Schweiz
Natalie Ricklis Arbeitskollegen sollen schweigen
Aktualisiert am 02.05.2012 365 Kommentare
Stellungnahme (2. Mai 2012)
Die Goldbach Group bestreitet den im Artikel erhobenen Vorwurf, gegen Mitarbeiter sei eine Schreibsperre verhängt worden. Das Unternehmen habe lediglich entschieden, auf seiner Facebook-Plattform nicht auf die Diskussion um Natalie Rickli einzutreten. Adressaten einer entsprechenden Weisung seien die Verantwortlichen für Social Media und Corporate Marketing, nicht aber die gesamte Goldbach-Belegschaft gewesen.
Die besagte Weisung liegt DerBund.ch/Newsnet vor. Die Zeitung hält an ihrer Darstellung vom 30. April fest.
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Goldbach Group
Die in Küsnacht domizilierte Goldbach Group vermarktet private elektronische, mobile und interaktive Medien. 1983 aus dem Zürcher Lokalradio Z hervorgegangen, beschäftigt die Gruppe heute rund 500 Mitarbeiter, davon etwas über 200 in der Schweiz. 2009 erwirtschaftet das Unternehmen einen Umsatz von 306,5 Millionen Schweizer Franken. Seit Juni 2007 ist die Goldbach Group an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange kotiert.
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«Mich stört, wenn es nur noch Deutsche hat»: Natalie Rickli irritierte in den letzten Tagen die Öffentlichkeit. Doch auch ihren Arbeitgeber, das Medienunternehmen Goldbach Group, scheint die SVP-Nationalrätin mit ihrem Auftritt bei «Telezüri» und ihrem nachgelegten Interview im gestrigen «Sonntagsblick» vor den Kopf gestossen zu haben. Bei einigen der deutschen Angestellten von Goldbach kamen Ricklis Äusserungen zur Immigration jedenfalls gar nicht gut an.
Um die Auseinandersetzung im Zaum zu halten, hat die Unternehmensleitung letzte Woche eine Schreibsperre verhängt: Wie DerBund.ch/Newsnet in Erfahrung brachte, dürfen sich die Goldbach-Mitarbeiter auf Onlineforen und Social-Media-Plattformen jetzt nicht mehr zum Thema äussern. Die Weisung an die Mitarbeiter kam in Form eines Emails von der Geschäftsleitung. Ein Mediensprecher wollte den Sachverhalt nicht bestätigen, Unternehmenschef Klaus Kappeler ist in den Ferien und für die Medien derzeit nicht zu erreichen.
Die unbequeme Lobbyistin
Nach aussen gibt sich die Goldbach Group in der Angelegenheit hingegen gelassen. Ricklis kritische Äusserungen zur Immigration von Deutschen würden keine Gefahr für das Unternehmen darstellen, heisst es. Rickli habe das Recht, ihre private Meinung zu haben und auch zu äussern. Dass andere Mitarbeiter wegen der Schreibsperre auf ebendieses Recht zur freien Meinungsäusserung verzichten müssen, dazu mag sich die Goldbach Group nicht äussern.
Für die Firma geht es um Schadensbegrenzung: Als Politikerin ist Rickli eine wertvolle Mitarbeiterin, weil sie energisch gegen die SRG auftritt und versucht, Sendequoten und Einnahmequellen des staatlichen Fernsehens zu beschränken. Dies liegt im Interesse der Goldbach Group, die einen bedeutenden Teil ihrer Einnahmen aus der Vermarktung der Schweizer Werbefenster von deutschen Privatsendern erzielt. Ricklis Lobbyarbeit traf den Gegner SRG in der Vergangenheit offenbar empfindlich – jedenfalls so sehr, dass SRG-Chef Roger de Weck auch schon auf eine Kaltstellung Ricklis gedrängt haben soll, wie Goldbach-Chef Kappeler dem «Tages-Anzeiger» im letzten Sommer mitteilte.
Interne und externe Reputationsrisiken
Natalie Rickli arbeitet seit 2005 bei der in Küsnacht domizilierten Goldbach Group. Aktuell besetzt sie eine Position als Partner Relation Manager im Stab der Geschäftsleitung. 2011 mit kantonalem Bestresultat in den Nationalrat wiedergewählt, kam Ricklis wirtschaftspolitische Agenda der Goldbach Group bislang zugute. Ob das Medienunternehmen ähnlich Freude an der Ausländerpolitik der SVP-Nationalrätin hat, darf angezweifelt werden: Die Goldbach Group setzt auf die Expansion ins Ausland und ist neben der Schweiz in Österreich und Osteuropa präsent. Einer der Wachstumsmärkte der Gruppe ist Rumänien – eines der EU-Länder, dessen Zustrom von Arbeitskräften die Schweiz jüngst zur Aktivierung der Ventilklausel veranlasste.
Mit ihren forschen Äusserungen zur Migrationspolitik stellt Rickli ein Risiko für Goldbach dar: In dieser Einschätzung sind sich mehrere, von DerBund.ch/Newsnet befragte Personen aus der Medien- und Werbebranche einig. Das Unternehmen hat sich im Bereich der TV-Vermarktung zuletzt ein Quasi-Monopol geschaffen. «Aber andere Unternehmen können auch, was Goldbach kann», sagt ein Vertrauter: Bleibt Rickli weiter gegen Deutsche ausfällig, so könnte dies auch bei den Kunden des Unternehmens Missstimmung auslösen.
Dabei beschäftigt die Goldbach Group etwa mit dem grünliberalen Zürcher Gemeinderat Guido Trevisan auch Personen, die migrationspolitisch andere Ansichten vertreten: Ein Nest von SVPlern ist Goldbach keineswegs. Ein ehemaliger Kadermitarbeiter von Goldbach erinnert sich jedoch, dass es mit Kunden bereits früher zu Diskussionen wegen Ricklis Anstellung gekommen ist – das Image leide schon bei den Kunden. Das Image der Schweiz im nördlichen Nachbarland habe gelitten. Goldbach müsse aufpassen, dass auch sein eigener Ruf nicht zu stark unter Rickli leide. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.05.2012, 12:21 Uhr
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365 Kommentare
Sehr interessanter Spagat, den Frau Rickli hier vorführt. Politisches Kapital aus "der Masse der Deutschen" schlagen, um dann auf der anderen Seite massenhaft Werbung aus Deutschland in unsere Wohnungen zu bringen. Die qualifizierten Arbeitsplätze der SRG gefährden, um sie zu möglichst grossen Privatsendern aus Deutschland zu verschieben.
Ja, Glaubwürdigkeit, wo bist Du nur geblieben?
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