Polizei droht mit Abbruch von Fussballspielen
Von Verena Vonarburg, Bern. Aktualisiert am 18.05.2011 203 Kommentare
Teilweise vermummt, was verboten ist: Basler Fans im Letzigrund (11. Mai 2011). (Bild: Keystone )
Artikel zum Thema
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Etwa 1500 Basler Fans randalieren im Zürcher Letzigrund, stürmen Essensstände und schlagen WCs kaputt. GC- und FCZ-Fans wollen aufeinander los, die Polizei geht dazwischen. Vermummte YB-Fans greifen den Extrazug der Thuner Fans an. Die Gewalt rund um Fussballspiele ist wieder allgegenwärtig.
Die Klubs und die Polizei weisen einander die Schuld zu – wie immer. Doch jetzt verschärft die Polizei die Tonlage deutlich. Nun werden die Klubs und die schweizerische Football League so stark unter Druck gesetzt wie noch nie: Entweder sie machten Ernst im Kampf gegen den Hooliganismus, oder der Staat müsse zur Tat schreiten und Fussballspiele verbieten oder die auswärtigen Fans nicht ins Stadion lassen, heisst es vonseiten der Polizeikommandanten. «Wir müssen einsehen: Gut zureden nützt leider nichts. Wenn wir das Problem nicht in den Griff bekommen, gibt es radikale Massnahmen», droht Pius Valier, St. Galler Polizeikommandant und Chef der nationalen Arbeitsgruppe «Sicherheit im Sport». «Wir appellieren weiter an die Vernunft, doch wenn die Klubs kein Einsehen zeigen, müssen wir allenfalls gar die Gästesektoren schliessen.» Ein solcher Schritt ist seit Anfang Jahr in St. Gallen rechtlich möglich.
«Druck auf die Klubs erhöhen»
Stefan Blättler, Kommandant der Kantonspolizei Bern, der sich mit den Vorfällen rund um die Young Boys herumschlägt, unterstützt Valier: «Wir müssen ganz eindeutig den Druck auf die Klubs erhöhen, denn offensichtlich können sie sich so lange wohlfühlen, wie der Staat die Folgen der Exzesse selber ausbadet.» Auch Blättler ruft nach staatlichen Eingriffen bzw. rechtlichen Möglichkeiten dazu. «Kantone und Gemeinden müssen die Möglichkeit bekommen, im Extremfall Spiele abzubrechen, Spiele nicht zu bewilligen oder auch die Kosten der Einsätze der öffentlichen Hand voll auf die Klubs zu überwälzen.»
Bereits liegt ein Vorstoss auf dem Tisch: Grosse Sportveranstaltungen sollen einer Bewilligungspflicht unterliegen, und Vereine sowie Stadionbetreiber, welche die Sicherheitsvorschriften nicht einhalten und deren Fans auswärts randalieren, sollen bestraft werden. Das verlangt CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann. Die Fussballliga bleibt gelassen: Solche massiven staatlichen Eingriffe seien politisch nicht durchsetzbar. Thomas Grimm, Football-League-Chef: «Sonst können wir aufhören mit Fussballspielen.»
Rädelsführer «entschärfen»
Der Hintergrund des politischen Drucks und Unmuts: In der Liga zeigt sich auch Widerstand gegen ein Kombiticket, das die Polizei einführen möchte. Die auswärtigen Fans müssten demnach bei Hochrisikospielen per Zug oder Bus anreisen, um überhaupt in den Gästesektor hineingelassen zu werden. Ein System, das in Holland und Belgien funktioniere, wie die Befürworter betonen. Doch Grimm ist skeptisch. «Wir glauben nicht, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.» Will meinen, Aufwand und Ertrag würden nicht stimmen. Die Fans, die vom Kauf eines Kombitickets ausgeschlossen wären, nimmt Grimm an, würden einfach in einen anderen Sektor wechseln. Das hält der Berner Kapo-Chef Blättler für «eine Ausrede», und sein St. Galler Kollege Valier sagt dazu, in einem anderen Sektor seien die Randalierer als auswärtige Fans vereinzelt. «Wenn diese Rädelsführer so separiert sind, entschärfen wir sie.»
Anstelle eines Kombitickets wünscht sich die Liga eine Meldepflicht für Hooligans. Die bekannten Schläger müssten sich bei Auswärtsspielen unmittelbar vor und nach dem Match bei der Polizei ihres Wohnortes melden, damit sichergestellt ist, dass sie daheimgeblieben sind. Solche Meldeauflagen sind zwar schon heute möglich, aber erst nach anderen Auflagen. Um dieses erst vereinzelt eingesetzte Instrument breiter anwenden zu können, müsste das Recht geändert werden, was in einzelnen Kantonen sogar Volksabstimmungen nach sich zöge. Kurz: Das würde politisch ewig dauern.
Liga für Bundespolizeitruppe
So ist die Situation verfahren, das Verhältnis zwischen Polizei und den Klubs auf einem Tiefpunkt. Die Fussballverantwortlichen stellen sich allgemein auf den Standpunkt, sie hätten punkto Sicherheit in den Stadien Erfolge vorzuweisen. Für den Bereich ausserhalb sei die Polizei zuständig, und es brauche mehr Polizei. Thomas Grimm von der Fussballliga würde «eine Bundespolizei-truppe begrüssen, die auch wirklich weiss, was zu tun ist». Stefan Blättler von der Kapo Bern reagiert harsch darauf: Seine Leute seien bestens geschult. «Ich mische mich nicht ins Fussballgeschäft ein, und Herr Grimm soll sich nicht ins Polizeigeschäft einmischen.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.05.2011, 21:33 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
203 Kommentare
gefährliche Masse, welche im Extremfall wie in Zürich mit über 1'500 gewaltanwendenden Extremisten oder -bereiten Mitläufern eine Dimension erreicht hatte, welche nicht mehr kontrollierbar war. Was wenn das nächste mal nicht Halt ist bei den Wurstständen? Wer hält so eine Horde auf, wenn sie in einen anderen Block will oder auf's Feld? Also ich ahb' die Schnauze voll von solchen Szenen- Antworten
Bin selber Fussball-Fan und gehe mit den Überlegungen von Herrn Blättler überein. Diese unwürdigen Zustände müssen endlich aufhören. Da können die Vereine/Fans/Experten lange aufschreien, dass das keine Fans sind, das sind Hooligans, wir sind Ultras, das sind wiederum andere... Dieser Sche*** muss endlich aufhören. Und es geht nicht um ein paar wenige betrunkene Raufbolde, sondern eine dumpfe.. Antworten
Schweiz
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!


Bitte warten




