Schweiz
Run aufs grüne Präsidium
Von Seraina Gross, Lausanne. Aktualisiert am 19.04.2012 40 Kommentare
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Über mangelndes Interesse am Parteipräsidium können sich die Grünen nicht beklagen. Nicht weniger als elf Kandidatinnen und Kandidaten wollen mithelfen, die Partei nach der Wahlniederlage vom Herbst auf den Weg des Erfolgs zurückzuführen. Ein anspruchsvolles Unterfangen. Die Atomwende mitten im Wahlkampf hat den Grünen letztes Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht – ausgerechnet, ist man versucht zu sagen, doch der Vorgang hatte durchaus seine Logik: Wenn ein Thema mehrheitsfähig wird, dann kann sich die einzelne Partei damit weniger gut profilieren. Die Idee hatte gesiegt, doch die Wahl ging verloren.
In der Deutschschweiz haben die Wähler den Grünen im Oktober in Scharen den Rücken gekehrt. Die fünf Nationalratsmandate gingen ausschliesslich hier verloren. Den pragmatischeren Romands hingegen machte die grünliberale Konkurrenz kaum zu schaffen. Sie konnte sich nur in der Waadt mit Isabelle Chevalley durchsetzen.
Ein «Zeichen der Vitalität»
Wie ist die breite Auswahl an Kandidierenden vor diesem Hintergrund zu lesen? Als Zeichen von Orientierungslosigkeit? Als Ausdruck einer Aufbruchstimmung nach den lähmenden Jahren unter Präsident Ueli Leuenberger, einem Genfer zwar, aber als Grüner eher ein Deutschschweizer: wenig pragmatisch und etwas freudlos? Antonio Hodgers, der Fraktionspräsident aus Genf, spricht von «einem Zeichen der Vitalität». Zumal es sich um «glaubwürdige und valable» Kandidaturen handle. Ähnlich sieht es der Aargauer Nationalrat Geri Müller, selbst Kandidat: «Das ist ein gutes Zeichen.»
Zu klären wird am nächsten Samstag zunächst die Frage sein, ob die Grünen wieder zur vor 2003 gültigen Form des Co-Präsidiums zurückkehren werden. Damals führte der Rücktritt des in die Stadtregierung gewählten Genfers Patrice Mugny zur Teilverwaisung des Präsidiums und schliesslich zur Einerpräsidentschaft mit Ruth Genner; die Zürcherin wollte sich die anspruchsvolle Form der Zweierpräsidentschaft nicht mehr länger zumuten. 2004 kam es in Yverdon-les-Bains zur Wahl von Leuenberger, nachdem sich für die Co-Präsidiumskandidatin Franziska Teuscher kein Partner hatte finden lassen.
Ernst machen mit der Diversität
Diesmal allerdings zeichnet sich ab, dass die Grünen dem Grundsatz der Diversität bei der Wahl des Präsidiums Rechnung tragen wollen. Dem Antrag des Vorstands für ein Co-Präsidium mit einem Romand und einem Deutschschweizer dürfte stattgegeben werden. Sollte dies der Fall sein, so dürfte sich das eindrückliche Kandidatenfeld schnell verkleinern. Als gesetzt gilt die Waadtländer Nationalrätin Adèle Thorens, die einzige Kandidatur aus der Romandie. Sie gehört zur den Architekten der Initiative für den ökologischen Umbau der Wirtschaft mit dem Ziel, den Ressourcenverbrauch bis ins Jahr 2050 auf einen Drittel zu reduzieren. Thorens zählt zur Gruppe der jungen, umsetzungsstarken grünen Politiker.
Das Deutschschweizer Ringen
Eng dürfte das Rennen dagegen beim Deutschschweizer Sitz werden. Man rechnet mit einem Zweikampf Bastien Girod und Regula Rytz. Der Zürcher Girod, virtuos im Umgang mit den Medien – zur Session in Bern fährt er von Zürich auch mal mit dem Velo – und bis jetzt eher ein Einzelkämpfer, ist bereit, in der Partei Verantwortung zu übernehmen. «Wichtig ist die Umsetzungskompetenz», sagt Girod, zum Beispiel bei der Energiewende. Die Grünen müssten zeigen, dass sie in der Lage seien, einen solchen Prozess kritisch zu begleiten, «damit es wirklich ein grüner und nicht ein grauer Atomausstieg wird», sagt Girod. Als Naturwissenschaftler bringe er dafür gute Voraussetzungen mit. Die Bernerin Rytz kann dagegen auf ihre Doppelerfahrung als Mitglied der Berner Stadtregierung und als Nationalrätin verweisen.
Aussenseiterchancen hat der Aargauer Nationalrat Geri Müller. Er stellt auf Anfrage seine aussenpolitischen Kompetenzen in den Vordergrund und rückt damit einen Strang grüner Politik in den Vordergrund, der nach Fukushima etwas in Vergessenheit geraten ist: die Friedenspolitik. Kaum Hoffnungen darf sich die Baselbieterin Esther Maag machen. Ihr fehlt der Sitz in Bern, ein Handicap, das die Delegierten wohl kaum übersehen werden. (Basler Zeitung)
Erstellt: 19.04.2012, 18:01 Uhr
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40 Kommentare
Mit Bastien Girod als Präsident der Grünen könnte eine Richtungsänderung der Grünen gelingen. Leuenberger hat die Grünen in den linken Ecken der SP manövriert und Geri Müller würde diesen Trend noch verstärken. Da aber auch die Bürgerlichen "grün" politisieren, ist die grüne Partei gut beraten, die extrem linke Ecke zu verlassen, sonst genügt die GLP. Antworten
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