«Nun heisst es wieder, die Armee sei ein Laueri-Betrieb»
Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 10.11.2010 77 Kommentare
Abstand nicht eingehalten?
Die Umstände des Unfalls sind noch nicht geklärt. Nationalrat Roland Borer glaubt, dass die Piranha-Fahrer zu wenig Abstand gehalten haben. Zu so vielen Verletzten sei es ausserdem nur gekommen, weil die Panzer voll besetzt waren. Gemäss Heer-Sprecher Daniel Reist betrug das Tempo-Limit am Unfallort 80 Kilometer pro Stunde.
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Es ist ein Unfall, wie es ihn nicht jeden Tag gibt: Am Dienstag fuhren vier Piranha-Radschützenpanzer ineinander. 16 Männer werden verletzt. Sechs davon schwer. Was war passiert? Waren die Panzer zu schnell unterwegs? Hat man den Sicherheitsabstand nicht eingehalten? Oder waren die Fahrer unachtsam?
Der Unfallhergang wird derzeit ermittelt. Dennoch stellt sich, wie so oft bei Militärunfällen, die Frage: Wurden alle Sicherheitsmassnahmen ergriffen? Zumal der Waffenplatz Bure als Standort gilt, an dem die Armeefahrzeuge bis an ihre Grenzen getestet werden. Und die Armee als Institution, in der die Disziplin der Soldaten manchmal zu wünschen übrig lässt.
Nonchalance Schuld am Unfall?
Gemäss Daniel Reist, Chef Kommunikation Heer, seien die Angehörigen der Armee sensibilisiert für Sicherheitsfragen. «Jeder Fahrer weiss, dass es Konsequenzen hat, wenn er undiszipliniert fährt.» Auch betont er, dass es in der Armee weniger Unfälle pro gefahrenen Kilometer gibt als im Zivilleben.
«Besteht in der Häufung solcher Unfälle nicht ein Zusammenhang?», fragt sich hingegen Josef Lang, Grüner Nationalrat und Armeekritiker. Lang ist überzeugt, dass Armee-Unfälle in den letzten Jahren zugenommen haben: «Relativ ganz sicher, ich glaube aber auch absolut.» Dies, obwohl die Anzahl Soldaten, die in einen Unfall verwickelt werden können, viel kleiner sei als früher.
Lang meint eine gewisse Nonchalance in der Armee zu orten. Und weiss auch einen möglichen Grund dazu: «Ich habe den Eindruck, dass die allgemeine Orientierungslosigkeit in der Armee sich auf die Aufmerksamkeit, die Sorgfalt und die Vorsicht im Dienstalltag niederschlägt.» Immer wieder höre er von Soldaten, wie langweilig der Armee-Betrieb sei. Und: «Langeweile ist gefährlicher als Stress.» Im Stress sei man wenigstens aufmerksam, während man bei Langeweile nur wenig präsent sei.
«Nie ohne Risiko»
Dem widerspricht Roland Borer, SVP-Nationalrat und - wie Lang - Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission. «Ohne Risiko ist der Dienst nie, aber die Sicherheit ist in der Regel gewährleistet.» Vor allem bei der Schulung werde konsequent auf Vorsicht und Aufmerksamkeit im Umgang mit Waffen und Fahrzeugen gepocht. «Wir müssen fair sein: Dieser Unfall ist eine Ausnahme. Und man wird die Lehren daraus ziehen.»
An eine Zunahme von Armee-Unfällen glaubt er nicht. «Die Aufmerksamkeit eines Armee-Unfalls ist vergleichbar mit der eines Flugzeugabsturzes.» Da entstehe schnell der Eindruck einer Zunahme. «Wenn es nun wieder heisst, die Armee sei grundsätzlich ein Laueri-Betrieb, kann ich dem nicht zustimmen.»
Dass gewisse Angehörige der Armee die Sicherheitsvorschriften nicht einhalten («es sind dieselben, die es auch im zivilen Leben nicht tun»), sei kaum zu verhindern. Dennoch fordert Borer: «Man muss mit Kontrollen dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.11.2010, 12:04 Uhr
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77 Kommentare
Ich war in Bure im Militärdienst - eine Verschiebung während der RS. Soweit ich dies beurteilen kann, wird auf diesem Waffenplatz sehr auf Sicherheit geachtet. Unfälle passieren - überall und immer wieder. Warum soll dies in der Armee nicht vorkommen dürfen? Und @J.Lang. Nicht alle Zuger sind froh um Sie! Antworten
Borer soll sich nicht wichtig machen, seine Forderungen schon lange in Taten umgesetzt. Die Sicherheitspolitische-Kommission soll sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn sie sind Sesselhocker. Lasst die Behörden in Ruhe die Untersuchungen durchführen. Das ganze hat auch nichts mit einem Laueribetrieb zu tun, dann schon eher mit menschlichem Versagen (was immer das aussagen soll). Antworten
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