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Schweiz

Klinik schickt den Täter heim

Von Franziska Laur. Aktualisiert am 13.03.2009

Die Vollzugsbehörden waren über den Rückfall des Inhaftierten im Mordfall Lucie in die Drogensucht informiert. Am Tag vor der Tat kam er in die Klinik – allerdings zu spät. Der Justizdirektor ordnete nun eine Administrativuntersuchung an.

DanielHofmann: Die Polizei sucht weitere  Informationen über den Mann, der Lucie tötete.

DanielHofmann: Die Polizei sucht weitere Informationen über den Mann, der Lucie tötete. (Bild: Keystone)

Gestern gab die Kantonspolizei Aargau Details zum Mordfall an Lucie Trezzini bekannt. Der geständige Inhaftierte habe die 17-Jährige am Mittwoch, 4. März, um 14 Uhr im Bahnhof Zürich für Fotoaufnahmen angeworben. Sie sei ohne zu zögern mit ihm in seine Wohnung in Rieden bei Baden gekommen. Dort hätten sie eine gute Stunde geredet, wobei es um die Formalitäten der Fotosession gegangen sei. Das Gespräch sei ruhig und sachlich verlaufen.

Wie Polizeikommandant Urs Winzenried ausführte, habe Daniel Hofmann – die Polizei besteht ausdrücklich darauf, den Namen des Täters zu veröffentlichen – seine Lebenssituation plötzlich als aussichtslos empfunden. Der 25-Jährige hatte vor Kurzem die Arbeitsstelle und die Freundin verloren. Da er wieder in Haft kommen wollte, habe er beschlossen, das Mädchen zu töten. «Er holte ein Schlagwerkzeug und schlug auf sie ein.» Als sie danach noch lebte, tötete er sie mit einem Messer. «Daniel Hofmann wirkte bei seinem Geständnis ruhig, gefasst und kooperativ», sagte Winzenried.

Am Sonntag hatte die Polizei die tote 17-Jährige in der Wohnung in Rieden bei Baden gefunden. Am Montag stellte sich Daniel Hofmann der Polizei.

Der Geständige war erst seit sieben Monaten auf freiem Fuss. Er sass in der Baselbieter Arbeitserziehungsanstalt eine vierjährige Strafe ab, weil er versucht hatte, eine Kollegin zu töten.

Kontrollen versagt

Regierungsrat Kurt Wernli nahm gestern Stellung zur Frage, ob der Tod des Mädchens hätte verhindert werden können. Die psychiatrischen Dienste Aargau hätten im Jahr 2004 eine Verwahrung abgelehnt. Bei der Entlassung aus dem Arxhof habe die Vollzugsbehörde gar einen kleinen Trick angewendet, um ihn nicht unbeaufsichtigt laufen lassen zu müssen. Sie entliess ihn eine Woche vor der Verbüssung der gesamten Haftstrafe und konnte ihm dadurch Auflagen machen. Im Laufe der sieben Monate in Freiheit besuchte er zunächst regelmässig die Suchtberatung und gab monatlich Urin zur Überwachung der Drogenabstinenz ab. Auch mit seiner Bewährungshelferin stand er häufig in Kontakt. Allerdings schien Daniel Hofmann in den Wochen vor der Tat unzuverlässiger geworden zu sein.

Am 25. Februar teilte die Bewährungshelferin der Vollzugsbehörde denn auch mit, dass ihr Schutzbefohlener seine Arbeitsstelle verloren habe. Sie schrieb auch, dass die Abstinenzkontrollen zwar keinen Drogenmissbrauch angegeben hätten, Daniel Hofmann allerdings eingestanden habe, Cannabis und Kokain konsumiert zu haben. Eine fatale Mischung, da Arxhof-Direktor Renato Rossi bei seinem Austritt bescheinigt hatte, dass er unter Drogen aggressiv reagieren könne.

Zu spät

Am Tag darauf ordnete die Vollzugsbehörde eine stationäre Drogentherapie an. Am 4. März hätte ein erstes Gespräch in der Entzugsklinik in Neuenhof stattfinden sollen. Da er allerdings verspätet erschienen sei, habe der Termin nicht wahrgenommen werden können. Daniel Hofmann wurde wieder nach Hause geschickt und brachte tags darauf die 17-jährige Lucie Trezzini um.

Regierungsrat Kurt Wernli sagte, die Vollzugsbehörden und die Bewährungshilfe hätten beim Massnahmevollzug zwar «rechtlich korrekt und zweckmässig» gehandelt. Für vertiefte Abklärungen sei allerdings eine administrative Untersuchung in Auftrag gegeben worden, betonte der Vorsteher des Departementes Volkswirtschaft und Inneres. Eine externe Fachperson werde den Entscheid über die bedingte Entlassung aus dem Arxhof prüfen. Abgeklärt werde zudem die Überwachung der Auflagen und der Entwicklung des Täters durch die Bewährungshilfe. Dabei gehe es auch um die Art und Intensität der Kontakte zwischen Bewährungshilfe und Täter .

Die Kantonspolizei Aargau bittet diejenigen Mädchen und Frauen, die von Daniel Hofmann in der Zeit seit August 2008 angesprochen und für Fotoaufnahmen angeworben wurden, sich mit dem Polizeikommando in Verbindung zu setzen.Telefon: 062-8358181 (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.03.2009, 07:49 Uhr

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