Martullo tritt mit Pro-Komitee gegen Blocher an

Im Patronatskomitee für die Abzockerinitiative sitzt auch Roberto Martullo. Er kämpft damit gegen Schwiegervater Christoph Blocher, der im Nein-Komitee sitzt.

Nicht zum ersten Mal unterschiedlicher Meinung: Roberto Martullo und sein Schwiegervater Christoph Blocher.

Nicht zum ersten Mal unterschiedlicher Meinung: Roberto Martullo und sein Schwiegervater Christoph Blocher. Bild: Keystone

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Für Roberto Martullo, den Mann von Ems-Chefin und Blocher-Tochter Magdalena Martullo, ist klar: «Jetzt braucht es volles Engagement für die Abzockerinitiative.» Die Art und Weise, wie die Gegner das Volksbegehren bekämpften – etwa mit Studenten, die sie fürs Verfassen von Onlinekommentaren unter falschen Namen engagierten –, sei «unlauter und ethisch sehr grenzwertig». Martullo will daher «Gegendruck» geben – «jetzt erst recht».

Bereits seit einem halben Jahr ist bekannt, dass Christoph Blochers Schwiegersohn Sympathien für die Abzockerinitiative hat. Jetzt nimmt Martullo gar im Patronatskomitee Einsitz. Morgen Freitag will er zusammen mit dem ehemaligen Mafiajäger Paolo Bernasconi, Strafrechtsprofessor Martin Killias und andern eine Medienkonferenz abhalten.

«Zu viele Schlupflöcher»

Damit ist die Familie Martullo-Blocher auf beiden Seiten des Abstimmungskampfs stark engagiert. SVP-Vizepräsident Christoph Blocher nimmt nämlich eine führende Rolle im Unternehmerkomitee ein, das gegen die Abzockerinitiative antritt. Zwar spannte auch Blocher einst mit Thomas Minder zusammen. Doch jetzt, nachdem das Parlament einen indirekten Gegenvorschlag erarbeitet hat, kämpft er gegen die Abzockerinitiative. Der Gegenvorschlag erfülle einen Grossteil der Anliegen der Initiative und könne schneller in Kraft treten, argumentiert Blocher.

«Das ist falsch», kontert sein Schwiegersohn. Bis der indirekte Gegenvorschlag voll greife, daure es mindestens drei Jahre. Auch decke dieser höchstens 30 bis 40 Prozent der Initiativforderungen ab. «Er lässt zu viele Schlupflöcher offen», kritisiert Martullo. Insbesondere Abfindungen seien weiterhin möglich. Anders bei Thomas Minders Initiative: Sie werte den Wirtschaftsstandort Schweiz auf, ist Martullo überzeugt. Denn die Aktionäre würden ihr Geld am liebsten dort investieren, wo es nicht von gierigen Managern und Verwaltungsräten abgezockt werde.

«Eine falsche Meinung»

Und wie sieht dies seine Frau, Magdalena Martullo-Blocher, die 2011 ein Gehalt von 1,23 Millionen Franken bezogen hat? Spricht sie sich für die Initiative aus wie ihr Mann oder dagegen wie ihr Vater? Roberto Martullo sagt, er wisse es nicht. Er selbst will seine Ansichten nach der Pressekonferenz vom Freitag auch in Interviews und an Podien kundtun. Ein Streitgespräch oder einen Podiumsauftritt gegen seinen Schwiegervater sucht der 50-jährige Präsident der SVP Meilen aber nicht. Auch finanziell gedenkt er sich nicht gross zu engagieren. Er denkt an ein paar Hundert Franken.

Christoph Blocher war gestern nicht erreichbar. Als ihn die «SonntagsZeitung» Ende Oktober mit der Haltung seines Schwiegersohns zur Abzockerinitiative konfrontierte, sagte er lachend: «Er hat offensichtlich den Gegenvorschlag nicht gelesen. Aber es darf auch einer aus der eigenen Familie eine falsche Meinung vertreten.»

Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden unterschiedlicher Ansicht sind. Vor der Abstimmung über die Reduktion des Umwandlungssatzes bei den Pensionskassen sprach sich Roberto Martullo öffentlich für ein Nein aus. Christoph Blocher plädierte für ein Ja und nannte die Argumente seines Schwiegersohns «trottelhaft». (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 10.01.2013, 06:39 Uhr)

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