Schweiz

Thomas Ley
Stv. Ressortleiter Reporter


Manche FMH-Ärzte wälzen schon Trennungsgedanken

Aktualisiert am 08.06.2012 7 Kommentare

Die Ärztevereinigung hat einen neuen Präsidenten. Und der hat viel zu tun. Wenn Jürg Schlup die FMH-Strukturen nicht reformiert, so befürchten namhafte Ärzte, könnte der Verband auseinanderbrechen.

Im Verband zerstritten: Schweizer Ärzte (im Bild bei einer OP im Stanser Spital, am 27. Oktober 2011)

Im Verband zerstritten: Schweizer Ärzte (im Bild bei einer OP im Stanser Spital, am 27. Oktober 2011)
Bild: Michael Buholzer/Reuters

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Am Morgen nach der Wahl staunen nicht nur Outsider. «Auf Jürg Schlups Pläne für die FMH bin ich genauso gespannt wie Sie», sagt Peter Tschudi, Leiter des Basler Instituts für Hausarztmedizin, zu DerBund.ch/Newsnet. «Alles, was ich dazu sagen kann, ist: Bahnhof.»

Damit ist Tschudi wohl nicht allein. Jürg Schlup, der völlig überraschend an die Spitze des Ärzteverbands gewählte Hausarzt aus Zollikofen BE, muss sein künftiges Programm erklären. Nicht nur der breiten Öffentlichkeit, sondern auch einem Grossteil seiner Mitglieder. Bis jetzt gibt es dazu nur viel Ahnung. Und grosse Erwartungen.

Vergiftete Stimmung

«Ich erwarte mir von ihm eine Stärkung der Hausarztmedizin», sagt Yvonne Gilli, Allgemeinärztin und St. Galler Nationalrätin für die Grünen. Ihr Verbandskollege Urban Laffer, Vertreter der Chirurgen, kann sich dazu eine Anmerkung nicht verkneifen: «Stärkung der Hausarztmedizin ist schon wichtig. Es kommt einfach darauf an, auf welche Weise man sie stärkt.»

Und damit zeigt sich Jürg Schlups anderes Problem: Er präsidiert einen völlig zerstrittenen Verband. Vor allem seit Einführung des Ärztetarifs Tarmed 2004 sind sich Spezialisten und Hausärzte nicht mehr grün. Aktuell streiten sich die beiden Berufsgruppen über die Managed-Care-Vorlage, über die am 17. Juni abgestimmt wird. Spezialärzte sind dagegen, Hausärzte dafür. Mehr oder weniger. Ex-Präsident Jacques de Haller, ein Hausarzt, passte sich der Mehrheit seiner Basis an und kämpfte dagegen. Das Ergebnis war eine vergiftete Stimmung und am Ende seine Abwahl.

«Darum brauchen wir endlich eine Reform der FMH-Strukturen», fordert Chirurg Laffer. «Damit sich nicht mehr nur die Hausarztmedizin zu Wort meldet. Damit auch die Spezialisten etwas zu sagen haben.» Das sieht Nationalrätin Gilli im Prinzip gleich: «Es ist nun einmal schwierig, die teils um 180 Grad divergierenden Interessen gegen aussen mit einer Stimme zu vertreten, ohne dass etwa die Glaubwürdigkeit des FMH-Präsidenten leidet.»

Nur noch Unumstrittenes vertreten

Die Idee ist, dass die Teilverbände sich für ihre Einzelinteressen einsetzen können, etwa bei Managed Care. Die übergeordnete FMH soll sich nur melden bei unumstrittenen Themen wie dem verbesserten Risikoausgleich zwischen den Krankenkassen. Yvonne Gillis Vorbild ist der Bauernverband: «In ihm haben Grossbauern, Kleinbauern oder Biobauern ihre eigene Stimme. Und doch nimmt man den Verband auch als Ganzes wahr.»

Also, wenn schon streiten, dann wenigstens offiziell. «Auch die Entscheidungsfindung innerhalb der FMH muss transparenter werden», so Gilli. «Ich glaube, das war de Hallers grösstes Versäumnis.»

Versöhnung, Zurückhaltung, Strukturreform – Ärztechef Schlup hat viel zu tun. Aber was ist, wenn sich die FMH nun lange mit sich selbst beschäftigt? Die Managed-Care-Diskussion wird weitergehen, auch wenn die Vorlage womöglich scheitert. Und das nächste grosse Streitthema, die linke Einheitskassen-Initiative, ist bereits am Horizont. «Unser Reformprozess darf nicht jahrelang dauern», bekräftigt Chirurgenvertreter Urban Laffer. «Das wäre sehr schlecht.»

Sonst droht Trennung

Es könnte sogar der Anfang vom Ende sein. «Die FMH ist ein Konzern», erklärt Hausarztmediziner Peter Tschudi nüchtern: «Er vereinigt viele Branchen. Wenn die sich nicht mehr einigen können, muss man eben die gemeinsame Holding-Struktur aufgeben – und sich trennen.»

Es wäre ein unschöner Abstieg für Jürg Schlup: vom Hoffnungsträger zum Konkursverwalter. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.06.2012, 16:48 Uhr

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7 Kommentare

Dr.med. Angelo Cannova

08.06.2012, 18:36 Uhr
Melden 46 Empfehlung 0

Warum sind Journalisten nicht lernfähig. Immer wieder behuapten sie, Spezialisten seien gegen und Hausärzte für Managed Care. Nochmals, richtig ist, dass die Mehrzahl der Haus- und Kinderärzte gegen Managed Care sind, weil dadurch eine Zweiklassenmedizin eingeführt würde. Deshalb Nein zu Managed Care. Einzig der Verein Hausärzte Schweiz ist dafür. Dieser Verein vertritt aber nur die Netzwekärzte. Antworten


Jarema Ostapiuk

08.06.2012, 17:02 Uhr
Melden 44 Empfehlung 0

Es gibt Hausärzte die für MC- Vorlage sind, aber bei weitem nicht die Mehrheit ! Mehrheit der Aerzte und Hausaerzte ist gegen die MC Vorlage. In der FMH haben die Hausarzte am meisten Stimmen und in der Urabstimmung wurde die Vorlage mit 2/ 3 der Stimmen abgelehnt. Bitte richtig berichten ! Antworten



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