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Schweiz

Muslime bleiben friedlich – Vogel tritt nicht auf

Auf dem Bundesplatz haben mehrere hundert Muslime gegen die «Islamhetze» protestiert. Hauptbotschaft der Redner: Das Islambild in der Schweiz ist falsch. Der Islamprediger Pierre Vogel ist nicht aufgetaucht.

1/28 Die muslimischen Redner auf dem Bundesplatz in Bern kritisieren die Hetze gegen ihre Religion.
Bild: Simon Eppenberger

   

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Videoausschnitte von der Demo

Video: Simon Eppenberger.

Video: Leser-Reporter.


Video: Leser-Reporter.


Video: Leser-Reporter.

Schätzungsweise 500 bis 800 Personen haben am Nachmittag in Bern an einer Kundgebung des neuen Islamischen Zentralrats Schweiz teilgenommen. Die bewilligte Kundgebung verlief friedlich.

Die Minarettinitiative sei Ende November nicht angegenommen worden, weil 57 Prozent der Schweizer gegen den Islam seien, sagte Nicolas Blancho vom Islamischen Zentralrat Schweiz in der Eröffnungsrede. Vielmehr seien die Leute von einer anti-islamischen Propaganda getäuscht worden, so der Schweizer Muslim. Es gelte nun, gegen die Desinformation anzukämpfen.

Melanie Muhaxheri, Präsidentin der Muslimischen Frauenorganisation Schweiz, sagte in ihrer Rede, sie kenne keine Muslimin in der Schweiz, die das Kopftuch nicht freiwillig trage. Auch sie tue das.

Zwei Redner waren aus Deutschland angereist. Muhamed Ciftci, laut den Organisatoren Lehrer an einer islamischen Schule in Braunschweig, sagte, der Islam lehre die Toleranz gegenüber anderen Religionen. Der Islam sei gegen Terrorismus, Ehrenmorde und Zwangsehen.

Sven Lau alias Abu Adam, ebenfalls aus Deutschland, rief Nicht- Muslime auf, die Moscheen zu besuchen. «Leider ist die Scheu sehr gross.»

Zur Kundgebung gehörten auch Informationsstände mit Schriften über den Islam, etwa mit dem Titel «Missverständnisse über Menschenrechte im Islam». Etliche Kundgebungsteilnehmer hielten Plakate in die Höhe, auf denen etwa stand: «Wir sind keine Extremisten, weil wir Islam praktizieren».

Die Berner Kantonspolizei schätzte laut einer Mitteilung vom Samstag die Anzahl Kundgebungsteilnehmer auf gegen 700. Sie kontrollierte am Rand der Veranstaltung Personen, welche sie der rechtsextremen Szene zuordnete.

Pierre Vogel nicht da - auch nicht indirekt

Anders als angekündigt sprach auf dem Bundesplatz der deutsche Islamprediger Pierre Vogel alias Abu Hamza nicht. Die Schweizer Grenzwacht hatte ihn gestern Abend am Autobahnzoll Weil am Rhein an der Einreise gehindert, als er sich der vom Bundesamt für Migration (BFM) verhängten Einreisesperre widersetzen wollte.

Vogel habe danach gar nicht mehr versucht, in die Schweiz einzureisen, sagte Sven Lau nach der Kundgebung auf Anfrage. Es sei geplant gewesen, eine Grussbotschaft Vogels abzuspielen, doch hätten das die Schweizer Behörden verboten und an dieses Verbot halte man sich.

Die Berner Polizei schrieb dazu, sie habe den Tonträger mit der Rede Vogels in einem Auto aus Deutschland entdeckt, das sie kontrollierte. Den Lenker entliess sie nach der Kontrolle.

Blancho sagte in seiner Rede, das Einreiseverbot sei zu akzeptieren. Vogel sei aber kein Hassprediger - im Gegensatz zum israelischen Autoren Avi Lipkin, der auf Einladung der Organisation Pro Israel Schweiz und des Schweizerischen Bunds aktiver Protestanten vor der Antiminarett-Initiative im Kanton Bern Reden hielt.

Vogel werde, nachdem seine vom Bundesamt für Migration (BFM) bis am 1. Januar gültige Sperre abgelaufen sei, am 2. Januar auftreten. Der Islamprediger selbst gab in einer Videobotschaft bekannt, dass er am 2. Januar an einer Kundgebung in Bern teilnehmen werde.

Diesmal wurde nicht gebetet

Der Islamische Zentralrat Schweiz wurde laut Blancho im Oktober gegründet und zählt ihm zufolge etwa 150 bis 200 Mitglieder. Blancho gehörte auch zu den Organisatoren einer Kundgebung von Muslimen von Februar 2006 auf dem Berner Bundesplatz. Damals protestierten rund 1000 Menschen gegen die Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen.

Im Februar 2006 knieten viele Kundgebungsteilnehmer nieder und beteten in Richtung Mekka. Das blieb am Samstagnachmittag in Bern aus.

Die grossen islamischen Organisationen waren zur Kundgebung nicht eingeladen und distanzierten sich davon. Dieser Weg sei nicht dazu geeignet, um Andersdenkende zu erreichen und Ängste und Vorurteile abzubauen, sagte Taner Hatipoglu, Präsident der Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich, in der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens SF. Dazu brauche es intensiven Dialog. (vin/bru/ap/sda/)

Erstellt: 13.12.2009, 08:28 Uhr

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