«Rechthaberisch, uneinsichtig, tragisch»

Von Samuel Reber. Aktualisiert am 03.02.2010 41 Kommentare

Ex-Armeechef Roland Nef brach nach langer Zeit sein Schweigen. Das hätte er besser bleiben lassen, sagt der langjährige Chefredaktor Peter Rothenbühler. Und nennt mehrere Gründe.

«Meinetwegen als Magaziner oder Chauffeur oder Entwicklungshelfer»: Edipresse-Redaktionsdirektor und Kolumnist Peter Rothenbühler.

«Meinetwegen als Magaziner oder Chauffeur oder Entwicklungshelfer»: Edipresse-Redaktionsdirektor und Kolumnist Peter Rothenbühler. (Bild: Keystone)

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Peter Rothenbühler

Der bekannte Journalist arbeitet zurzeit als Redaktionsdirektor bei Edipresse im Welschland. Er war zuvor unter anderem Chefredaktor von «Le Matin», «Schweizer Illustrierte» und «SonntagsBlick». Für die «SonntagsZeitung» schreibt er zudem eine Kolumne, die er in Briefform stets an eine bestimmte Person oder Bevölkerungsgruppe richtet. Adressat dieser Ratschläge war im Juni 2008 auch der damalige Armeechef Roland Nef.

War es eine kluge Idee, nach einer langen Phase des Schweigens wieder öffentlich aufzutreten?
Nein, das hätte er besser nicht gemacht. Er will nicht mehr eine öffentliche Person sein, sagt er. Spricht dann aber eine Stunde lang mit dem besten und hartnäckigsten Interviewer der Schweiz, Markus Gilli, am Fernsehen. Zwei Sendungen mit Gilli und die graueste Maus ist berühmt. Was will er wirklich?

Er sagte mehrmals, es gehe ihm und seiner Familie sehr gut, er habe sich gefangen. Hätte er es nicht dabei belassen sollen?
Ja, aber er sagt dauernd, wie er die Sachen gerne sähe, man merkt aber, dass da ein Verzweifelter spricht, der völlig verloren ist und keinen Schritt vorwärts gemacht hat. Tragisch. Ich habe erwartet, dass er erst wieder an die Öffentlichkeit geht, wenn er positive Nachrichten zu seiner Situation bringen kann, zum Beispiel, dass er irgendwo diskret gute Arbeit leistet, meinetwegen als Magaziner oder Chauffeur oder Entwicklungshelfer, aber auf jeden Fall sollte er endlich das neue Leben, von dem er dauernd spricht, anfangen, aktiv.

Oder war das vor allem eine Bewerbungsoffensive? Wenn ja, denken Sie, dass er dank diesem Auftritt Angebote erhalten wird?
Das Gegenteil ist der Fall. Viele haben ihn vergessen, jetzt weiss man wieder, wer Nef ist und was ihm vorgeworfen wurde. Der Mann hat sein Recht auf Vergessen preisgegeben. Und er wird sich in Konflikten wieder uneinsichtig zeigen. Im Klartext: So einen Mann will niemand in verantwortungsvollen Positionen.

Würden Sie ihn im Bereich Logistik oder Sicherheit anstellen?
Warum nicht? Einfach nicht in leitender Stellung.

Wie wirkte er als Person mit seiner Gestik und Rhetorik auf Sie?
Rechthaberisch, uneinsichtig, wie alle unsicheren Persönlichkeiten.

Er machte das Angebot, sich öffentlich von einem Psychiater untersuchen zu lassen. Würden Sie ihm raten, dies in die Realität umzusetzen und die Diagnose zu veröffentlichen?
Nein, auch das würde ich ihm nicht empfehlen, er soll, wenn er schon auspacken will, genau sagen, was wirklich war mit der Ex-Freundin.

Nef stellte sich als Opfer von Medien, Justiz und Politik dar. Wurde er in Ihren Augen tatsächlich von den Medien «geschlachtet», wie er sagte?
Nein. Die Medienkampagne war nur das Resultat der Verwedelungs- und der Wegschaupolitik von Bundesrat Samuel Schmid. Medien reagieren auf nichts so brutal wie auf Lüge und Verschleierung. Ich erinnere mich genau, wie vorsichtig die «SonntagsZeitung» den Fall Nef angegangen ist, wie Chefredaktor Andreas Durisch dem VSB und Samuel Schmid Gesprächsangebote zur Klärung des Falls gemacht hat, auf die nicht eingegangen wurde.

Ist er ein Opfer der SVP geworden, die sich für die Blocher-Abwahl an Schmid rächen wollte?
Die SVP steckt nicht hinter der «SonntagsZeitung», soviel ich weiss. Aber als die Sache einmal lanciert war, hatte die SVP keinen Grund, die Fehler Schmids in der Bewältigung der Nef-Krise zu ignorieren. Nef sieht überall Täter, sich selbst sieht er als Opfer. Tragisch, wie gesagt.

Nef überlegt sich, ein Buch über seinen Fall zu veröffentlichen. Eine gute Idee?
Hey, wen interessiert das heute? Der Mann hat gar nicht gecheckt, dass er nicht mehr interessiert, denn Schmid ist weg - und er ist auch weg vom Fenster. Das Buch würde ein Flop werden, also nochmals eine Niederlage für den Mann, der sich endlich anderem zuwenden sollte. Ausserdem will er ja die spannenden Sachen, also Sex and Crime, nicht drin haben.

Was wünschen oder raten Sie Herrn Nef für die Zukunft?
Viel Glück, eine verständnisvolle Familie, sehr schnell einen Job. Und vielleicht einen guten Medienberater. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.02.2010, 07:30 Uhr

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41 Kommentare

Ben Müller

03.02.2010, 11:04 Uhr
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Ich verstehe die Anti-Kommentare zu Herrn Rothenbühler nicht. Der Mann sagt aus meiner Sicht genau das, was ich auch dachte als ich das Interview mit Roland Nef (ausschnittweise) gesehen habe. Auch wenn er nicht ganz selber schuld sein mag der Herr Nef, so finde ich doch das gegränne für einen Mann der mal Armeechef war recht peinlich. Statt Medienberater schlage ich Selbsthilfegruppe vor. Antworten


Viktor Troska

02.02.2010, 14:35 Uhr
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Rothenbühler ist ein Medienfuchs durch und durch genau wie Gilli. Sex and Crime ist das einzige was zählt. Für die Quote "schlachtet" man Leute. Nef hat absolut recht mit seiner Medienkritik. Die Macht der Medien muss eingeschränkt werden. Ausserdem sollten Medien resp. Journalisten für unethisches Verhalten direkt zur Verantwortung gezogen werden können. Nef hat eine zweite Chance verdient! Antworten



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