«Reine Schikane der Velo-Mafia»
Aktualisiert am 01.09.2010 129 Kommentare
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Die Idee erscheint auf den ersten Blick innovativ und umweltfreundlich. Automobile mit einem hohen Ausstoss an Schadstoffen sollten in Innenstädten nicht mehr fahren dürfen – mit Hilfe von eigens ausgeschilderten «Umweltzonen», die anhand der Euro-Abgasstufen genau regeln, welche Autos wo fahren dürfen.
Umweltminister Moritz Leuenberger hat laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» ein Paket mit Verordnungen in die Anhörung geschickt – mit dem Ziel, die rechtlichen Grundlagen für eine derartige Verkehrssteuerung zu schaffen. Damit reagiert der Bund auf Anfragen aus den Kantonen Tessin und Genf, in denen bereits Studien zur Machbarkeit laufen.
Umfrage: 57 Prozent gegen Umweltzonen
Die Idee solcher Umweltzonen hat unter den Leserinnen und Lesern von DerBund.ch/Newsnet heftige Reaktionen ausgelöst. In einer Online-Umfrage, die nicht repräsentativ ist, sprachen sich 57 Prozent der Teilnehmenden gegen solche Pläne aus, während immerhin 43 Prozent sie befürworteten. Doch bei den geschriebenen Leser-Kommentaren zum Artikel über das Vorhaben, die auf der Webseite zu sehen sind, zeigt sich ein anderes Bild.
Nur 15 von 95 Beiträgen, die bis Mittwochmittag publiziert wurden, sprechen sich eindeutig und ausdrücklich für solche Umweltzonen aus, etwa 10 Leser wägen ab oder versuchen, neue Ideen in die Debatte zu bringen. Im überwiegenden Rest der Beiträge sprechen sich die Verfasser klar gegen Umweltzonen in Innenstädten aus – zum Teil in markigen Worten.
Insbesondere die Bürokratie scheint viele der Gegner zu ärgern: «Wieder eine reine Schikane mehr durch selbstgefällige Amtspersonen», schreibt Leo Nauber. «Und wieder ein Unsinn aus der links-grünen Neidecke», findet Patricia Suter. Manuel Märki klagt ebenfalls: «Immer noch eine Vorschrift mehr. Die Schweiz ist unbedeutend für das Weltklima.» Das Fazit von Beat Müller: «Reine Schikane der Velo-Mafia.»
Keine Freude an Aufklebern für Autos
Vignetten tragen offenbar einen grossen Teil zum Überdruss bei. «Von Gesetzes wegen die Windschutzscheibe zugeklebt», schreibt beispielsweise Peter Bruderer, «in der Schweiz die Autobahnvignette, für Österreich das Pickerl, für Deutschland die Umweltzone und nun in der Schweiz ein weiterer Kleber». Selbst unter den Befürwortern sorgen sich manche um den Verwaltungsaufwand: «Finde ich toll!», schreibt Markus Meier, «aber wir wäre es mit einer einheitlichen Vignette?»
Ob die Einrichtung von Umweltzonen überhaupt einen positiven Effekt haben würde, wird in den Beiträgen ebenfalls bezweifelt. «Aus den Erfahrungen in Deutschland wissen wir, dass diese Massnahmen, wenn überhaupt, kaum messbare Verbesserungen bringen», schreibt Christian Boner. Und Claudia Moser kritisiert: «Gemäss den Resultaten aus deutschen Städten bringen die Umweltzonen fast nichts; der bürokratische Aufwand ist aber beträchtlich.»
Einen konkreten Einwand formuliert Michael Lahn: «Letztlich wird es eine Milchmädchenrechnung. Vier Autos mit einer geduldeten Abgasnorm dürfen dann durch die Zonen fahren, auch wenn nur eine Person im Auto sitzt. Ein anderes Auto das eine schlechtere Abgasnorm hat, dafür aber vier Personen befördert, darf nicht durch diese Zone und muss eventuell noch Umwege in Kauf nehmen. Toll für diese Zone, aber hilft das der Umwelt wirklich?»
Das Belächeln der empörten Autofahrer
Manche Leserinnen und Leser nehmen das verbale Engagement der Gegner unterdessen mit Staunen zur Kenntnis: «Uiuiui… – da fühlen sich die Autofahrer wieder angegriffen», kommentiert beispielsweise Daniel Müller, «wie viele Menschen sich über dieses steinzeitliche Gefährt identifizieren, ist nur noch peinlich und sollte die Politik wirklich zum Nachdenken anregen».
Hans Meisi kann dem Tonfall immerhin ein wenig Unterhaltungswert abgewinnen: «Herrlich, wie gewisse Autofahrer motzen können, über alles und immer», schreibt er, «grundsätzlich ist das ja des Schweizers höchste Kunst». (raa)
Erstellt: 01.09.2010, 12:57 Uhr
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129 Kommentare
Es gibt keinen plausiblen Grund, dass alte Stinker die Innenstädte verpesten dürfen. Grosse Umfahrungsmanöver wird es deswegen kaum geben, sondern eher Verzicht auf unnötige Fahrten, Wechsel auf den ÖV oder Kauf von Autos mit besseren Abgaswerten. Einige der reaktionären Vorredner verkennen, dass es hier nicht in erster Linie um eine CO2-Reduktion geht, sondern schlicht um bessere Stadtluft. Antworten



































