Islamisches Zeltlager am Bielersee
Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 09.06.2010
Uni Zürich: Medientraining von radikalen Muslimen abgesagt
Gestern herrschte hektischer Mailverkehr zwischen dem Stabschef des Uni-Rektors, Maximilian Jäger, und Oscar Assadullah Mukhtar Bergamin. Er ist Berater von Nicolas Blancho, dem Präsidenten des Islamischen Zentralrats. Grund für die Aufregung war ein Kurs, in dem Bergamin Muslime im Umgang mit Massenmedien schulen will. Das Training hätte am nächsten Samstag am Zentrum für Weiterbildung in Zürich stattfinden sollen. Laut Bergamin haben sich rund 50 Personen angemeldet. Doch gestern traf bei ihm überraschend die Stornierung der Raumbuchung ein, die man Bergamin am 18. Mai bestätigt hatte. Begründung: Gestützt auf die Rechtsgrundlagen der Universität würden keine politischen und religiösen Veranstaltungen von ausseruniversitären Organisationen bewilligt. Zudem habe Bergamin nicht offengelegt, dass hinter dem Seminar der Islamische Zentralrat stehe. Jäger bestätigte den Sachverhalt auf Anfrage und erklärte: «Herr Bergamin hat uns nicht reinen Wein eingeschenkt.»
Bergamin weist den Vorwurf zurück. Er organisiere den Kurs persönlich über seine im Handelsregister eingetragene Firma 3C-Project-Management. Der Islamische Zentralrat sei nur Sponsor. Zudem würden im Kurs weder religiöse noch politische Inhalte gelehrt. Es gehe um journalistisches Grundwissen. Im Kursbeschrieb heisst es zu den Inhalten aber auch: «Aufräumen mit Stereotypen wie Frauenbeschneidung, Unterdrückung der Frau, Ehrenmord usw.» Oder «Wie entgegne ich ‹Islam-Experten› und wie entlarve ich Unwahrheiten».
Bergamin sieht die Stornierung als Ausgrenzung. Er wird den Zentralrat orientieren und ist überzeugt, dass «jetzt eine andere Tonlage angeschlagen wird», und er prüft rechtliche Schritte gegen die Uni. Den Kurs will er trotzdem durchführen. Er habe bereits andere Räume im Raum Zürich reserviert. Oscar Bergamin ist der breiten Öffentlichkeit durch einen Auftritt im «Club» des Schweizer Fernsehens bekannt, wo es um Muslime in der Schweiz ging. Der 45-jährige Konvertit arbeitete als Redaktor der «Südostschweiz», für die Schweizer Armee in Kosovo und als Medientrainer für die Nato in Afghanistan. (Daniel Schneebeli)
Artikel zum Thema
Stichworte
Der idyllische Lagerplatz liegt fernab von Strassenlärm und Hektik zwischen Lüscherz und Hagneck am Bielersee. Hin und wieder passiert eine Velofahrerin auf dem Weg nach Biel oder Erlach das Grundstück der Burgergemeinde, oder ein Wanderer macht Rast bei den Feuerstellen. Deutlich mehr Betrieb wird auf dem grosszügigen Gelände von Freitag bis Sonntag kommender Woche herrschen.
Dann führt der Islamische Zentralrat in Lüscherz ein «Islamisches Zeltlager» durch. «Das Lager bietet seinen Besucherinnen und Besuchern die verschiedensten Möglichkeiten, das Leben in der islamischen Gemeinschaft mit lehrreichen Seminarveranstaltungen auf der einen Seite und abwechslungsreichen Sport- und Spielaktivitäten auf der anderen Seite auszukosten», heisst es auf der Ausschreibung. Abdel Azziz Qaasim Illi, Sprecher des Zentralrats, rechnet mit 80 bis 120 Teilnehmenden.
