Schweiz

Krach im SAC wegen Heliski-Flügen in Zermatt

Von Richard Diethelm. Aktualisiert am 19.01.2011

Die Walliser Sektionen sind wütend auf den Zentralvorstand, weil er gegen die neu bezeichneten Gebirgslandeplätze rekurriert hat.

Heliskiing bei Zermatt: Die gewerbsmässigen Personentransporte bringen der Region viel Geld, werden aber von Umweltverbänden stark kritisiert.

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Bild: Ulli Seer

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Für 380 Franken pro Person bietet die Air Zermatt Heliski-Flüge ab ihrer Basis in Zermatt an. Tiefschneefahrer können so ohne die Anstrengung eines langen Aufstiegs vom Alphubel, vom Monte Rosa, vom Aeschhorn oder vom Theodulgletscher ins Tal hinunterkurven. Die Skifahrer müssen einen Bergführer engagieren. In der Schweiz ist das Heliskiing umstritten. Im April 2010 reichten der VerkehrsClub der Schweiz, der WWF, Pro Natura und Mountain Wilderness eine Petition mit 14 000 Unterschriften ein, die vom Bund ein Verbot solcher Flüge auf Gebirgslandeplätze in und am Rand von Schutzgebieten fordert.

Keine grundsätzliche Abneigung

Der Schweizerische Alpen-Club (SAC) verfolgt eine andere Politik. Gemäss seiner Umweltrichtlinien möchte er die Gebirgsfliegerei lenken und beschränken. «Wir sind nicht grundsätzlich gegen das Heliskiing, sondern für eine räumliche Entflechtung, damit Bergsportler mit unterschiedlichen Bedürfnissen aneinander vorbeikommen», verdeutlicht SAC-Geschäftsführer Peter Mäder diese Richtlinie. Im Auftrag des Bundesrats überprüft das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) alle 42 Gebirgslandeplätze. Als Erstes nahm es die Region Zermatt unter die Lupe, wo die gewerbsmässigen Personentransporte zwischen 2000 und 4000 Flügen pro Jahr schwanken.

Der SAC-Zentralvorstand schlug dem Bazl im August 2009 vor, in der Region Zermatt das Heliskiing auf die westliche Talseite mit Abfahrten vom Aeschhorn zu begrenzen. Auf der östlichen Talseite sollte dagegen durch eine Aufhebung der Landeplätze Alphubel und Unterrothorn Ruhe einkehren; zum Monte Rosa solle der Bund nur noch Trainingsflüge erlauben.

Mit Abspaltung gedroht

Ganz anderer Meinung waren die Air Zermatt, die Gemeinde Zermatt, die Verbände der Bergführer, Skilehrer und Hoteliers sowie die Walliser SAC-Sektionen. Unterstützt vom Staatsrat, forderten sie den Bund auf, die fünf bisherigen Gebirgslandeplätze beizubehalten. Zudem sollten Helikopter den vor einigen Jahre aufgehobenen Landeplatz Trift wieder benutzen dürfen, um Skifahrer nach der Abfahrt vom Aeschhorn aufzunehmen. Als Entgegenkommen an Ruhe suchende Berggänger sah ihr «Kompromissvorschlag» vor, in den Sommermonaten keine kommerzielle Flüge auf den Alphubel, den Monte Rosa und das Aeschhorn durchzuführen.

Im SAC brachten Gespräche zwischen dem Zentralvorstand und den Walliser Sektionen keine Annäherung. Der Konflikt ist nun eskaliert, weil der Zentralvorstand die inzwischen erlassene Verfügung über die Gebirgslandeplätze in der Region Zermatt vor Bundesverwaltungsgericht angefochten hat. «Die Verfügung ist einseitig zugunsten der touristischen Gebirgsfliegerei», kritisiert SAC-Geschäftsführer Mäder den Umstand, dass der Bundesrat fünf Gebirgslandeplätze definitiv bezeichnete und einen sechsten auf dem Unterrothorn provisorisch.

Vorstand überspannte den Bogen

«Weshalb will der Zentralvorstand uns vorschreiben, wo wir in unserer Region Landeplätze haben», ärgert sich der Präsident der SAC-Sektion Zermatt, Karl Schmidhalter. Als «Frechheit» und Entscheid «aus dem hohlen Bauch» kritisierte Peter Planche, Vizepräsident der grössten Sektion Monte Rosa, im «Walliser Bote» die Einsprache. Die Walliser SAC-Sektionen solidarisieren sich mit den Gemeinden Zermatt, Täsch und Saas-Fe, den Bergführern, «für die das Heliskiing eine Verdienstmöglichkeit ist», und den Helipiloten wegen deren Trainingsmöglichkeiten.

«Jetzt haben sie den Bogen überspannt», kritisiert Gerold Biner den SACZentralvorstand. Biner ist Vizepräsident der Gemeinde Zermatt und bei der Air Zermatt für den Flugbetrieb verantwortlich. Die Gemeinde habe dem SAC Boden für die neue Monte-Rosa-Hütte abgetreten und wende jährlich Hunderttausende Franken auf, um die Wege zu den SACHütten zu unterhalten. Nun werde man mit den touristischen Leistungsträgern und den SAC-Sektionen Monte Rosa, Zermatt und Saas diskutieren, «ob wir uns vom SAC-Zentralverband abspalten sollen», droht Briner. «Wegen eines solchen Geschäfts eine Spaltung des SAC zu provozieren, wäre das Letzte, was wir wollen», entgegnet Geschäftsführer Mäder. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.01.2011, 07:04 Uhr

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