Jeder zweite Mann ist zu dick
Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 17.11.2009 58 Kommentare
Besonders übergewichtig: Männer. Aber auch Kinder sind zunehmend betroffen. (Bild: Keystone)
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Bewegungsmangel und einseitige Ernährung setzen den Schweizerinnen und Schweizern immer mehr zu. Laut einer Studie der Basler Firma Health Econ sind 37,3 Prozent der Erwachsenen übergewichtig. 8,1 Prozent von ihnen sind sogar adipös (fettsüchtig). Als übergewichtig gilt, wer einen Body-Mass-Index* zwischen 25 und 30 Punkten aufweist, als adipös, wer über 30 Punkten liegt.
Die Studie wurde im April 2009 im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) verfasst und nun im Internet veröffentlicht. Sie stützt sich auf Angaben des Bundesamts für Statistik und zeigt, dass sich die Zahl der dicken Menschen in der Schweiz in den letzten 15 Jahren stark erhöht hat. So ist der Anteil Übergewichtiger von 1992 bis 2007 von 24,9 auf 29,2 Prozent gestiegen, jener der adipösen Personen von 5,4 auf 8,1 Prozent. Stark zugenommen hat im langjährigen Vergleich auch die Zahl übergewichtiger und adipöser Kinder. Zwischen 1960/1965 und 2007 stieg ihr Anteil bei den 6- bis 13-jährigen Jungen von 5,1 auf 16,7 Prozent und bei den Mädchen von 5,4 auf 13,1 Prozent.
Fast jeder zweite Mann zu dick
Vor allem Männer sind von Übergewicht betroffen. 2007 waren 46,4 Prozent der Männer übergewichtig oder gar adipös. Bei den Frauen waren es 28,6 Prozent. Die Studienverfasser rechnen damit, dass sich der Anteil übergewichtiger Männer in den nächsten 15 Jahren auf diesem hohen Niveau stabilisiert. Bei den Frauen ist der Anteil seit dem Jahr 2000 stabil. Die Studie hält fest, dass sich der in den letzten 20 Jahren beobachtete rasche Anstieg des Anteils Übergewichtiger insgesamt verlangsamt.
Drastisch gestiegen sind hingegen die Kosten, die durch Übergewicht verursacht werden. 2001 betrugen sie geschätzte 2,6 Milliarden Franken pro Jahr. 2006 waren es bereits 5,7 Milliarden. Die Kosten entstehen vor allem durch die Behandlung von vier Krankheiten, die massgeblich durch Übergewicht verursacht werden: Diabetes Typ 2, Erkrankungen der Herzkranzgefässe, Knie- und Hüft-Arthritis sowie Asthma. Die unmittelbar auf Übergewicht zurückzuführenden Kosten betrugen 2006 total 3,8 Milliarden Franken. Die Studienverfasser warnen, dass dieser Anteil zu hoch sei angesichts der demografischen Herausforderung, die auf das Gesundheitssystem zukommt: Ein grosser Teil der Ressourcen wird künftig für die Pflege alter Menschen aufgewendet werden müssen.
Um dem Übergewicht entgegenzuwirken, hat der Bundesrat 2008 das Programm «Ernährung und Bewegung» verabschiedet. Ziel ist es, die Bevölkerung zu einem bewussteren Ernährungsverhalten und mehr Bewegung zu animieren. Laut BAG achtet fast ein Drittel der Bevölkerung nicht auf die Ernährung. Und 64 Prozent ignorieren die Empfehlung, sich täglich mindestens eine halbe Stunde zu bewegen.
Umstrittene Gesetzesvorlage
«Ernährung und Bewegung» fördert Sportaktivitäten für Jugendliche und Projekte für gesünderes Essen – so haben sich Coop und Migros eben in Kooperation mit dem BAG zur Reduktion des Salzgehalts in Lebensmitteln verpflichtet. Das Programm ist allerdings befristet bis 2012. Danach soll es mit dem Präventionsgesetz eine gesetzliche Grundlage erhalten. Doch das Gesetz ist stark umstritten. Als es Pascal Couchepin Ende September vorstellte, hagelte es Kritik von Wirtschaftsverbänden und bürgerlichen Parteien, die vor staatlicher Bevormundung warnten.
«Mit Präventionskampagnen erreicht man nur die Menschen, die ohnehin gesund leben», sagt SVP-Gesundheitsexperte Toni Bortoluzzi. Präventivmediziner und FDP-Ständerat Felix Gutzwiller hingegen betont: «Die Zahlen zu den Folgen von Übergewicht zeigen, wie wichtig Prävention ist.» Bei der Behandlung der Folgekrankheiten sei die Schweiz führend, bei der Verhütung von Übergewicht hingegen nicht. Das Präventionsgesetz kommt voraussichtlich im Sommer 2010 ins Parlament.
* Der Body-Mass-Index (BMI) wird nach folgender Formel berechnet: Körpergewicht (kg) : Grösse (m) 2
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.11.2009, 08:13 Uhr
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58 Kommentare
Wie generell richtig gesagt wird, sagt der BMI in seiner klassischen Anwendung wenig über den Zustand des Körpers aus. Was er allerdings klar reflektiert ist die Hilflosigkeit von GesundheitspolitkerInnen, einen vernünftigen Zusammenhang zwischen Körpergewicht und der von Personen wahrgenommenen "Gesundheit" zu definieren. Der Fall von Frau Bagnato ist dafür exemplarisch. Antworten
Der Weg über das Portemonnaie ist offenbar leider der einzig wirksame. Allerdings müsste man eine gewaltige Steuer auf "Geschmacksverstärkern" (Natriumglutamat etc.) und Mikrowellenherden einführen oder noch besser diese ganz verbieten. Zudem muss ein Umdenken der Nahrung gegenüber stattfinden. Diese ist weder Zeitvertrieb (resp. -einsparung) und auch kein Liebesersatz! Und die Werbung erst..... Antworten



































