Neben Schweizer Wurzeln brauchts auch reichlich Geld
Von Andreas Valda, Santiago de Chile, und Thomas Knellwolf . Aktualisiert am 13.01.2010 23 Kommentare
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Er hat die Schweiz selten und seit einigen Jahre nicht mehr besucht, sich für die Auslandschweizergemeinde kaum interessiert und spricht weder Toggenburger noch einen anderen Deutschschweizer Dialekt. Dennoch erhielt Eduardo Frei, chilenischer Präsidentschaftskandidat mit Schweizer Abstammung, im Eiltempo den Schweizer Pass und das Bürgerrecht von Nesslau-Krummenau SG.
Darüber schütteln auch viele Auslandschweizer in Chile den Kopf. «Es stört mich sehr, dass einer, nur, weil er ein hoher Politiker ist, so rasch eingebürgert wurde», sagt Esther G., eine Bäuerin aus dem Süden des Landes in perfektem Schweizerdeutsch. Und sie vergleicht: Ihre Schwiegertochter mit Schweizer Abstammung wartet seit sieben Jahren auf die Einbürgerung. Sie sei sehr dafür, dass es Hürden gebe. «Nicht jeder soll einfach so Zugang zur Staatsbürgerschaft und zu den Sozialwerken erhalten», sagt G. Umso unverständlicher sei es, wie die Behörden im Fall Frei gehandelt hätten.
Nur zwei von sechs Kinder eingebürgert
Auslandschweizern in Südamerika sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen Kindern von Schweizer Eltern oder Grosseltern die Schweizer Staatsbürgerschaft verweigert wurde. Eindrücklich berichtete darüber die Westschweizer TV-Sendung «Temps présent» im April letzten Jahres in einer Reportage. Ihr Fazit: Die Einbürgerungspraxis der Schweiz ist widersprüchlich und diskriminierend für untere soziale Schichten.
Dabei gehen die Grenzen manchmal mitten durch Familien. Ein Beispiel ist die Familie De Merkal aus Paraguay. Mutter Myriam Merkal, eine waschechte Schweizerin, hat sechs Kinder. Alle sind bei ihr aufgewachsen, alle haben die gleiche Herkunft und Erziehung. Dennoch haben nur zwei den Schweizer Pass erhalten. «Für vier meiner Kinder kann ich keine Einbürgerung erreichen», sagte sie. Es gebe Tausende von Bürgern mit Schweizer Abstammung in Paraguay, die nicht Schweizer Bürger geworden seien, ergänzte der Schweizer Konsul Roger Gross. Wie viele zurückgewiesen wurden, ist nicht bekannt. Die gleiche Situation trifft für Argentinien und Chile zu.
«Eng verbunden» soll man sein
Die Gründe liegen zum einen in der Vergangenheit. Bis 1985 im Ausland geborene Kinder von Schweizerinnen wurden nicht als Schweizer Bürger anerkannt. Der Gesetzgeber hat dies später korrigiert und solchen Nachkommen die sogenannte erleichterte Einbürgerung offeriert. Zum anderen liegt es am heutigen, seit 2006 gültigen Gesetz. Wer erleichtert eingebürgert werden will, muss mit der Schweiz «eng verbunden sein» und dies nachweisen können. Und schliesslich liegt es am Bundesamt für Migration (BfM), wie es diese Nachweise einfordert und im Einzelfall interpretiert. Vergangenes Jahr wurden über 45'000 Ausländer Schweizer. Es gab jedoch 2008 laut BfM nur 197 Wiedereinbürgerungen. Eine betraf Eduardo Frei.
Ein Beispiel dafür ist der Nachweis von Reisen in der Schweiz. Als Grundsatz gilt, dass mehrere Besuche von Freunden und Verwandten stattgefunden haben müssen, als Regel drei innert zehn Jahren. Für Italiener oder Iren mit Schweizer Wurzeln ist dies einfach zu erfüllen, nicht aber für Nachkommen in einzelnen Ländern Südamerikas, wo ein Flug in die Schweiz 2000 oder mehr Franken kostet, bei durchschnittlichen Monatslöhnen von 300 Franken. Hinzu kommt, dass die Schweizer Bürokratie weltweit dieselben Ansätze erhebt, wenn sie ein Gesuch bearbeitet: rund 150 Franken pro Stunde Arbeit. Wie bei Eduardo Frei beträgt die Bearbeitungsgebühr für eine Wiedereinbürgerung in der Regel rund 700 Franken.
Im ersten Jahr nach der Gesetzesänderung von 2006 galt eine Klausel, dass für schweizstämmige Südamerikaner eine bis zwei Reisen reichten, wenn andere Kriterien, wie Sprechen einer Landessprache, gute geografische und kulturelle Kenntnisse, Engagement in Auslandschweizergruppen, Verwandten- und Bekanntenkontakte in die Schweiz besonders gut erfüllt waren.
Wirksame Abschreckung
Ende 2008 machte das Bundesamt für Migration mit dieser laxeren Praxis Schluss. In einer geheimen Weisung an die Konsulate verlangte es «grundsätzlich drei Aufenthalte». Wer nur einmal oder zweimal in der Schweiz war, musste die Formulare gar nicht ausfüllen. Ärmere Südamerikaner so abgeschreckt werden. «Wir sind uns des finanziellen Aspekts bewusst», sagte Brigitte Minikus vom Bundesamt für Migration dem Fernsehen TSR, «die finanziellen Möglichkeiten entscheiden mit, ob ein Kandidat die Voraussetzungen erfüllen kann.»
Der in Genf lebende Schweizer Alberto Dufey macht sich seit Jahren stark für die Einbürgerung von ausgewanderten Schweizern. Er hat viele Fälle gesehen: «Schweizstämmige aus den USA oder aus Europa erhalten die Schweizer Staatsbürgerschaft leichter als solche aus Südamerika.» Ein schwacher Trost für Automechaniker Eduardo De Merkal aus Paraguay, einer der vier Söhne, der trotz Schweizer Mutter Schweizer Pass erhalten hat. «Es macht mich traurig, dass meine beiden Geschwister einmal in die Schweiz zurückwandern, während mir dies verweigert wird.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.01.2010, 07:03 Uhr
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23 Kommentare
ich Auslandschweizer aus sudamerika finde unertraglich wie solche Politiker nur wegen seine Macht bekommen so schnell die CH-pass. die Schweiz ein Club der reichen? schon klar. Hat die Schweiz nur Wirtschaftliche interesen? villeicht Die Kupfer? oder villeicht die Millionen dollar korruption dass Politiker Spater in die UBS mitbringen könnte? was kommt später? CH 10000000 arme Menschen. traurig. Antworten
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