Schweiz

Nur noch mit sauberen Autos in die Stadt

Von Daniel Friedli, Bern. Aktualisiert am 31.08.2010 129 Kommentare

Der Bund will die rechtlichen Grundlagen schaffen, um die dreckigsten Autos aus den Städten zu verbannen. Genf wartet darauf, die Massnahme als erste Stadt auszuprobieren. Der TCS schimpft.

Signal Umweltzone (l.): Hier darf nur fahren, wer ein «sauberes» Auto hat. Signal Ende Umweltzone: Freie Fahrt für alle Fahrzeuge.

Signal Umweltzone (l.): Hier darf nur fahren, wer ein «sauberes» Auto hat. Signal Ende Umweltzone: Freie Fahrt für alle Fahrzeuge.

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Sollen künftig nur noch Autos in die Stadt fahren, die gewisse Abgaswerte erfüllen?

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London hat bereits eine, ebenso Berlin und Mailand. Und zahlreiche andere europäische Städte planen sie zumindest: die Umweltzone in der Innenstadt, in die zum Schutz der Luftqualität nur noch fahren darf, wer mit seinem Auto gewisse Abgaswerte erfüllt. Nun sollen solche Zonen auch in der Schweiz Realität werden. Umweltminister Moritz Leuenberger hat letzte Woche ein Verordnungspaket in die Anhörung geschickt, das die rechtlichen Grundlagen dafür auch hierzulande schafft. «Aus Sicht des Umweltschutzes stellen die Umweltzonen eine geeignete Massnahme dar, um die Luftqualität lokal erheblich zu verbessern», heisst es ermutigend in den Unterlagen dazu.

Konkret planen die Bundesämter für Umwelt und Strassen eine neue Signalisation für «Umweltzonen». Der Zugang dazu soll mit neu einzuführenden «Umweltzonenvignetten» geregelt werden, welche die Autos nach ihren Euro-Abgasstufen klassieren. Die Palette reicht dabei von einem schwarzen Rechteck für alte und dreckige Autos bis hin zu einer goldenen Sonne für emissionsarme Elektroautos. Gestützt auf diese Einteilung könnten die Kantone und Städte dann bestimmen, welche Fahrzeugkategorie wo Zugang erhält. Der Bund selber sieht aus übergeordneter Sicht Ausnahmen für Armee-, Blaulicht- oder Diplomatenfahrzeuge vor, nicht aber für die Autos der lokalen Anwohner oder Geschäftsinhaber. Wer ohne Vignette eine Umweltzone befährt, soll mit 100 Franken gebüsst werden.

Stadt Genf als Pionierin

Mit dem Paket reagiert der Bund auf Anfragen aus den Kantonen Genf und Tessin, wo das Interesse für Umweltzonen bislang am grössten war. Im Tessin arbeitet die Regierung an einer Studie für eine Zone im Sottoceneri, deren Resultate aber noch nicht vorliegen. Genf möchte als erste Stadt per 2012 Dreckschleudern die Zufahrt verbieten. Derzeit läuft dazu die dritte Etappe einer Machbarkeitsstudie, die klären soll, wie viel das System für Private, Firmen und Verwaltung kostet. Das Projekt allerdings, so heisst es in Genf, werde seit dem Wechsel von einer linken zu einer bürgerlichen Regierung im letzten November mit deutlich mehr Zurückhaltung verfolgt.

Auch darum begrüsste es der Verkehrs-Club (VCS) gestern, dass der Bund nun vorwärtsmacht. Zentralpräsidentin Franziska Teuscher (Grüne) erhofft sich davon neuen Elan, die im Ausland erfolgreiche Idee ebenfalls auszuprobieren. Sie denkt dabei an Bern, wo die Regierung bisher auf die fehlenden Rechtsgrundlagen verwies, und an Zürich, wo die Stadt die Idee zwar prüfen möchte, der Kanton aber eher negativ reagierte. Ganz anders der TCS: Er wertet Umweltzonen als Schikanen, die nichts bringen ausser Chaos auf den Strassen und bürokratischen Leerlauf. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.08.2010, 23:09 Uhr

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129 Kommentare

Philipp Müller

31.08.2010, 09:13 Uhr
Melden

Es gibt keinen plausiblen Grund, dass alte Stinker die Innenstädte verpesten dürfen. Grosse Umfahrungsmanöver wird es deswegen kaum geben, sondern eher Verzicht auf unnötige Fahrten, Wechsel auf den ÖV oder Kauf von Autos mit besseren Abgaswerten. Einige der reaktionären Vorredner verkennen, dass es hier nicht in erster Linie um eine CO2-Reduktion geht, sondern schlicht um bessere Stadtluft. Antworten


Markus Stutz

31.08.2010, 14:48 Uhr
Melden

@Daniel Müller: Danke, sie sprechen mir aus dem Herzen! Antworten



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