Schweiz

Pelli-Nachfolger halten sich zurück

Von Markus Brotschi, Bern. Aktualisiert am 29.10.2011 15 Kommentare

Die Kandidatenpalette der FDP für das Präsidium ist klein. Neben Karin Keller-Sutter und Philipp Müller gibt es nur noch wenige Namen auf der Wunschliste. Und die wollen sich noch nicht festlegen.

1/6 Hält Ausschau nach seinem Nachfolger: FDP-Präsident Fulvio Pelli verfolgt die Wahlresultate am Wahlsonntag.
Bild: Keystone

   

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FDP hält an Strategie fest

Die FDP hält trotz der Wahlniederlage an der bisherigen Strategie fest und konzentriert sich auf die drei Kernthemen «Arbeitsplätze schaffen», «Sozialwerke sichern» und «Bürokratie abbauen». Dies erklärte Parteipräsident Fulvio Pelli, nachdem die Parteileitung gestern mit den Präsidenten der Kantonalparteien eine erste Wahlanalyse vorgenommen hatte. Die FDP verlor fünf Nationalratssitze und verzeichnete einen Rückgang des Wähleranteils von 17,7 auf 15,1 Prozent. Dass die FDP Wähler an die GLP und die BDP verlor, führt Wahlkampfleiter Vincenzo Pedrazzini darauf zurück, dass es der FDP nicht gelungen sei, ihre Strategie voll umzusetzen. Das Problem sei die Umsetzung und nicht die Strategie.

Am 8. Dezember will die FDP eine Findungskommission einsetzen, die Kandidaten für die Pelli-Nachfolge evaluieren soll. Pelli tritt wie angekündigt nächsten Frühling von seinem Amt zurück. Bei der ersten Delegiertenversammlung des nächsten Jahres sollen dann die Kandidaten präsentiert werden. Danach kommt es zu einem parteiinternen Wahlkampf, bevor die neue Präsidentin oder der neue Präsident an einer weiteren Delegiertenversammlung gewählt wird. (sda)

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Offiziell hat es die FDP bei der Suche des Nachfolgers von Präsident Fulvio Pelli nicht eilig. Der Tessiner tritt erst im April zurück. Nach der Wahlniederlage vom letzten Wochenende bedarf die Partei allerdings an Hoffnungsträgern, die die Partei aus dem Tief führen können. Zuoberst auf der Wunschliste steht die St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter, die mit einem Glanzresultat in den Ständerat gewählt wurde. Sie gibt allerdings zu Protokoll, das Präsidentenamt komme nicht infrage.

Dies hat den umtriebigen Luzerner Nationalrat Otto Ineichen dazu veranlasst, den Aargauer Nationalrat Philipp Müller zur Kandidatur zu bewegen. Müller bestätigt, dass heftig für ihn lobbyiert wird. Es sei jedoch zu früh, um über Personen zu spekulieren. «Ich wünsche mir, dass die Partei zunächst das Anforderungsprofil festlegt.»

Profil passt zu Philipp Müller

Müller selbst hat bereits konkrete Vorstellungen, welche Voraussetzungen der FDP-Präsident erfüllen muss. Diesem müsse es gelingen, die FDP «authentisch so darzustellen, wie sie heute ist». «Die Partei hat sich erneuert, die Leute wissen es nur noch zu wenig.» Sie habe sich von Banken, Pharmaindustrie und anderen Lobbys emanzipiert. Um die Partei glaubwürdig zu vertreten, brauche es jemanden, der nicht in Verwaltungsräten sitze. Klar ist für Müller, dass der neue Präsident aus der Deutschschweiz kommen muss.

Die Bedingungen passen gut zum 59-jährigen Bauunternehmer Müller. Dieser hat auch bereits Ideen, wie die FDP neue Wähler gewinnen kann. Stärker erschliessen möchte Müller das Wählerpotenzial unter den Frauen. Hier müsse die FDP dafür sorgen, dass massiv mehr Teilzeitjobs für gut ausgebildete Frauen entstehen.

Fehlende Erfahrung

Weiter im Gespräch ist der 50-jährige Zürcher Nationalrat Ruedi Noser. Für ihn ist im Präsidium ein Generationenwechsel nötig. Vorstellbar sei die Wahl eines erfahrenen Politikers zum Präsidenten, flankiert von jungen Vizepräsidenten, oder die Wahl eines jungen Präsidenten mit erfahrenen Vizes. Wie Müller schliesst Noser eine Kandidatur nicht explizit aus. «Ich möchte weiter für den Freisinn arbeiten. Es ist aber nicht die Zeit, um über Köpfe nachzudenken.»

Zur Diskussion steht auch FDP-Vizepräsident Vincenzo Pedrazzini. Allerdings muss der Schwyzer den Sprung ins eidgenössische Parlament schaffen, da die Präsenz im Berner Politbetrieb zwingend ist. Pedrazzini steht in einem harten Wahlkampf um den Einzug in den Ständerat. Anders als Keller-Sutter fehlt ihm Erfahrung auf dem nationalen Politparkett.

«Jene Vögeli, die am lautesten pfeifen...»

Eine Absage kommt von der Berner Nationalrätin Christa Markwalder. Ihr Nein sei definitiv, sagt sie. Ob die Absage von Keller-Sutter endgültig ist, bleibt abzuwarten. Der abtretende Solothurner Ständerat Rolf Büttiker glaubt, die Partei komme um Keller-Sutter nicht herum.

Dass sie zurzeit eine Kandidatur ausschliesst, erklärt sich Büttiker mit der typisch schweizerischen Zurückhaltung: «Sie kann nicht gleich nach der Wahl in den Ständerat erklären, dass sie auch noch Parteipräsidentin werden will.» Denn bei Kandidaturen für ein Parteipräsidium gelte die gleiche Regel wie bei Bundesratswahlen: «Jene Vögel, die am Morgen am lautesten pfeifen, sind am Abend von der Katze gefressen.»

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.10.2011, 12:55 Uhr

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15 Kommentare

Petra Winter

29.10.2011, 13:30 Uhr
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wenn man heute Hr. Pelli 's Gespräch am Radio mitverfolgte muss man sich ernsthaft Gedanken über seine Verdrängung der Realität machen. Wenn er von der FDP als Partei die Arbeitsplätze schafft, spricht, dann frage ich mich wer sind denn die "prominetesten Exponenten dieser Partei? Namen wie Villiger flössen nicht gerade Vertrauen ein. auch hat die FDP schon viel zu oft mit der SVP Päckli geschnürt Antworten


Henrik Uherkovich

29.10.2011, 13:41 Uhr
Melden 15 Empfehlung 0

die FDP verliert nun seit 25 Jahren bei jeder nationalen Wahl Wähleranteile im (relativen) zweistelligen Prozentbereich und hat m.E. die Talsohle noch nicht erreicht ... ihr Problem wird sein, dass die Wähler infolge guter Alternativen auch weiterhin davonlaufen werden:
Grosskapital -> SVP
Konservative -> BDP, CVP
ökologisch interessierte + nicht Armee-hörige -> GLP
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