Schweiz

In Bure «die Sau rauslassen»

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 10.11.2010 77 Kommentare

Soldaten nehmen es mit den Sicherheitsvorschriften nicht immer so genau. Das belegen Bekenntnisse ehemaliger Panzerfahrer. Bure geniesst dabei einen zweifelhaften Ruf.

1/6 Vollgas durch den Schlamm: Auf der Teststrecke in Bure ist es möglich.

   

Bildstrecke

Artikel zum Thema

Stichworte

Zwar wird der jüngste Panzer-Unfall in Bure von allen Seiten bedauert. Doch nicht jeder ist überzeugt, dass es sich dabei um einen Einzelfall handelt. Denn die Sicherheitsvorschriften werden nicht selten ignoriert.

Dies, obwohl ein Unfall in Piranhas und anderen Schützenpanzern schnell passiert ist. Der Panzer hat keine Knautschzone und im Innern ist nichts gepolstert. Die Soldaten, die dichtgedrängt im Panzer sitzen, können sich bei einer Kollision leicht an einem Metallteil stossen. Dazu kommt, dass nicht befestigtes Material bei einem Zusammenstoss wild herumfliegt. «Auch wenn die Rekruten angeschnallt sind, kann man sich bei einer Kollision schwer verletzen. Anders als in einem PW», sagt Heer-Sprecher Daniel Reist.

«Wundere mich nicht»

Und dennoch nehmen es die Soldaten mit den Sicherheitsvorschriften nicht so genau. Dass die Fahrzeuginsassen nicht richtig auf ihren Sitzen hocken, keinen Helm tragen oder Material lose im Fahrzeug herumliegen lassen, das eigentlich befestigt werden müsste, kommt immer wieder vor. «Als ehemaliger Panzerfahrer, der seine RS teilweise in Bure absolviert hat, wundere ich mich nicht, dass hin und wieder solche Unfälle geschehen. Sicherheitsabstände werden oft nicht eingehalten», schreibt ein DerBund.ch/Newsnet-Leser in seinem Kommentar.

Doch nicht nur die Insassen, auch der eine oder andere Militärfahrzeug-Fahrer handelt fahrlässig. Da es sich nicht um das eigene Material handelt, haben einige keine Hemmungen, mit dem Fahrzeug riskante Manöver zu vollführen, wie die Beispiele in der Videostrecke zeigen.

«Gemerkt hats keiner»

Der Waffenplatz Bure geniesst dabei einen sehr zweifelhaften Ruf. Die Angehörigen der Armee wissen: Hier kann man es so richtig krachen lassen, mit Panzern durch den Schlamm düsen. So kann es vorkommen, dass der Übermut, der bei solchen Aktionen entsteht, in einen Unfall mündet.

«In Bure war es meist so langweilig, dass wir bei der Wache übers Wochenende auf der Panzerpiste die Sau rausliessen. Egal ob mit Duro oder Puch. X-mal mussten wir die Fahrzeuge aus dem Schlamm ziehen. Gemerkt hats keiner, gefährlich wars trotzdem», erzählt ein weiterer Leser. Vorschriften gibt es schon, so der Tenor, doch eingehalten werden sie nicht.

Schwieriges Gelände

Zum Leichtsinn der Soldaten kommt schwieriges Gelände. Oft macht den Fahrern der Staub in Bure zu schaffen, wie ehemalige Militärangehörige berichten. Auch seien die Strassen oft feucht und rutschig.

«Das wird immer wieder behauptet», sagt SVP-Nationalrat Roland Borer zum Rambo-Image des Waffenplatzes Bure, «ich glaube jedoch nicht daran.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.11.2010, 16:02 Uhr

77

Kommentar schreiben







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

77 Kommentare

Thomas Schneebeli

10.11.2010, 12:43 Uhr
Melden

Ich war in Bure im Militärdienst - eine Verschiebung während der RS. Soweit ich dies beurteilen kann, wird auf diesem Waffenplatz sehr auf Sicherheit geachtet. Unfälle passieren - überall und immer wieder. Warum soll dies in der Armee nicht vorkommen dürfen? Und @J.Lang. Nicht alle Zuger sind froh um Sie! Antworten


Romeo Zolin

10.11.2010, 12:26 Uhr
Melden

Borer soll sich nicht wichtig machen, seine Forderungen schon lange in Taten umgesetzt. Die Sicherheitspolitische-Kommission soll sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn sie sind Sesselhocker. Lasst die Behörden in Ruhe die Untersuchungen durchführen. Das ganze hat auch nichts mit einem Laueribetrieb zu tun, dann schon eher mit menschlichem Versagen (was immer das aussagen soll). Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

DIE AGENDA

Informieren Sie sich über aktuelle Kulturveranstaltungen in der Stadt und Umgebung.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!