Schweiz

SRG-Medien publizieren wieder Umfrageresultate

Aktualisiert am 24.04.2010

Die SRG-Medien veröffentlichen wieder Abstimmungs-Umfragen des Forschungsinstitutes gfs. Das hat die Chefredaktorenkonferenz der SRG beschlossen.

Seine Resultate sind wieder gefragt: Claude Longchamp von gfs.

Seine Resultate sind wieder gefragt: Claude Longchamp von gfs.
Bild: Keystone

Die SRG-Medien veröffentlichen wieder Abstimmungs- Umfragen des Forschungsinstituts gfs. SRG-Generaldirektor Armin Walpen hat auf Antrag der SRG-Chefredaktorenkonferenz den Publikationsstopp aufgehoben, wie das Unternehmen einen Vorabbericht des «SonntagsBlick» bestätigte.

«Die SRG SSR und gfs.bern werden künftig bei Befragungen zu sensiblen Vorlagen zusätzliche publizistische und methodische Begleitmassnahmen treffen», teilte das Unternehmen am Samstag mit. Im Klartext will die SRG künftig besondere Vorsichtsmassnahmen walten lassen.

Der Publikationsstopp ging auf eine massive Fehlprognose bei der Abstimmung über die Anti-Minarett-Initiative zurück. Das Forschungsinstitut von Claude Longchamp hatte eine Ablehnung der Initiative mit 53 Prozent der Stimmen vorausgesagt. Das Gegenteil traf ein, die Initiative wurde mit 57 Prozent der Stimmen angenommen. Der Fehler der Prognose belief sich auf 20 Prozentpunkte.

Rückendeckung für gfs

Vertiefte externe und unabhängige Abklärungen hätten nun unter anderem ergeben, «dass die Diskrepanz zwischen den Resultaten der zweiten Minarett-Trendumfrage und dem Abstimmungsergebnis mit grosser Wahrscheinlichkeit auf ein 'sozial erwünschtes' Antwortverhalten eines Teils der Befragten zurückzuführen ist».

Zu diesem Schluss kam eine medial-politische Vertiefungsstudie der Universität Zürich unter der Leitung von Professor Kurt Imhof, wie der Medienmitteilung der SRG zu entnehmen ist.

Ausserdem stellt die Studie fest, dass beim sogenannten Argumente- Test die «latent vorhandene Haltung von Befürwortern der Initiative, 'ein Zeichen gegen die classe politique' zu setzen» nicht richtig erfasst werden konnte.

Weiter habe eine systematische Medienauswertung ergeben, dass die Vorbehalte und die Information, der Abstimmungsausgang sei unsicher, von den Medien nur ungenügend aufgenommen worden war.

Vorsichtsmassnahmen

Die SRG und gfs.bern werden nun bei künftigen Abstimmungen mit ähnlichem Konfliktmuster wie bei der Anti-Minarett-Initiative wissenschaftliche Begleitmassnahmen treffen. Stärker bachtet wird das «sozial erwünschte» Antwortverhalten sowie Argumente und Meinungsklima.

Wichtig sei auch die differenzierte Vermittlung der Ergebnisse: «Die Zahlen sind das eine, deren Wertung das andere», schreibt die SRG. Auch gelte es zu unterstreichen, dass es sich bei Trendumfragen nicht um «sichere Prognosen» handle, sondern um Momentaufnahmen.

Die nächste eidgenössische Abstimmung findet voraussichtlich am 26. September statt. Dabei geht es um die Revision der Arbeitlosenversicherung, gegen die das Referendum ergriffen wurde. Im Juni finden keine eidgenössischen Abstimmungen statt. (sam/sda)

Erstellt: 24.04.2010, 13:22 Uhr

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