Porno in der Kirche

Unterdessen in Riddes VS: Ein Perverser hat in Gotteshäusern im Unterwallis monatelang Sexbildli gestreut. Jetzt ist er gefasst.

Selbst im Beichtstuhl fand man freizügige Druckerzeugnisse: Kirchturm von Riddes, im Hintergrund Ovronnaz. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Selbst im Beichtstuhl fand man freizügige Druckerzeugnisse: Kirchturm von Riddes, im Hintergrund Ovronnaz. Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

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Hier, wo die Rhone einen Knick macht, die Sonne oft scheint und der Wind Trauben und Aprikosen unablässig mit Frischluft versorgt, ist die katholische Kirche noch eine Macht und die CVP die stärkste Partei. Wer sich also hier die Gläubigen zum Feind macht, geht einen sehr steinigen Weg.

2015 wars, als ein damals unbekannter Täter Kapellen und Kirchen in der Region heimsuchte, um einfach gestrickte, aber effektive Anschläge zu verüben. Er legte in die Gotteshäuser Ausschnitte aus Pornomagazinen. Darauf waren kopulierende Paare zu sehen, alle nackt selbstverständlich. Da gabs Penisse im Grossformat zu sehen, Brüste, Schamlippen. Diese Bilder lagen auf den Kirchenbänken, auf dem Boden vor dem Altar, selbst im Beichtstuhl fand man einige der freizügigen Druckerzeugnisse. Einmal sollen Besucher einer Messe in Saxon gar Sexbildli auf der Windschutzscheibe ihrer Autos vorgefunden haben.

Das ganze Unterwallis fragte sich: Wer ist dieser Unhold? Und was bezweckt er damit? Bei der Walliser Polizei stapelten sich die Beschwerden. Gleich mehrere kamen aus Riddes. Denn der Täter hatte es mehrmals auf die dortige Kapelle und die Eglise Saint-Pie X abgesehen. Letztere ist das Stammhaus der radikal-katholischen Piusbruderschaft. Und diese ist bekannt, dass sie besonders bei fleischlicher Lust überhaupt keinen Spass versteht.

Überall DNA-Spuren und Fingerabdrücke

Dass der Täter Rauchpetarden in eine Kapelle warf und die Widerstandsfähigkeit der Orgelpfeifen mit Böllern testete, sorgte bei nicht wenigen Unterwallisern mit Lausbubenvergangenheit sogar für leise Bewunderung. Fertig lustig war aber bei allen, als herauskam, dass er Comichefte für Kinder mit explizitem Inhalt angereichert hatte. Jetzt geriet die Polizei richtig unter Druck – und kam dem Sexbildli-Täter bald auf die Spur. Es scheint, als wärs nicht besonders schwer gewesen. Der ­Täter hatte überall seine DNA und Fingerabdrücke zurückgelassen.

Es handelte sich dabei um einen Dreissigjährigen aus der Region. Bei der Polizei ist er wegen Drogen- und Verkehrsdelikten bestens bekannt. Auch bei diversen Behörden ist der Unterwalliser kein Unbekannter, bezieht er doch wegen seiner Schizophrenie IV-Gelder und steht unter Vormundschaft. Es war also vor allem die Tat eines geistig Gestörten. Der Walliser Richter aber sah keine mildernden Umstände und büsste ihn mit 9400 Franken. Dazu kommen die Gerichtskosten, Schadenersatz – ergibt insgesamt über 20'000 Franken, wie der «Nouvelliste» zusammenrechnete.

Wer legt sich ausgerechnet mit der Walliser Kirche an?

Laut der Walliser Regionalzeitung soll der Richter dem Angeklagten keine guten Prognosen gegeben haben. Das ist wenig überraschend: Wer ist wirklich so wahnsinnig und legt sich ausgerechnet mit der Walliser Kirche an, dieser mächtigen, alle Bereiche durchdringende Institution?

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.03.2017, 13:36 Uhr

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