Ist Unfug Privatsache?
Von Constantin Seib. Aktualisiert am 19.05.2011 246 Kommentare
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Sollte die Verblödung des Volkes eine staatliche Aufgabe sein? Oder sollte sie durch die Privatwirtschaft übernommen werden? Diese Frage stellt im Kern die SVP-Politikerin Nathalie Rickli.
Diese reichte eine von 143'000 Leuten unterschriebene Petition ein, die eine Reduktion der TV-Gebühren fordert. Und verlangt, öffentliches Fernsehen solle auf Unfug wie Quiz-, Koch-, Casting-, Solariumgehen oder Der-Doktor-bricht-das-Herz-der-Schwester-Monika-Sendungen verzichten. Und sich stattdessen auf Nachrichten und Politik konzentrieren, ergänzt durch Sport.Unfug, also Unterhaltung, solle man lieber den Privaten überlassen: Frau Ricklis Kunden. (Ihr Arbeitgeber vermittelt Werbung an private TV-Stationen.)
Populäre These
Abgesehen davon, dass ihre Firma mit am meisten von den vorgeschlagenen Änderungen profitieren würde – hat Frau Rickli recht? Die These, dass Unterhaltungsfernsehen verblödet, ist so populär wie die Sendungen selbst. Sie scheint – obwohl erstaunlicherweise nie jemand zugibt, persönlich verblödet worden zu sein – auf den ersten Blick klar: Viel ist standardisierter Schrott. Und auch die Kritik daran – das Grummeln über schleimige Moderatoren, etc. – ist genau so standardisierter Schrott: Alles ist 1000-mal gesehen und gehört.
Fernsehen verbindet
Soll man es abschaffen? (Auch wenn Frau Ricklis Vision, dass sich das offizielle Fernsehen vor allem auf redende Politiker konzentriert, so attraktiv klingt wie ein Dauerdokumentarfilm über Grottenolme.) Eigentlich nicht. Aus drei Gründen: Keiner Kultur, keinem Medium gelang es je, sich auf das Wesentliche (was immer das ist) zu konzentrieren. Alles Schöne und Kluge wuchs immer aus einem riesigen Komposthaufen an Halbgutem, Unfug und Giftigem. So auch im teuren TV – Brillantes wächst nur aus genug Scheusslichkeiten. Zweitens: So stereotyp das Fluchen über das heimische Programm ist, so sehr verbindet es die Leute: über den gemeinsamen Gegner und gemeinsamen Geschmack. Und drittens sitzt man als Zuschauer in einer königlichen Situation im Sessel: Entweder fesselt einen interessantes Fernsehen, oder man hat Zeit für anderes. Wo sonst im Leben kann man nur gewinnen? (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.05.2011, 22:21 Uhr
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246 Kommentare
Sollte die Verblödung des Volkes eine staatliche Aufgabe sein?
Gute Frage! Ich glaube nicht. Denn es gibt dafür ja eine grosse sogenannte politische Partei. Die macht das mit immer grösserem Erfolg, seit Jahren. Sie scheut dabei keine Kosten für die Verdummungsplakate und - Inserate!
Antworten
Halbierung der Bilag-Gebühr - ja klar. So ein Anliegen den Zahlenden schmackhaft zu machen ist kinderleicht. Nur die Entscheidung was Sehenswert ist, möchte ich weder Frau Rickli noch sonst einem Politiker überlassen. Wenn's nach mir gehen würde, könnte auf Sport verzichtet werden....aber nur weil mir etwas nicht zusagt, ist es nicht gleich der Übertragung unwürdig. Antworten
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