Schweiz

Per Postauto ins entlegenste Bergtal

Von Olivia Raths. Aktualisiert am 10.05.2012 7 Kommentare

Der Verein Bus Alpin erschliesst touristisch attraktive Gebiete mit dem ÖV. Auch ein Raupenfahrzeug gehört dazu. Heute Donnerstag kamen zu den sieben bestehenden Mitgliedsregionen drei neue hinzu.

1/3 Auf ins entlegene Berggebiet: Ein Postauto unterwegs in den Schweizer Alpen.
Bild: Keystone

   

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Die Schweiz, ein Land mit öffentlichem Verkehr bis in den letzten «Chrachen» im entlegensten Bergtal: Das Land hat eines der dichtesten ÖV-Netze der Welt. Doch auch hier gibt es noch Lücken. Diese will der Verein Bus Alpin schrittweise füllen. Und zwar an Ausflugszielen in den Schweizer Bergen, die wegen zu wenig Einwohnern durch die Maschen der Regionalverkehrs-Finanzierung fallen. Doch weil die Orte bei Ausflüglern beliebt sind, rollt vor allem an touristischen Spitzentagen die Blechlawine an, welche die Gebiete kaum bewältigen können.

«Diesen Missstand wollen wir beheben», sagt Bus-Alpin-Geschäftsleiter Samuel Bernhard gegenüber DerBund.ch/Newsnet. «Die neuen ÖV-Angebote sollen in finanzschwachen Randregionen den naturnahen Tourismus fördern und die Wertschöpfung steigern.» Diese betrug in den ersten zwei Jahren von Bus Alpin zwei Millionen Franken in den damals vier beteiligten Regionen. Bei diesen handelt es sich um Gantrisch BE, Binntal VS, Greina/Bleniotal GR/TI und Moosalp VS.

Postauto ist grösster Auftragnehmer

In den nachfolgenden Jahren wurden drei neue Mitgliedsregionen (Chasseral NE, Alp Flix GR, Thal SO) aufgenommen, am Donnerstag gab Bus Alpin drei weitere bekannt: Bergün GR, Huttwil BE und Jura Vaudois VD. Damit ist der Verein nun in zehn Gebieten aktiv. «Einige von ihnen werden neben dem Sommer auch im Winter bedient», erklärt Bernhard. So gehöre neben Schneebussen in Gantrisch und im Chasseral auch ein Raupenfahrzeug in der Walliser Region Moosalp zum Angebot – inklusive Anschluss ans Postauto.

Die Postauto-Busse machen laut Bernhard den grössten Anteil des Bus-Alpin-Angebots aus: «Mit 60 Prozent ist Postauto Schweiz der grösste Auftragnehmer. Es verkehren auch sogenannte Rufbusse, die nur dann fahren, wenn man sie anfordert.» Je nach Region steht das Angebot täglich zur Verfügung; dies vorwiegend in den Sommerferien. Ansonsten verkehren die Busse an Wochenenden während der Sommersaison. Die Verbindungen sind auch auf der Website der SBB (www.sbb.ch) zu finden.

Früher durch den Bund finanziert, heute unabhängig

Bus Alpin startete 2005 als Forschungsprojekt, das durch die Initiative der Hotelregion Göschenen entstanden war und vom Bund unterstützt wurde. In den vier Pilotregionen wurden ÖV-Angebote aufgebaut und in Versuchsbetrieben getestet. «Das Angebot kam bei den Berggängern gut an», so Bernhard. «In den ersten zwei Testjahren nutzten es 23'000 Personen.» Nach Angaben von Bus Alpin sind 30 Prozent davon Umsteiger, die ohne den neuen ÖV mit dem Auto oder gar nicht in die Region gereist wären. Gesamthaft beförderten die Bus-Alpin-Partner seit der Gründung mehr als 126'000 Passagiere.

In der Aufbauphase erhielt Bus Alpin vom Bund und der Schweizer Berghilfe finanzielle Mittel. Seit Anfang 2010 operiert der Verein unabhängig. Heute tragen ihn die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB), der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS), der Schweizer Alpen-Club (SAC) und Postauto Schweiz. Ausserdem gibt es Sponsoren wie Transa und Pro Natura.

Billettverkäufe nicht kostendeckend

Zu den Arbeits- und Begleitgruppen in den Regionen gehören Verkehrs- und Tourismusorganisationen sowie die Regionalplanung. Dies sind neben Postauto Schweiz die Verkehrsvereine und Gemeinden. «Wir unterstützen die Mitgliedsregionen bei Betriebsaufbau, Vermarktung und Finanzierung der ÖV-Angebote», führt Bernhard aus.

Die Aktivitäten des Vereins Bus Alpin selbst werden grösstenteils mit Mitgliederbeiträgen bezahlt. Der Busbetrieb hingegen wird finanziert von Kantonen, Gemeinden, regionalen Tourismusorganisationen, Naturparks, Hotels und Restaurants und Einnahmen aus dem Billettverkauf. Da die Busbetriebskosten von 30'000 bis 70'000 Franken nicht vollständig durch Billettverkäufe abgedeckt werden – je nach Region sind es 30 bis 90 Prozent –, sind die Busbetriebe zudem auf Sponsoren angewiesen.

Bus Alpin ist auf Expansionskurs, und es könnte in diesem Stil weitergehen. «Es gibt weiteres Potenzial», meint Geschäftsleiter Samuel Bernhard. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.05.2012, 20:18 Uhr

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7 Kommentare

Walter Kunz

10.05.2012, 20:04 Uhr
Melden 43 Empfehlung 0

Für das Touristenland Schweiz, endlich wieder einmal eine, der Erfreulicheren Meldung! Antworten


Sabine Ziegler

10.05.2012, 21:19 Uhr
Melden 29 Empfehlung 0

Je stärker die Sparschrauben am öffentlichen Verkehr angesetzt werden, desto innovativer müssen die Erschliessungsprojekte sein. Bus Alpin stellt ein sinnvolles und nachhaltiges Projekt dar. Kann Vorbild für weitere Regionen werden. Bravo! Antworten



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