichterstattung ein. Im Zusammenspiel mit TV und Radio wurde erstmals auch richtig fassbar, was die SRF-Führung unter am theoretischen Begriff Medienkonvergenz - dem effizienten Zusammenspiel verschiedener Kanäle – wirklich versteht.

In Zahlen ist der Social-Media-Erfolg noch nicht fassbar. Auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet heisst es bei SRF, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Onlinedaten vorlägen und deshalb keine Angaben gemacht werden können. Trotzdem: Auch wenn die Auswertung erst in den nächsten Tagen stattfindet, erzeugte das Projekt ein grosses Echo, wie man unschwer auf Facebook und Twitter erkennen kann.

Nur 17 Prozent Marktanteil mit Blocher

Während die Onlinekanäle das Publikum zum Debattieren anregten, sieht die TV-Bilanz weniger gut aus. Die unzähligen Wahlarenas sind zumindest quotenmässig deutlich unter den Erwartungen geblieben. Obwohl sich der Wahlkampf in der heissen Phase befindet und in den Sendungen jeweils viel Politprominenz vertreten war, erzielten sie weniger als 20 Prozent Marktanteile. Die Auftaktsendung zum Thema Thema Zuwanderung mit Alt-Bundesrat und SVP-Vizepräsident Christoph Blocher kam auf lediglich 17 Prozent Marktanteil.

Das ist zu wenig, wenn man den gigantischen Aufwand von SRF berücksichtigt. Und die Tatsache, dass die entsprechenden Formate dem Publikum zur besten Sendezeit serviert wurden. Kommt hinzu, dass die eigentliche «Arena» am späten Freitagabend im Schnitt deutlich besser abschneidet. Auf Anfrage sagt SF-Chefredaktor Diego Yanez: «Natürlich hätten wir uns höhere Quoten gewünscht. Das Zuschauerinteresse spiegelt sicherlich auch den bisher äusserst unspektakulären Verlauf des Wahlkampf wider.»

Opfer des lauen Wahlkampfs

In der Tat ist der Wahlkampf im Vergleich zum Letzten sehr lau. Es fehlen kontroverse Diskussionen, Provokationen und spannende Duelle unter den Politikern. Yanez betont aber, dass der Hauptfokus von «Treffpunkt Bundesplatz» darin liegt, im Sinne des Service public sachlich und verständlich Informationen zu vermitteln und dadurch die öffentliche Diskussion zu den Wahlen 2011 anzuregen. Man muss ihm sicherlich Recht geben. Allerdings muss man auch darauf hinweisen, dass die schlechten Quoten in der Primetime sich auch auf die etablierten Formate wie «10vor10» negativ ausgewirkt haben.

Der ehemalige SF-Chefredaktor Peter Studer sieht ebenfalls im wenig turbulenten Wahlkampf den Grund für die tiefen Marktanteile. Ausser den verbalen Gefechten in den SRG-Sendungen laufe wenig. Kommt hinzu, dass Kleinstpartein wie die Christlichsozialen, die berücksichtigt würden, naturgemäss wenig interessieren. Für Studer war auch der thematisch starke Fokus auf das Projekt zu viel: «Bei mir stellte sich auch ein Völlegefühl ein, wenn unmittelbar nach der Wahlarena noch ein Wurmfortsatz angehängt wird mit einem Resümee über das Geschehen auf dem Bundesplatz.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.09.2011, 17:10 Uhr

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37 Kommentare

Marcel Züger

30.09.2011, 17:30 Uhr
Melden 64 Empfehlung 0

Die ständigen Meinungsmanipulationen unseres linken Staatsfernsehen tue ich mir schon seit längerem nicht mehr an. Offenbar auch viele andere Zuschauer in diesem Land. Antworten


urs von felten

30.09.2011, 18:28 Uhr
Melden 51 Empfehlung 0

Mit spannende Analysen und innovativen Formaten wie «2-Minuten-Wahlreden», «Wahlzmorge» oder «Kreuzverhör.......Und diesen "Seich" mit dem Geld der Steuerzahler ! Was für ein Zirkus hat da stattgefunden ? Eine riesen Marketing-Show und Propaganda für das SRF. Und die ganzen Formate mit einem grossen LINKS-Drall...Die SP dankt dem Steuerzahler für die gratis Wahlpropaganda.Journalisten wählen LINKS Antworten



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