Schweiz

Miese Beratung, Preispolitik und dreckige Züge

Aktualisiert am 25.01.2012 76 Kommentare

Die Zeitschrift «K-Tipp» will eine Initiative «Pro Service public» lancieren – unter anderem mit Blick auf die SBB. René Schuhmacher, publizistischer Leiter, über Ärgernisse und Aussichten.

Mehr Schalter-Service nicht vorgesehen: Aufnahme aus dem Bahnhof Glattbrugg (Archivbild).

Mehr Schalter-Service nicht vorgesehen: Aufnahme aus dem Bahnhof Glattbrugg (Archivbild).
Bild: Keystone

Die geplante Initiative

«Pro Service public» hat die Schweizer Staatsbetriebe SBB, Post und Swisscom im Blick. Die Initiative fordert, dass sich die Unternehmen stärker am Service-public-Gedanken orientieren als bisher. Mit diesem Anliegen wird der «K-Tipp» nicht zum ersten Mal in der Politik aktiv. 2009 sammelte das Magazin rund 70'000 Unterschriften gegen das BVG-Referendum und 2002 warb es gemeinsam mit Gewerkschaften aktiv für die Volksinitiative «Postdienste für alle», die allerdings scheiterte.

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Zur Person

René Schuhmacher ist Jurist und arbeitet als Rechstanwalt in Zürich. Daneben gibt er das Juristenmagazin «Plädoyer» sowie verschiedene Zeitschriften und Ratgeber im Bereich des Konsumentenschutzes heraus. Beim «K-Tipp» amtiert er als publizistischer Leiter.

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Korrektur-Hinweis

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Herr Schuhmacher, laut einem Bericht des «Blick» liegt der Text zu Ihrer Initiative derzeit bei der Bundeskanzlei zur Vorprüfung. Können Sie ihn uns zumindest sinngemäss wiedergeben?
Grundsätzlich geht es um Folgendes: Bundesbetriebe sollen den Service-public-Gedanken wieder ernst nehmen und nicht den Profit auf Kosten der Bürger und Kunden maximieren. Die Bundesbetriebe gehören der Bevölkerung. Zudem sollen die exorbitanten Löhne der Chefs, die weit über denen der Bundesräte liegen, begrenzt werden.

Die SBB standen in jüngster Zeit häufiger in der Kritik. Was stört Sie als Konsumentenschützer im Detail am Service der Bundesbahnen?
Er wird zunehmend abgebaut. Züge werden weniger geputzt, immer mehr WCs geschlossen, und die Schalteröffnungszeiten an den Bahnhöfen werden reduziert. Stehplätze gehören in den Agglomerationen heute zur Normalität; die Züge ins Tessin und nach Italien haben seit Jahren nur noch Unterhaltungswert. Andererseits steigen die Preise seit Jahren weit mehr als die Teuerung. Und das, obwohl die SBB im Personenverkehr seit Jahren grosse Gewinne ausweisen.

Der «K-Tipp» berichtet regelmässig über die SBB, und viele Leser richten Beschwerden an die Redaktion: Haben sich bestimmte Punkte gezeigt, die den Leuten besonders negativ auffallen?
Die Preispolitik und die mangelnde Beratung am Schalter sind bei den Lesern ein zunehmendes Ärgernis. Dazu kommt die Vernachlässigung der Sauberkeit in den Zügen. Die Freundlichkeit des SBB-Personals wird allerdings noch immer geschätzt – und ein Einsatz von Hilfs- oder Bahnpolizisten entsprechend kritisiert.

Zur Unterschriftensammlung ab März: Wo und wann werden Sie sammeln? Auch in der Nähe von Schweizer Bahnhöfen?
Es wird Unterschriftenbogen in den Konsumentenzeitschriften der Romandie, des Tessins und der Deutschschweiz geben. Mehr nicht. Die Leser sollen den Vorschlag zu Hause in aller Ruhe anschauen können.

Planen Sie eine Kooperation mit anderen Organisationen und Partnern?
Zurzeit sind noch keine Kooperationen geplant. Das Ganze ist ja auch noch im Projektstadium.

Die SBB stehen unter enormem Finanzierungsdruck für die kommenden Jahre, zum Beispiel beim Rollmaterial. Glauben Sie, dass mehr persönlicher Service am Schalter oder andere Verbesserungen, die ja Geld kosten, durchsetzbar sind?
Der Personenverkehr weist, wie gesagt, seit Jahren positive Zahlen aus. Und übrigens haben die SBB grosse Reserven, nämlich bei nicht mehr benötigten Grundstücken im Zentrum der Städte. Die sind in der Bilanz praktisch nicht aktiviert.

Die Fragen mussten per E-Mail gestellt und beantwortet werden.

Erstellt: 25.01.2012, 13:32 Uhr

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76 Kommentare

Hanna Meier

25.01.2012, 14:21 Uhr
Melden 51 Empfehlung

wenn nicht jeder seine Bierbüchsen, Gratiszeitungen , Fastfoodverpackungen usw. einfach im Abteil, wenn möglich noch auf dem Sitz liegen lassen würde, sondern in die dafür vorgesehenen Abfallbehälter werfen würde, wären die SBB-Wagen nicht halb so dreckig.
Liebe Leute es gilt auch hier was zu Hause stört, stört auch im Eisebahnwagen, also räumt euren Unrat weg!
Antworten


Daniel Meier

25.01.2012, 14:10 Uhr
Melden 46 Empfehlung

Mein Vater arbeitet bei der SBB, seit nun 32 Jahren. Vor ca. 5 Jahren überlegte er sich ernsthaft, ob er nicht künden sollte. Jetzt hat er noch 3 Jahre vor sich und freut sich schon jetzt auf die Pensionierung. Motto bis dahin: "durebiise". Dabei war er früher nicht "nur" Mitarbeiter sondern ein regelrechter Fan der SBB. Wäre schön wenn die SBB dies bei ihren Mitarbeitern wieder auslösen würde. Antworten



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