Schweiz

Kurzfristiger Ausstieg aus der Atomenergie bringt Importengpass

Von Martin Läubli. Aktualisiert am 17.03.2011 18 Kommentare

Welche Energieversorgung die Schweiz auch immer wählt – ohne schnellen Ausbau und Erneuerung des Stromnetzes ist die Energiesicherheit in der Schweiz nicht garantiert.

Ideen sind gefragt: Ein Verzicht auf AKW wie jenes von Gösgen verlangt neue Lösungen.

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Bild: Sabina Bobst

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Das Atomkraftwerk Mühleberg muss 2012 vom Netz, ab 2020 darf kein nuklearer Strom mehr in der Schweiz fliessen: Die seit langem gestellte Forderung der Grünen ist nach der atomaren Katastrophe in Japan wieder auf der politischen Agenda – und reizt zu einem Gedankenspiel. Was wäre, wenn wir wie in Deutschland alle Atomkraftwerke, die vor 1980 gebaut wurden, vorübergehend vom Netz nehmen würden?

«Kurzfristig könnten wir den Ausfall der Kernkraftwerke nicht ersetzen, das fehlende Stromangebot müsste durch Importe gedeckt werden», sagt Erwin Schärer vom Stromversorger Axpo. Auch nach Ansicht des Bundesamts für Energie wäre dies zum jetzigen Zeitpunkt vermutlich die einzige Option. Beide verweisen jedoch darauf, dass ein Import nicht unbedingt garantiert sei. «Es stellt sich die Frage, ob man diese Strommenge bedarfsgerecht auf dem europäischen Markt bekommt und zu welchem Preis», sagt Schärer. Im Moment gebe es noch einen Stromüberschuss in Europa, sagt Marianne Zünd vom Bundesamt für Energie (BFE). Doch bereits in wenigen Jahren, so die Prognose des Verbandes der europäischen Netzbetreiber, könnte das Stromangebot knapp werden.

Engpass beim Importstrom

Zudem könnte die Transportkapazität vom Ausland in die Schweiz an ihre Grenzen stossen, wenn soviel Importstrom bezogen würde. «Es bestehen heute schon beschränkte Kapazitäten», sagt Thomas Hegglin von Swissgrid, der nationalen Netzgesellschaft. Um die Netzstabilität zu gewährleisten, müssen die Stromlasten auf dem Netz in Europa exakt abgestimmt werden. Die Versorgung funktioniert nur, wenn Angebot und Nachfrage exakt aufeinander abgestimmt sind. Swissgrid rechnet mit Investitionen von rund 4,5 Milliarden Franken, um in den nächsten zehn Jahren das Netz zu erneuern und auszubauen. Sonst sei das Risiko einer Stromüberlastung in Zukunft gross, so Thomas Hegglin von Swissgrid.

Ohne Stromsparen gehts nicht

Auch in zehn Jahren, wenn nach der Forderung der Grünen keine Atomkraftwerke mehr in Betrieb sein dürften, werden wir vor dem gleichen Problem stehen, wenn wir in den nächsten Jahren nicht Massnahmen ergreifen. Nur, so die Prognosen, ist die Stromnachfrage dann noch weiter gestiegen.

Eine Stromversorgung ohne Atomkraft hat das Bundesamt für Energie bereits in einem Szenario der Energieperspektiven 2035 vor drei Jahren skizziert. Damit das fehlende inländische Stromangebot durch erneuerbare Energien ersetzt werden kann, muss allerdings der Energieverbrauch zum Beispiel durch die Einführung effizienter Haushaltsgeräte und Computer in Haushalt und Büro und Elektromotoren in der Industrie massiv reduziert werden.

Auch Sparmassnahmen sind unumgänglich. Nur so lässt sich der Wachstumstrend umkehren. Die steigende Nachfrage nach Wärmepumpen und der wachsende Strombedarf für den Schienenverkehr werden laut BFE jedoch den Trend bremsen. Immer deutlicher wird, dass es auch «intelligente» Stromnetze braucht, um den Stromverbrauch optimal zu steuern. Das Bundesamt für Energie geht nun nochmals über die Bücher. «Wir sind daran, alles nochmals durchzurechnen», sagt Marianne Zünd. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.03.2011, 23:19 Uhr

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18 Kommentare

hubertus klein

17.03.2011, 11:21 Uhr
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die fehlenden neuen stromnetze scheinen mir eher eine letzte rückzugsbastion der atomlobby zu sein, um den ausstieg nachhaltig zu behindern.
wenn jeder solarzellen auf dem dach hätte und sich einen teil seines stroms selber erzeugen könnte, würden die netze weniger belastet werden und man könnte sich um die abschaltung der akws und um den neubau der netze kümmern. auf das szenario kommt es an !
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Erich Furrer

17.03.2011, 08:42 Uhr
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Es braucht dringend einen Ausbau des Euro Höchstspannungsnetzes. Ohne diesen Ausbau verkommen auch die geplanten oder bereits in Bau befindlichen Grosspumpspeicherkraftwerke zu Investionsruinen. Und wie wäre es mit Smartgridleitungen die nur soviel Energie liefern wie es sich der Kunde wünscht? So trennt sich die Spreu vom Weizen, resp. man erkennt die Kunden die tatsächlich Energie sparen wollen! Antworten



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