Pingpong und Referate
Tatsächlich bietet der Anlass ein reichhaltiges Programm. Zunächst wird gemeinsam das Salat ul-Jumu’a (Freitagsgebet) gebetet. Danach wird Bogenschiessen, Schwimmunterricht, Orientierungslauf oder Pingpong angeboten. An den Abenden referieren Abu Ammar Abdullah (alias Zentralratspräsident Nicolas Blancho) über «islamische Lehrinhalte» und Abu Nusaybah (alias Zentralratssprecher und Geschichtsstudent Qaasim Illi) über die Hintergründe der Juragewässerkorrektion. Speziell darauf hingewiesen wird auf die ideale «räumliche Trennung des Männer- und Frauenlagers». Zu Ende geht das Zeltlager dann am Sonntag nach dem Nachmittagsgebet (Asr).
«Dem muss ich jetzt sofort nachgehen»
Der ganze Anlass in der seeländischen Provinz mutet zwar ungewohnt an, etwas Verfängliches findet sich im Programm jedoch nicht. Anton Grimm, Burgerschreiber von Lüscherz, fällt dennoch aus allen Wolken, als er mit dem Hintergrund seiner Gäste konfrontiert wird: «Ich hatte keine Ahnung, dass der Islamische Zentralrat hinter der Platzreservation steht.» Er sei nun schon etwas «überrumpelt», sagt Grimm. Eine Privatperson habe die Wiese am See für eine Jugendgruppe gemietet. Der Zentralrat, der in den letzten Wochen und Monaten mehrmals für negative Schlagzeilen gesorgt habe, sei keine Organisation, «die wir gerne bei uns haben», fügt Grimm hinzu.
Auch der Burgerpräsident wusste nichts von seinen illustren Gästen: «Das müssen wir jetzt sicher nochmals zusammen anschauen», sagt Hansjakob Hauen. Gleich reagiert der Gemeindepräsident von Lüscherz: «Dem muss ich jetzt sofort nachgehen», sagt Josef Grimm, auch er habe nichts davon gewusst, dass der Islamische Zentralrat ein grosses Zeltlager in seiner Gemeinde durchführe.
«Keine grosse Sache»
Überrascht gibt sich auch Zentralratssprecher Illi: Er habe den Platz zwar nicht selber reserviert. «Ich glaube aber schon, dass wir transparent gewesen sind.» Später sagt er: «Ich bin sicher, dass wir den Namen unserer Organisation angegeben haben.» Das Lager sei keine grosse Sache und werde sicher nicht zu Problemen führen.
Der Zentralrat dominierte in den letzten Monaten die Islamdebatte in der Schweiz, obschon er keineswegs die Schweizer Muslime repräsentiert. Im aktiven und gut organisierten Vorstand geben junge Männer den Ton an. Präsident Blancho und Sprecher Illi sind in der Schweiz aufgewachsen und haben zum Islam konvertiert. Der Zentralrat versteht sich als «handlungsfähige islamische Basisorganisation mit nationaler Ausrichtung», wird von liberalen Muslimen jedoch abgelehnt. Die Exponenten des Zentralrats haben sich in der Vergangenheit verschiedentlich Kritik eingehandelt. Präsident Blancho weigerte sich beispielsweise in der «Arena», sich von der Steinigung von Ehebrecherinnen zu distanzieren. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.06.2010, 07:54 Uhr
Schweiz
- 19:43Bisher keine Zeit für Weissgeldstrategie
- 15:35Weissgeldstrategie: Widmer-Schlumpf holt SP ins Boot
- 15:00Bei der SNB-Aufsicht soll alles bleiben wie es ist
- 12:42Fast jede zweite Gewaltstraftat ist ein Fall von häuslicher Gewalt
- 12:23Homosexuelle sollen Kinder adoptieren dürfen
- 12:11Über drei Milliarden für Schweizer Autobahnen
Schweiz
- 19:43Bisher keine Zeit für Weissgeldstrategie
- 15:35Weissgeldstrategie: Widmer-Schlumpf holt SP ins Boot
- 15:00Bei der SNB-Aufsicht soll alles bleiben wie es ist
- 12:42Fast jede zweite Gewaltstraftat ist ein Fall von häuslicher Gewalt
- 12:23Homosexuelle sollen Kinder adoptieren dürfen
- 12:11Über drei Milliarden für Schweizer Autobahnen


















































