Schweiz
Kein Interesse am Bau von Gaskraftwerken
Aktualisiert am 19.04.2012 142 Kommentare
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Um den Atomausstieg zu schaffen, setzt der Bundesrat auch auf Gaskraftwerke. Doch die drei grossen Schweizer Energiekonzerne Axpo, ( 0.00%) Alpiq (ALPH 115.7 -0.69%) und BKW zeigen kein Interesse. Sie zweifeln, ob ein Gasgaskraftwerk rentabel betrieben werden könnte.
«Zuerst müssen sich die politischen Rahmenbedingungen ändern - insbesondere die Kompensationsregeln», sagte Sebastian Vogler, Sprecher der bernischen BKW heute auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Vorher sei es in der Schweiz nicht möglich, ein Gaskraftwerk wirtschaftlich zu betreiben.
Pläne der BKW bleiben in der Schublade
Die Kompensationsregeln stehen im CO2-Gesetz und sollen helfen, dass die Schweiz ihre Klimaziele erreicht: Von Gaskraftwerken ausgestossenes CO2 muss vollständig kompensiert werden, und zwar mindestens zur Hälfte im Inland. «Es sollte möglich sein, mehr in Ausland zu kompensieren», wiederholte Vogler eine Forderung der Strombranche.
Die BKW hatte im Jahr 2009 ein fortgeschrittenes Projekt für den Bau eines Gaskombikraftwerkes bei der Papierfabrik Utzenstorf BE sistiert. Bis auf Weiteres würden diese Unterlagen in der Schublade bleiben, sagte Vogler. Ändern könnte dies allenfalls ein Anschluss an das Emissionshandelssystem der EU (ETS).
Ein solcher Anschluss ist in der am Mittwoch vom Bundesrat vorgestellten Energiestrategie 2050 vorgesehen. «Es ist nun am Bundesrat zu handeln», sagte Vogler.
Umgehung der Inlandkompensation
Im europäischen Emissionshandelssystem können CO2-Emissionen durch die Ersteigerung von Emissionsrechten abgegolten werden. Der entscheidende Punkt: Die Abgeltung via Emissionsrechte würde als Inlandkompensation angerechnet. Dies hatte Bundesrätin Leuthard während der Beratungen des CO2-Gesetzes im Parlament bekräftigt.
Ihre Argumentation: Mit einem Anschluss an den europäischen Emissionshandel würde ein gemeinsamer Binnenmarkt zwischen der Schweiz und der EU entstehen. Beim Bundesamt für Energie hiess es heute, die Verhandlungen für einem Beitritt seien am Laufen. Details wurden nicht genannt.
Axpo-Sprecher Erwin Schärer sagte zum EU-Emissionshandelssystem: «Die Schweizer Energieunternehmen erhielten mit einem Anschluss an das Emissionshandelssystem die gleichen Bedingungen wie die Unternehmen in der EU.»
Durchzogene Erfahrungen im Ausland
Generell halte sich die Axpo alle Optionen zur Stromerzeugung offen, auch den Bau von Gaskraftwerken, sagte Schärer. Die Axpo ist bereits an Gaskombikraftwerken in Italien beteiligt. Diese laufen allerdings nicht immer auf Vollleistung. In der Schweiz hatte die Axpo im Jahr 2007 Pläne für Gaskraftwerke zurückgestellt.
Zurückhaltung zeigt auch Alpiq. Der Energiekonzern ist ebenfalls an mehreren Gaskraftwerken im Ausland beteiligt. Und es sind die dort gemachten Erfahrungen, die das Unternehmen skeptisch stimmen: «In Westeuropa haben wir Konkurrenz von den erneuerbaren Energien bekommen», sagte Firmensprecher Martin Stutz.
Das habe dazu geführt, dass die Gaswerke dort weniger rentabel seien als etwa in Osteuropa, wo der Markt illiquide sei, sagte Stutz. Bevor Alpiq ein Gaskraftwerk in der Schweiz bauen würde, müsste - nebst anderen Aspekten - klar sein, wie viele Stunden pro Jahr das Werk laufen könnte.
Ein Gaskraftwerk, das nur zur Abdeckung von Nachfragespitzen dient, sieht Alpiq nicht. Das wäre nicht rentabel. «Auch ist ein dauerndes Hoch- und Herunterfahren von Kraftwerken teuer», sagte Stutz. Ein weiteres Problem sieht er in der Standortsuche. In der Regel sei die Opposition der Anwohner gegen neue Werke gross.
Zwei Projekte in der Westschweiz
In der Westschweiz hingegen gibt zwei konkrete Projekte für Gaskombikraftwerke. Im Unterwallis will die EOS Holding das ehemalige Ölkraftwerk Chavalon in ein Gaskraftwerk mit einer Leistung von rund 400 Megawatt umbauen. Insgesamt sollen eine Million Personen mit Strom versorgt werden können.
Ebenfalls 400 Megawatt sieht ein Gaskraftwerk-Projekt auf einem alten Industriegelände in Cornaux NE vor. Federführend ist hier die Freiburger Groupe E. Angesprochen auf die Rentabilität sagte Groupe-E-Sprecher Christophe Kaempf: «Wir wünschen, die gesamte CO2- Kompensation via EU-Emissionshandelssystem zu tätigen.»
Im schlimmsten Fall vier bis sechs Gaskraftwerke
Bundesrätin Doris Leuthard hatte am Mittwoch bei der Präsentation der Energiestrategie 2050 erklärt, dass voraussichtlich bis im Jahr 2020 ein Gaskraftwerk gebaut werden muss, um vom Atomstrom wegzukommen. Anschliessend brauche es zur Netzwerkstabilität und zur Verhinderung von Stromimporten «weitere» Gaskombikraftwerke.
Heute präzisierte Leuthard im «Tagesgespräch» von Schweizer Radio DRS: Im schlimmsten Fall - wenn zu wenig Strom eingespart werden könne und zu viele Projekte für erneuerbare Energie bekämpft würden - brauche es bis 2050 vier bis sechs Gaskraftwerke. (fko/sda)
Erstellt: 19.04.2012, 20:46 Uhr
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142 Kommentare
Abgesehen davon, dass alle AKWs immer noch eine unbefristete Betriebsbewilligung haben:
Die Schweiz exportiert 21 TWh Nettostrom nach Italien (5 CH-AKWs produzieren 25 TWh).
Wenn die Stromkonzerne ohnehin beabsichtigen weiterhin Strom aus A, D und F zu importieren und dafür CH-Strom nach Italien zu exportieren, dann werden sie neue Kraftwerke vermutlich eher direkt in Italien aufstellen wollen.
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Und das mit dem 'Nicht-Rentieren' ist eine faule Ausrede: Mit den 2,5 Mrd, welche die Axpo für das verschwenderische und teure Pumpspeicher in Linth-Limmern investiert, hätte man über 150'000 Ölheizungsbesitzer, welche ihre Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen, je 10'000 CHF zahlen, ein Gaskraftwerk für deren Betrieb hinstellen und somit den CO2-Ausstoss um weit über 100% kompensieren können. Antworten
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