Schweiz

Neue Turbulenzen bei Gripen-Beschaffung

Aktualisiert am 04.04.2012 17 Kommentare

Verspätete Anschaffung und ein Rücktritt des «Chefverkäufers»: Der geplante Gripen-Kauf wird wohl nicht zum letzten Mal für Wirbel sorgen.

1/9 «Neuer Mirage-Skandal»: Kenner der Flugzeugbranche kritisieren den Beschaffungsentscheid für den Gripen. (22. März 2012)
Bild: Keystone

   

Trat vor wenigen Tagen nach Saudi-Affäre zurück: Schwedens Gripen-Chefverkäufer und Verteidigungsminister Sten Tolgfors. (Bild: Keystone )

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«Ich gehe davon aus, dass es realistisch ist, diesen Flieger bis Ende dieses Jahrzehnts zu beschaffen», sagte am Dienstag Verteidigungsminister Ueli Maurer gegenüber «10vor10». Für Schweizer Beobachter kam diese Aussage überraschend, hatte man doch bis vor kurzem noch die Jahreszahl 2015 genannt. Befremden gab es auch vonseiten der Politik. Sicherheitspolitiker Peter Malama zeigte sich überrascht und wähnte sich «im falschen Film». Trotzdem werde man nun in diesen sauren Apfel beissen.

Der Grund für die Verspätung dürfte der Beschaffungstermin der schwedischen Luftwaffe sein. Diese will die weiterentwickelte Version des Gripen – nämlich des Typs E/F – erst 2020 beziehen. Und laut VBS-Chef Maurer mache es wenig Sinn, dass die Schweiz einen anderen Termin wähle – wegen der Synergieeffekte. Anders als in der Schweiz gibt in Schweden der Termin von 2020 wenig Anlass zur Debatte. Skandinavien-Korrespondent Bruno Kaufmann dazu: «Es war doch klar, dass eine Weiterentwicklung ihre Zeit braucht.»

Maurers Berufskollege in Schweden

Mehr zu reden gibt in Schweden derzeit der Rücktritt von Verteidigungsminister Sten Tolgfors. Er vertrat das Gripen-Programm nach aussen, quasi als Chefverkäufer. Nun flog aber eine geheime Zusammenarbeit eines Instituts seines Ministeriums mit Saudiarabien auf. Demnach war über eine Scheinfirma der Bau von Waffenfabriken im Wüstenstaat geplant. Ziel des Projekts «Simoon» soll die Produktion von Panzerabwehrraketen sein. Die schwedische Öffentlichkeit reagierte wenig erfreut, Tolgfors geriet unter Druck. Nachdem er sich zudem noch in Widersprüche verstrickte, nahm er den Hut.

Mit Tolgfors pflegte Maurer beste Beziehungen. Es gab mehrere Treffen, das letzte am WEF vom vergangenen Februar. Letzten Sommer weilte der VBS-Chef in Schweden. Zum Besuchsprogramm gehörte auch die Besichtigung des Gripen. Ein Besuch Tolgfors vom März 2010 in Payerne scheuchte sogar die SVP auf. «Ein solches Treffen kann die Mitbewerber aus Deutschland und Frankreich argwöhnisch machen», warnte damals Nationalrat Roland Borer.

Schwedens heilige Kuh

Auf das Gripen-Programm in Schweden wird der Abgang von Tolgfors kaum Einfluss haben. «Für die Schweden ist dieser Flieger wie eine heilige Kuh», sagt Kaufmann dazu. Es ginge darum, sich als Hightech-Land zu profilieren. Selbst die Sozialdemokraten stehen mehrheitlich hinter dem Kampfjetbau. Trotzdem: Auch wenn in Schweden diesbezüglich wenig Veränderungen zu erwarten sind, Ueli Maurer wird sich auf einen neuen Gesprächspartner – quasi den Gripen-Chefverkäufer – einstellen müssen. (cpm)

Erstellt: 04.04.2012, 12:30 Uhr

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17 Kommentare

Frank Zuffnik

04.04.2012, 12:48 Uhr
Melden 27 Empfehlung 0

Da hat doch der Herr Maurer voellig recht mit dem Abwarten. Bis 2020 entwickelt ja vielleicht Pilatus noch einen viel besseren Flieger als der Girpen, den wir auch nicht brauchen. Weil die Vertraege sind ja noch nicht unterschrieben, also haben wir ja quasi den 5er unds Weggli und koennen abwarten, bis jeder einsieht, dass wir es besser sein lassen, weil ja jetzt Ghaddafi nicht mehr kommt! Antworten


alfred bleuler

04.04.2012, 13:15 Uhr
Melden 21 Empfehlung 0

politikerInnen rühmen sich klar“denkende“ pragmatiker zu sein -- und sparen wollen sie auch noch >> doch ich habe noch keine einleuchtende begründung aus bern gehört wozu wir diese neuen kampfjet's brauchen >>> man / frau kann es wenden wie er / sie will >> ES BESTEHT KEINE KRIEGSGEFAHR FÜR DIE SCHWEIZ >>> ich hoffe auf eine VOLKSABSTIMMUNG >> ich bin sicher, das CH-VOLK will diese flieger nicht Antworten



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